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Umjubelte Opernpremiere

03.06.2012 | 17:05 Uhr
Umjubelte Opernpremiere
The turn of the Screw der Rheinoper feierte umjubelte Premiere in Duisburg

Duisburg.  Nach „Peter Grimes“ und „Billy Budd“ frischte Regisseur Immo Karaman nun seine Leipziger „The Turn of The Screw“ auf, die eine umjubelte Duisburger Premiere erlebte.

Als Immo Karaman im Jahr 2007 an der Oper Leipzig mit „The Turn of The Screw“ seine erste Inszenierung einer Oper von Benjamin Britten zeigte, dürfte im damaligen Leipziger Operndirektor Christoph Meyer die Idee entstanden sein, Karaman mit einem ganzen Britten-Zyklus zu betrauen. Den erarbeitet der aus Gelsenkirchen stammende Regisseur jetzt an Meyers aktueller Wirkungsstätte, der Deutschen Oper am Rhein. Nach „Peter Grimes“ und „Billy Budd“ frischte Karaman nun seine Leipziger „The Turn of The Screw“ auf, die eine umjubelte Duisburger Premiere erlebte.

Eine Geistergeschichte

Die Geistergeschichte, die sich in Brittens Oper entspann, ist dem Publikum aus mehreren Verfilmungen der Erzählung von Henry James bekannt: Eine namenlose Erzieherin kümmert sich auf einem abgelegenen Landhaus um die Waisenkinder Miles und Flora und muss erleben, dass diese unter dem Einfluss der Geister des verstorbenen Dieners Peter Quint und der früheren Erzieherin Miss Jessel stehen.

Immo Karamans Regiearbeit ist ein Meisterwerk, in dem jede Geste und jeder Blick auf den Punkt genau inszeniert ist. Selbst die Körperhaltung der Sänger ist so ausgefeilt, wie man es in der Oper selten erlebt. Sehr raffiniert ist Karamans Spiel mit Doppelungen und Spiegelungen, die dem Werk eine neue Deutung eröffnen.

So kann man Karamans Inszenierung, für die Kaspar Zwimpfer die stockfleckigen Räume entworfen hat, als reine Geistergeschichte sehen. Gleichzeitig kann man die Gespenster, die hier umgehen, als Symbole für die erotische Spannung zwischen der Erzieherin und ihrem Schüler Miles deuten, denn beide kommen sich hier körperlich näher, als man es sonst in dieser Oper erlebt.

Musikalisch erlebt man in Duisburg eine Musteraufführung: Eleanor Burke und Harry Oakes als Flora und Miles sind trotz ihrer jungen Jahre echte Bühnenprofis. Sängerisch meistern sie ihre Rollen perfekt und entwickeln zudem eine Bühnenpräsenz, die staunen macht. Wie bereits schon in „Die Gespräche der Karmeliterinnen“ zeigt Silvia Hamvasi auch in diesem Werk als Erzieherin eine großartige Übereinstimmung von Spiel und Gesang. Ihr Sopran durchleuchtet hell das düstere Geschehen.

Große stimmliche Wirkung kann auch Tenor Corby Welch entfalten. Als Peter Quint ist er nur aus dem Off zu hören, da die Rolle auf der Bühne vom Tänzer Ulrich Kupas verkörpert wird, was Welch zu einer besonders tiefen Durchdringung der Rolle anspornt. Mit vielen Farben und Nuancen singt er einen Charakter, der alle Facetten zwischen Verführung und Bedrohung enthält. Sehr gut sind die Haushälterin Mrs Groose mit Marta Marquez und die Erscheinung der Miss Jessel mit Anke Krabbe besetzt. Beide Stimmen harmonisieren in den Duetten auf das Beste mit Silvia Hamvasi, Anke Krabbe und sie klingen sogar wie stimmliche Zwillinge. Unter der Leitung von Wen-Pin Chien musizierten 14 Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker. Trotz der kleinen Besetzung gelingt ein Höchstmaß an Spannung und Intensität, das den Hörer geradezu an den Sitz fesselt.

Der Schlussapplaus war gigantisch, besonders die jugendlichen Sänger aus England wurden gefeiert. Ging die Düsseldorfer Premiere vor einem Monat vor einem halbleeren Haus über die Bühne, so war das Duisburger Theater bis unter das Dach mit einem begeisterten Publikum gefüllt. Der gigantische Premierenbeifall, der wahrscheinlich der längste der gesamten Spielzeit war, dokumentierte wie wichtig die Deutsche Oper am Rhein für das Duisburger Kulturleben ist.

Von Rudolf Hermes



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