Unmut über teure Turmsanierung

Der Kostenvoranschlag  für die Sanierung des Salvatorturms ist um 600 000 € auf 2,6 Mio € gestiegen.
Der Kostenvoranschlag für die Sanierung des Salvatorturms ist um 600 000 € auf 2,6 Mio € gestiegen.
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Was wir bereits wissen
Renovierung des Salvatorturms soll jetzt 2,6 Millionen Euro kosten. Kritiker wollen lieber in das neue Gemeindezentrum der Marienkirche investieren.

Duisburg-Mitte.. Um den maroden Turm der Salvatorkirche haben sich die Diskussionen auf der Gemeindeversammlung der evangelischen Gemeinde Alt-Duisburg gedreht. Aber auch die Marienkirche gibt Anlass zur Sorge.

In seinem Rechenschaftsbericht nannte Jörg Hoffmann, der Vorsitzende des Presbyteriums, die Zahlen, mit denen die Gemeindeleitung haushalten muss. Allein im zweiten Halbjahr 2014 verlor die Gemeinde 134 Mitglieder und ist nach der Dezemberzählung auf dem Stand von 9083 evangelischen Christen in Alt-Duisburg. 1958 waren es noch 32 000. Daraus ergibt sich bei 74 Euro pro Kopf eine jährliche Kirchensteuereinnahme von 670 000 Euro. Zugute komme den Gemeinden dabei die gute Wirtschaftslage, sagte der Vorsitzende, frühere Schätzungen hätten nur eine Pro-Kopf-Einnahme von 59 Euro prognostiziert.

Trotzdem steht die Gemeinde vor großen wirtschaftlichen Problemen, weil die Erhaltung gleich zweier historisch bedeutsamer Kirchen zu ihren Aufgaben gehört. Die voraussichtlichen Sanierungskosten für den Salvatorturm sind nach einer erneuten Turm-Befahrung im April mit 2,6 Millionen um weitere 600 000 € nach oben korrigiert worden. Zwar sind an der West-und Nordseite keine weiteren Schäden festgestellt worden, aber die Verankerungen der Filialtürme sind schadhaft.

Das Presbyterium hat den geplanten Umbau der Marienkirche in ein Gemeindezentrum, für den es vor zwei Jahren einen Architektenwettbewerb gab, zurückgefahren. Der Siegerentwurf war mit Kosten von einer Million Euro nicht realisierbar. Stattdessen soll eine halb so teure Lösung mit Anstrich, Heizungssanierung und neuem Boden umgesetzt werden. Das gefiel nicht allen Gemeindemitgliedern. „Sie investieren in den Schein, nicht in das Sein“, kritisierte Stephan Kühn die Rückstellung der Marienkirche zu Gunsten des Turmes. „Mit 500 000 Euro Sanierungs-Budget streichen sie doch nur eine Ruine neu an.“ Man solle den Salvatorturm nur sichern und mit der Sanierung warten, bis genug Geld vorhanden sei, wurde gefordert. Und dafür lieber in die Marienkirche investieren, weil ein Gemeindezentrum mehr im Interesse der Menschen liege als der Turm. Die Salvatorpfarrer Stephan Blank und Martin Winterberg hielten dagegen, dass die Gelder in Zukunft eher noch knapper werden. „Wir haben hier eine besondere, historische Verantwortung, die auch eine große Last ist“, sagte Blank, „die Salvatorkirche ist aus der Silhouette unserer Stadt nicht wegzudenken.“ Woher das Geld für die Sanierung konkret kommen soll, ist noch nicht geklärt. Mit Hilfe des ehemaligen Bundestagsmitglieds Johannes Pflug versucht Pfarrer Winterberg Landesmittel zu bekommen. Parallel dazu läuft eine Spendenaktion an, die Bürger und Wirtschaft motivieren soll, zur Erhaltung des Turmes beizutragen.