US-Soldaten bummelten durch das kriegszerstörte Duisburg
23.02.2012 | 10:27 Uhr 2012-02-23T10:27:00+0100
Duisburg. Der Krieg war gerade erst 48 Stunden zuvor für beendet erklärt, da schlenderten dekorierte US-Soldaten bei einer Rundreise durch bombardierte Gebiete durch das zerstörte Duisburg. Ein Fotograf dokumentierte die „Cook-Tour“, ein Sergeant beschrieb sie in seinem Tagebuch.
Sie kamen mit dem Flugzeug aus Süd-England über den Kanal, diesesmal nicht als kampfbereite Soldaten, sondern gewissermaßen als Touristen, auf Rundreise durch bombardierte Gebiete in Deutschland. Bei diesem Trip machten sie am 10. Mai 1945 im kriegszerstörten Duisburg Halt und inspizierten bummelnd die Stadt die in völlig Trümmern lag.
Gelandet waren sie am Morgen auf einem kleinen Militärflughafen in Venlo, von dort wurde sie per Lkw nach Deutschland an den Rhein gebracht. Am Mittag des 10. Mai, als es warm war und die Soldaten hungrig wurden, legten sie sich in den Schatten der Bäume am König-Heinrich-Platz und hielten ein Picknick und eine kleine Siesta ab.
Und überall dabei: Der Fotograf jener bewaffneten Touristengruppe.
Historikerin der 392. Bomber Group schickte Heimatforscher Fotos
Diese Gruppe bestand aus dekorierten US-Soldaten, verdienten Stabschefs oder anderen Soldaten in Instandsetzungstrupps, die die Auszeichnungen „Legion of Merit“ oder den „Bronze Star“ erhalten hatten, und die als zusätzliche Belohnung für gezeigten Mut und Tapferkeit auch eine „Cook-Tour“, eine Rundreise durch bombardierte Gebiete in Deutschland machen durften.
Der Krieg war gerade erst 48 Stunden zuvor für beendet erklärt, da schlenderten sie in Duisburg über die Königstraße, die Steinsche Gasse, standen am Pulverweg, an der Münzstraße und machten zahllose Erinnerungsfotos für die Lieben zu Hause. Alles um sie herum lag in Trümmern, war durch alliiertes Bombardement auf Hitlers Nazi-Deutschland dem Erdboden gleich gemacht oder schwerst beschädigt.
Entstanden sind bei dieser Visite zahllose private Dokumente der Zeitgeschichte. Auf eines dieser Fotos ist der Duisburger Heimatforscher Harald Molder im Internet gestoßen. Und er hat Kontakt aufgenommen mit Annette Tison, die Historikerin der 392. Bomber Group der USA Air Force, die ihn mit weiteren bislang unbekannten Fotomotiven versorgt hat.
„Wir bummelten herum durch Geröll und Schutt“
Der US-Sergeant Ernest H. Barber von der 392nd Bomb Group berichtet in seinem Kriegs-Tagebuch von dem Ausflug am 10. Mai nach Duisburg:
„Als wir den Rhein gegenüber von Duisburg erreichten, mussten wir uns in einer Warteschlange anstellen, da wir eine Pontonbrücke überqueren mussten. Nachdem wir hinübergefahren waren, sahen wir endlose Schlangen von deutschen Zivilisten die Karren und Fuhrwerke schoben und zogen, auf denen sich all ihre persönlichen Habseligkeiten und Haushaltsgegenstände befanden.
Es war ein Mitleid erregender Anblick, aber wenn es ‘das’ war, um sie in die Knie zu zwingen, so sei es drum. Wir hatten auch ihre ‘Horror Camps’ und die Behandlung unserer Männer und Freunde vor Augen. Wir kamen endlich im Herzen der Stadt an und ich habe nicht ein geöffnetes Geschäft oder Kaufhaus gesehen. Wir bummelten herum durch Geröll und Schutt und fuhren dann am Fluss entlang zurück, wo alle Fabriken außer Betrieb gebombt waren. Wir hielten und tranken einige deutsche Biere an einer der Fabriken, die gar nicht mal so schlecht waren. Wir sahen die ‘Victory Railroad Bridge’, die unsere Männer in 7 Tagen gebaut hatten, was wohl als eine Glanzleistung bezeichnet werden darf.
Wir waren zwischen 11.45 Uhr am Morgen und 16 Uhr am Nachmittag in der Stadt. Während dieser Zeit haben wir irgendwo versucht, einen alten Tresor in einem ausgebombten Haus zu öffnen. Ohne Erfolg! Ich fand einen verchromten Revolver vom Kaliber 44. Diesen besitze ich heute noch, wenngleich ich noch nie mit ihm geschossen habe. Wir kehrten dann zum Flugplatz zurück . . .“

14:30
Der "lachende Sieger"?
Gut, nur so werden solche Zeitdokumente entstehen. Aber wie ditku schon schreibt:
Makaberer Katastrophentourismus.
Krieg ist schrecklich, doch leider gibt es heute mehr Kriege als jemals zuvor auf der Welt.
Wen es interessiert: die AKUF kann Auskunft geben.
http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/index.htm
13:10
Makabrer Katastrophentourismus.
Schlimme Bilder, die immer wieder daran erinnern, wie schrecklich Kriege sind.
23:55
Das sind ja geniale Aufnahmen! Also Chapeau! Das so etwas noch existiert! Einfach phänomenal!