Venske: Zwischen Tradition und Moral

Er moderierte „Musik aus Studio B“, schrieb Kinderbücher, arbeitete bei der „Sesamstraße“, war Mitglied er „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ und leitete die Zeitschrift „Pardon“. Henning Venskes Berufsleben weist viele Facetten auf. Mit 75 Jahren ist er noch immer als politischer Satiriker unterwegs.

Das traditionelle Bühnengewand des Kabarettisten, den unauffälligen schwarzen Anzug trägt er mit Lässigkeit und Eleganz, die Brillengläser blitzen und der Blick richtet sich auf das Publikum in der vollbesetzten „Säule“. „Ich bin ihre Opposition“, eröffnet er den Abend. Früher sei er armer linker Kabarettist gewesen, heute habe er es zum erfolgreichen Trendforscher gebracht, versucht er sein Publikum zu irritieren. Doch natürlich ist Venske geblieben, was er immer war: Moralist, Satiriker und Linker, auch wenn manche seiner Pointen einfach nur vergnüglich sind. Wenn er in ein paar Zeilen einen Rosamunde-Pilcher-Roman durch den Kakao zieht oder die Veröffentlichung eines „esoterischen Kriminalroman“ ankündigt, dann ist das gut gemachte literarische Parodie.

Die Bühnenpräsenz überzeugt, er setzt die richtigen Pausen. Man sieht und hört hin, wenn Henning Venske spricht. Auch, wenn er ganz und gar pointenfreie Texte liest. Über Griechenland beispielsweise. Er nennt Zahlen, erinnert daran, wie die deutschen Besatzer das Land ausgeplündert, die Bevölkerung schikaniert und getötet haben. Er rechnet nichts auf, aber er bringt ein Innehalten in die von Stammtischen beherrschte Debatte.

Satire ohne Moral gehe nicht betonte Venske. Die großen Themen seien geblieben: „Reich und Arm“, „Krieg und Frieden“. Venske ist ein Traditionalist, sowohl als politischer Linker als auch in seiner kabarettistischen Form. Er hat einen langen Atem und ein gutes Gedächtnis. Daran kann man sich prima reiben. Viel Beifall in der „Säule“.