Uni-Experte: Azubi-Mangel schwächt deutsche Wirtschaft

Die Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen ist in den letzten 20 Jahren so stark geschrumpft, dass nach Einschätzung von Uni-Experten die Zukunftsfähigkeit auf dem Spiel steht. Seit 1994 ist die Zahl der Jung-Facharbeiter in der Branche in Deutschland um 36,5 Prozent zurückgegangen – von 137 055 auf 87 087 Ausbildungsabschlüsse. Zu wenig neue Fachkräfte treten in den Arbeitsmarkt ein. Ergebnis: „Der Kernbereich der deutschen Exportindustrie, die Metall und Elektroindustrie, ist nicht hinreichend für die Zukunft gerüstet“, warnt der Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Wie eine IAQ-Sonderauswertung der abgeschlossenen Prüfungen in den gewerblichen Berufen der Metall- und Elektroindustrie für die Jahre 1994 bis 2013 zeigt, war der Rückgang in den ostdeutschen Bundesländern besonders stark. Dort schrumpfte der Fachkräftenachwuchs um 66,5 Prozent. Bestanden 1994 noch über 30 700 Auszubildende die Prüfung, waren es zuletzt noch 10 300 – ein Drittel. „Das liegt an der starken De-Industrialisierung dieser Länder nach der Wiedervereinigung“, meint Bosch. Hohe Rückgänge verzeichnen auch Stadtstaaten wie Berlin und Bremen, die sich zu Dienstleistungszentren entwickelten. Geringere Einbußen unter 20 Prozent gab es in den prosperierenden Bundesländern Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. NRW verzeichnet ein Minus von 32 Prozent.

Der hohe Fachkräfteanteil stellt im internationalen Vergleich eine Besonderheit der deutschen Wirtschaft dar. „Die Facharbeiter sind das Geheimnis der deutschen Wettbewerbsfähigkeit, erklären die gute Qualität und die hohen Exporterfolge“, so Bosch. Die deutsche Industrie habe ihre Reorganisation in den letzten 20 Jahren vor allem aufgrund der hohen Flexibilitätspotenziale der Fachkräfte bewältigt. Diesen Umbau der Unternehmen könne man als stille Revolution betrachten. Für die Zukunft, insbesondere angesichts der demografischen Entwicklung, brauche die Wirtschaft weiterhin eine hohe Ausbildungsquote.