Unfall wird nach sechs Jahren nachgestellt

Im zweiten Anlauf versucht das Amtsgericht Stadtmitte seit gestern die strafrechtliche Klärung eines tödlichen Unfalles, der sich vor sechseinhalb Jahren auf dem Gelände von ArelorMittalSteel in Untermeiderich ereignete.

Einem 48-jährigen Vorarbeiter aus Neukirchen-Vluyn und einem 58-jährigen Kranführer aus Moers wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor. Weil die beiden Männer eine Werksbahn falsch beluden, sollen sie am 3. Juni 2008 den Tod eines 53-jährigen Rangierlokführers verschuldet haben.

Die aus Stahlknüppeln bestehende Ladung des aus Lok und vier Flachbettwagen bestehenden Zuges soll während der Fahrt ins Rutschen gekommen sein. Ein Knüppel verkeilte sich im Gleisbett und drückte so den Waggon aus den Schienen. Der 53-Jährige, der als Rangierer außen auf einer Plattform stand, landete unter dem Waggon, der schon ohne Beladung 42 Tonne wiegt. Der Mann war sofort tot.

Bei der ersten Auflage des Verfahrens im Sommer 2014 hatten sich der Werksleiter des Ruhrorter Betriebs und ein vom Gericht bestellter Unfall-Sachverständiger über physikalische Details in die Haare bekommen. Nach fünf Verhandlungstagen wurde der Prozess ausgesetzt. Das Gericht gab zwischenzeitlich ein weiteres Gutachten in Auftrag. Auch die vorab den Verfahrensbeteiligten schriftlich zugeleitete neue Expertise eines weiteren Sachverständigen wurde gestern von der Verteidigung angegriffen.

In einer Woche soll es nun einen Ortstermin der Verteidiger und der Sachverständigen auf dem Werksgelände geben. Mit der Unterstützung durch ArcelorMittalSteel und der Hafenbahn soll ein Zug, der in Länge und Art dem damaligen Unfallgespann entspricht, zum Einsatz kommen. Auch die Beschaffenheit des Gleisbetts soll bei dieser Gelegenheit untersucht werden.

Angesichts des komplizierten Verfahrensstoffes sind bis zu 15 Verhandlungstermine bis in den Juni hinein geplant.