Umweltschützer kritisieren nach Großbrand in Krefeld Informationspolitik der Behörden
27.09.2012 | 10:54 Uhr 2012-09-27T10:54:00+0200
Duisburg. Umweltschützer des BUND in Duisburg kritisieren nach dem Großbrand im Hafen Krefeld die Informationspolitik der Behörden. Das Problem: Mit den Veröffentlichungen der Messwerte könnten selbst Experten nichts anfangen, mahnt der BUND an. Und welche Grenzwerten sind gemeint?
„Die vorliegenden Messergebnisse sind unbedenklich“: Es ist der Schlüsselsatz in den behördlichen Stellungnahmen zu sämtlichen Luft-Untersuchungen des Landes und der Städte. Und doch gab es auch einen Tag nach dem Brand in der Krefelder Düngemittelfabrik „Compo“ , keine Entwarnung.
„Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Brandrauch gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen kann“, teilte die Stadt Krefeld am Mittwoch mit. Und weil die Löscharbeiten weiter andauern und sich neue Rauchwolken bilden können, empfiehlt der Duisburger Krisenstab weiterhin für den Süden und Westen der Stadt, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Und die Bezirksregierung Düsseldorf hat inzwischen davor gewarnt, Obst und Gemüse aus eigenen Gärten und Schrebergärten zu verzehren. Ergebnisse der Bodenproben würden erst frühestens Ende der Woche vorliegen.
Auch Werte unter Grenzwerten bedeuten mitunter Gefahrenpotenzial
Solche Meldungen würden nur weitere Fragen aufwerfen, anstatt zu beruhigen, kritisiert der BUND Duisburg eine „unzureichende Information der Bevölkerung“. Selbst Experten könnten die Situation anhand der Veröffentlichungen nicht einschätzen, sagt Kerstin Ciesla, die Vorsitzende der Duisburger Umweltschützer: „Was, wo, wann und wie gemessen wurde, ist nicht nachvollziehbar.“ Dass Grenzwerte eingehalten werden, könne keine Entwarnung sein. „Auch Werte unter Grenzwerten bedeuten keinesfalls, dass kein Gefährdungspotenzial für Mensch und Natur besteht“, sagt Ciesla. Durch den Großbrand seien vermutlich Schwefelverbindungen sowie chlorhaltige Verbindungen wie Salzsäure, Phosgen, Blausäure, Salpetersäure und Distickstoffoxid freigesetzt worden. „Über die freigesetzten Mengen dieser Stoffe fehlen jedoch konkrete Angaben und klare Aussagen, ob diese überhaupt gemessen wurden und wenn ja, unter welchen Messbedingungen.“
Fragen nach konkreten Messergebnissen und Grenzwerten verweist die Stadt an das Landesumweltamt, das wiederum an das NRW-Umweltministerium. „Die Kritik können wir nicht nachvollziehen“, sagt Ministeriums-Sprecher Frank Seidlitz der NRZ. Man habe nach sämtlichen Schadstoffen gemessen, alle seien unterhalb der Grenzwerte. „Es handelt sich um 365 Seiten Zahlenkolonnen, mit denen Bürger wohl nur wenig anfangen können“. Grenzwerte seien unter anderem auf den 234 Seiten der „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ festgelegt. Zudem verweist er auf die im Internet veröffentlichten Ergebnisse der Dauermessstation im Krefelder Hafen.
Schadstoffwerte nach Großbrand in Krefeld um das Hundertfache erhöht
Der Messcontainer spuckt stündlich Daten aus, allerdings nur für Stickoxide und Feinstaub. Die Messwerte schossen in der Nacht auf Mittwoch durch die Decke und waren um das Hundertfache erhöht.
NRW-Umweltminister Johannes Remmel bestätigte am Mittwoch die Werte vor dem Umweltausschuss im Landtag. Die Feuerwehren in Krefeld und Duisburg sowie der Krisenstab der Bezirksregierung seien am frühen Morgen informiert worden, das Landesumweltamt habe weitere Messungen vorgenommen. „Messfahrzeuge sind weiter ununterbrochen im Einsatz“, sagte der Minister. In Mündelheim haben die Messungen ähnliche Werte für Stickstoffdioxid (0,5 ppm) wie in der Nacht im Krefelder Hafen ergeben. „Der Krisenstab der Bezirksregierung hat daher die Empfehlung gegeben, weiterhin Türen und Fenster geschlossen zu halten und Klimaanlagen abzuschalten . Umliegenden Betriebe wurden informiert, Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz des Personals zu ergreifen“, erklärte Remmel in Düsseldorf.
Mittwochabend hat das Landesumweltamt dann doch die Messperioden der letzten beiden Tagen veröffentlicht: Deutlich höher als die Hintergrundbelastung waren die Werte bei den Stickstoffoxiden, Ammoniak und Feinstaub. Als Grenzwerte wurden die Störfallbeurteilungswerte der AEGL-Stufe 1 zugrunde gelegt, ab der Reizungen der Schleimhäute auftreten können, eine akute Gesundheitsgefährdung jedoch nicht vorliegt. Außer unmittelbar am Brandherd seien diese Grenzen bei allen Schadstoffen unterschritten worden, selbst in der Brandwolke.

08:26
Wusstet Ihr schon:
http://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet/wird-duisburger-outletcenter-nie-gebaut-26442774.bild.html
Die Bild ist zwar kein seriöses Blatt, bezüglich Grillo und FOC wird aber wohl ein Fünkchen Wahrheit im Bericht liegen.
16:48
Die BUND-Kritik ist berechtigt. Die TA Luft ist kein Instrument zur Beurteilung von Schadstoff-Freisetzungen bei Störfällen. Die TA Luft gilt für den Normalbetrieb von Industrieanlagen. Brände von Düngemitteln sind zu beurteilen nach der Störfall-Verordnung und weiteren Regelwerken wie die TRGS 511.
14:02
In den Nachtstunden des 26.09. ist an der Messstation Krefeld-Hafen der LANUV der Alarmschwellenwert für NO2 siebenmal deutlich überschritten worden. (ca. 20 Stunden nach Ausbruch des Brandes!). Die Messtation liegt auch nicht - wie verharmlosend behauptet - direkt am Brandherd, sondern mehrere hundert Meter entfernt in Richtung Rheinhausen.
Näheres zur Alarmschwelle hier:
http://www.lanuv.nrw.de/luft/immissionen/beurteilungsma/1tochter.htm#alarm
11:51
In solchen Fällen wird immer gelogen und beschwichtigt.
11:37
Brandrauch ist nie gesund, alleine wegen der Belastung an feinen Partikeln und Asche.
Aber deshalb können Schadstoffkonzentrationen chemisch entstandender Stoffe trotzdem unterhalb der Grenzwerte sein.
11:33
zu2 Hallo, Sie glauben doch nicht das uns Bürgern von den staatlichen Umweltbehörden
die Wahrheit gesagt wird. Und wenn der BUND Fragen stellt und einiges in Frage stellt
dann wissen die schon was Sie tun.Das können Sie glauben.
11:21
Wenn die Fakten annährend richtig sind, handelt es sich um das Verbrennen von 20 000 Tonnen Kunstdünger und von 13 Tausend Tonnen Vorprodukten.
Da ist eine Vielzahl von toxischen Stoffen je nach Brandtemperatur in die Atmosphäre gelangt. Entscheidend ist die Konzentration und darüber bedarf es angesichts dieser riesigen Menge von Gesamt 33 000 Tonnen keiner Diskussion, dass in der Wolke die Giftwerte zu hoch waren. Das löst sich ja nicht sofort in der Atmosphäre gleichmäßig auf, so dass der Statistiker am Schreibtisch schreibt die Grenzwerte wurden nicht überschritten. Was ist mit dem Dioxin, das schleichende Langzeitgift welches bei dieser Art Bränden entsteht und weshalb wird eine derartige große Menge zentral gelagert, wenn die so abfackeln kann.
09:57
Ohh, wen können wir denn nun an den Pranger stellen und mit Dünger bewerfen?
09:01
Wenn der BUND alles besser weiss, sich nicht auf die Werte die ihm vorliegen verlassen kann oder möchte, warum hat er denn keine EIGENE Messfahrzeuge.
Immer nur krititsieren, es besser zu wissen, ist keine Basis zur Aufklärung.
Der BUND weiss aber auch, das Messergebniss nur eine Momentaufnahme an dem Messort sind. Gerade bei Bränden mit unterschiedlichen Windrichtungen, Niederschlag oder keiner, ändern sich Werte von erhöht bis nichts messbar in Sekunden. Was schädlich ist ist auch ein Zeitfaktor dem ein Mensch mit Gefahrstoffen zu nahe oder rein kommt. Geruch, Brandwolke sind kein Indiz für Schadstoffe. Wer selbst mal gemessen hat, der weiss wie schwierig das Messen ohne Labor ist.
Sehr richtig, der BUND trägt in keiner Weise zur Aufklärung bei. Er ist ein in sich selbst verliebter Haufen von Menschen die aus Deutschland einen Zoo machen möchten.
08:28
Wenn schon beim Brand einer Düngerfabrik das Chaos ausbricht, was wird passieren, wenn es z. B. zu einem Zwischenfall bei der GNS, den Grillowerken etc. kommt?
Mein persönliches Notfallprogramm wird sein, vorausgesetzt ich erfahre überhaupt vom Gau, Koffer packen, abhauen!