„Verunsicherung ist groß”
15.05.2009 | 17:38 Uhr 2009-05-15T17:38:00+0200Die „Essener Erklärung” ist unterschrieben, aber von Ruhe und Frieden ist man bei Thyssen-Krupp Steel noch weit entfernt.
„Das Maß der Verunsicherung ist groß”, beschreibt Holger Hollnack die Atmosphäre im Unternehmen, speziell in der Verwaltung.
Dort sollen nämlich, so der stellvertretende Hamborner Betriebsratsvorsitzende, voraussichtlich mehr als 1000 Stellen abgebaut werden, also der größte Teil der 1800 bis 2000 Arbeitsplätze, die entfallen sollen. Das sei jeder vierte Job in diesen Bereichen. Hollnack: „Das ist happig.”
Zumal die Belegschaft eine weitere Bedrohung sieht:1800 oder 2000 Stellen sollen beim bisherigen Konzern-Segment wegfallen, das ist seit letzter Woche klar. Aber auch der von der Konzernspitze betriebene Umbau des Unternehmens dürfte Arbeitsplätze bedrohen – durch Zentralisierung, durch Zusammenlegung, durch Auslagerung, durch Verlagerung. Und keiner wisse, wie, wo und wann oder ob es den Arbeitsplatz demnächst noch gibt und an welchem Standort, klagt der Betriebsrat: „Man lässt das alles so vor sich hin wabern.”
Seine Forderung: klare und zügige Information, wo es hin geht. Und ein Vorschlag an die Konzernspitze: Warum wird der Konzernumbau nicht um ein oder zwei Jahre verschoben, damit dann die Vorbereitung stimmt? Im Moment reagiere die Unternehmensführung hektisch, wirke in den Augen der Beschäftigten unprofessionell: „Man hat nicht mehr das Gefühl, in guten Händen zu sein.”
„Es wird Zeit, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und dass man wieder ans Arbeiten denken kann”, sagt der Arbeitnehmervertreter, der selber aus dem Verwaltungsbereich des Stahlunternehmens kommt. Mit der Vereinbarung über den Sozialplan habe der Betriebsrat die notwendigen Rahmenbedingungen für einen sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau geschaffen. „Keiner muss Angst haben, dass er unter die Räder kommt”, sagt Hollnack. Eine „Härtefallkommission” kümmere sich um den Schutz der Mitarbeiter.
Und die Bereitschaft in der Belegschaft, vorzeitig auszuscheiden, sei groß. Es gebe beispielsweise viele Kollegen, die seit 35 Jahren in Wechselschicht arbeiten und sich durchaus etwas anderes vorstellen können.
„Es hängt jetzt viel davon ab, wie reibungslos das alles abläuft”, sagte Hollnack im Gespräch mit der WAZ. Es gebe einen hohen Bedarf an individueller Beratung.

22:19
Sehr geehrter Kollege Hollnack,
dann schaff doch erst mal die Leute heran, die kompetent individuell beraten können.
Jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben, weil der Entwurf des Sozialplanes in Teilen nicht eindeutig oder zu verschachtelt ist.
Wenn die Personalabteilung nur auf schnelles Ausscheiden drängt, wird sie in etlichen Bereichen auf erheblichen Widerstand stoßen.