Viagra gegen Hitzewellen

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Schluss mit dem verschämten Schweigen, weg mit peinlichen Ausreden, Ende mit der Angst vor dem Alter: Frauen in den Wechseljahren haben’s nicht leicht, aber Totstellen ist auch keine Lösung. Dann doch lieber Spaß dabei. Im Theater am Marientor sind „Heiße Zeiten“ angebrochen.

Die Wechseljahre-Revue von Tilmann von Blomberg und Bärbel Arenz, die Ex-Missfits-Kabarettistin Gerburg Jahnke 2010 fürs St. Pauli-Theater in Hamburg inszeniert hat und dann sogar die Welle bis Wien und Zürich machte, brachte das Publikum bei der Duisburg-Premiere am Dienstag schnell auf Touren. Vor allem, weil da vier Schauspielerinnen auf der Bühne stehen, die mit Professionalität und ansteckender Begeisterung agieren; Frauen, mit denen sich die Zuschauerinnen (die Männerquote lag unter zehn Prozent) aber auch identifizieren können: Keine Schönheiten aus Model-Qualhaltung, sondern Frauen mit Busen, Bauch und Po – und Komödiantinnen, die singen und tanzen können.

Mitreißende Lieder und Schnulzen aus Pop und Rock zu fetzigen Tanznummern machen den Abend aus: Von „Ich freu mich auf die Wechseljahre“ zur Melodie von „Amarillo“ über „Die Zeit ist reif“ („I Will Survive“) bis hin zu „Wir heben ab“ („It’s Raining Men“). Absoluter Höhepunkt ist „Zombie-Zeit“, ein Lied über Schönheits-Chirurgie zur Melodie von „Somebody’s Watching Me“ von Rockwell. Die Musiker der Begleitband spielen dazu in Stewardessen-Uniformen.

Abheben wollen die vier Ladies, die sich zufällig auf dem Flughafen treffen, nach New York. Wo’s lang geht, wird schnell deutlich, denn wenn sie auf die Bühne kommen, informiert die Anzeigetafel auch darüber, wann sie zuletzt Sex hatten. Die 54-jährige Karrierefrau (Jutta Habicht) kommt gerade von einem One-Night-Stand und ist geschäftlich unterwegs; hat aber sicherheitshalber ein Päckchen Viagra dabei, um überraschenden Hängepartien vorzubeugen. Die 55-jährige Hausfrau (Sabine Urig) entflieht Mann und Kindern und muss noch schnell die Stützstrümpfe anziehen: „38 hat bei mir noch nie gepasst, noch nich mal anne Füße.“ Die 57-jährige Vornehme (Ines Martinez) hat Stress mit Vater und Tochter, behält aber fast immer die Contenance, die 39-jährige Junge (Susanne Hayo) will schwanger werden, hat aber einen zeugungsunfähigen Verlobten.

Das sind genug Themen, um daraus einen krachenden Cocktail zu mischen, der auch therapeutische Wirkung hat: Mädels, uns ist zum Heulen, aber lasst uns doch mal drüber lachen. „Girls Just Want to Have Fun“ – und das Publikum geht mit.