Das aktuelle Wetter Duisburg 19°C
Duisburg

Verborgene Talente

08.01.2009 | 13:35 Uhr
Verborgene Talente

Zwei Studentinnen berichten, welche Vorbehalte sie hatten, bevor sie ins Ruhrgebiet zogen. Mittlerweile haben sie die Mischung aus Industrie und Grün schätzen gelernt

Klassische Uni-Städte kann man Duisburg und Essen wohl nicht nennen. Dennoch gibt es Studenten, die nicht nur zur Hochschule pendeln, sondern in der Nähe wohnen wollen. Daniela Stürmann und Sophia Schönborn erklären im Gespräch mit Fabienne Piepiora, warum ihre Wahl auf die beiden Städte gefallen ist. Übrigens: Kirchturmdenken ist auch bei Jüngeren weit verbreitet.

Sie kommen beide nicht aus dem Ruhrgebiet. Wie war ihr Bild von der Region zuvor?

Stürmann: Als ich erzählt habe, dass ich zum Studium nach Duisburg gehe, haben mich alle für verrückt erklärt. Allerdings habe ich mich ja nicht für die Stadt, sondern für das Studienfach entschieden. Da ich Oberhausen, Mülheim und Essen auch nicht kannte, bin ich eben nach Duisburg gezogen.

Schönborn: Ich bin vom Sauerland hergezogen und habe mir nie vorstellen können, nach Duisburg zu gehen. Deshalb ist die Wahl auf Rüttenscheid gefallen. Mein Vater arbeitet in der Stahlbranche und kannte in Duisburg nichts außer Ruhrort. Er hat mir deshalb abgeraten, dorthin zu ziehen. Außerdem sind die Bahnverbindungen von Essen nach Duisburg ganz gut.

Kennen Sie denn inzwischen mehr als nur den Weg vom Hauptbahnhof zur Uni?

Schönborn: Klar. Man geht ja zwischendurch mal in Duisburg in die Stadt. Außerdem waren wir bei einem Festival im Meidericher Stadtpark. Die Sechs-Seen-Platte ist toll und der Landschaftspark kann mit Zeche Zollverein mithalten.

Stürmann: Er ist sogar noch besser! Duisburg ist nicht auf den ersten Blick schön, aber nach einiger Zeit entdeckt man viele schöne Ecken. Verborgene Talente, die sich nicht jedem sofort erschließen. Ich habe hier übrigens viele nette Menschen kennen gelernt. Mein Vermieter hat mir direkt beim Einzug angeboten, mir die Stadt zu zeigen.

Schönborn: An Essen mag ich, dass es sowohl industrielle Stadtteile gibt als auch idyllische und dörfliche, wie Kettwig oder Werden. Die Mischung macht es spannend.

Wie könnte man Studenten mehr an die Uni-Standorte heranführen?

Schönborn: Die Städte könnten viel mehr Werbung für die Angebote in ihrer Stadt machen. Warum bekommt man nicht mit, wann welche Konzerte stattfinden? Und wenn dann doch einmal Flyer ausliegen, dann garantiert so, dass niemand sie findet.

Stürmann: An der Uni bekommt man tatsächlich nicht so viel mit. Meist informiere ich mich durch die Zeitung.

Schönborn: Das ist ganz interessant: Eigentlich gehöre ich genau zur Zielgruppe. So Leute wie mich wollen wir mit der Umfrage erreichen. Jetzt muss man ihnen mitteilen, dass Pendeln verlorene Zeit ist.

Stürmann: Ich bin überrascht, wie viele Rückmeldungen wir bekommen haben. Offenbar haben wir den Finger in die Wunde gelegt. Die Befragung stand nur eine Woche online. In dieser Zeit haben sich 6800 Kommilitonen beteiligt. Das ist enorm. Die Rücklaufquote beträgt mehr als 20 Prozent.

Was soll nun passieren?

Stürmann: Die Umfrage haben wir im Rahmen unseres Seminars durchgeführt. Während einige Kommilitonen die Fragebögen entwickelt haben, nahmen andere Kontakt mit der Stadtspitze auf. Die zeigte sich interessiert, wie man das Problem lösen könnte.

Schönborn: Wir wollen die Maßnahmen gemeinsam entwickeln, machen aber keine konkreten Vorschläge. Schließlich wollen wir alle Politiker auf unserer Seite wissen. Die Verwaltung hat uns aber schon signalisiert, dass wir auf eines besonders achten: Es soll möglichst wenig kosten.

Fabienne Piepiora

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1264811/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
Netto-Chefs loben nach Einbruchserie Belohnung aus
Festnahmen
Seit acht Wochen beobachtet die Polizei vermehrt Einbrüche in Duisburger Filialen des Discountmarktes Netto. Die Geschäftsleitung hat eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt. Sonntagnacht erwischten Polizisten zwei junge Einbrecher in einer Filiale in Meiderich.
Demonstration für ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg
Kulturzentrum
Die Initiative „DU it yourself“, die 2011 die leer stehende Schule in Duisburg-Laar besetzt hatte, kämpft weiter für ein soziokulturelles Zentrum in der Stadt. Am 1. Juni rufen die Aktivisten deshalb zu einer Nachttanzdemo auf, die ab 19 Uhr vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt nach Hochfeld zieht.