Umjubelte Königin der Töne
15.11.2009 | 17:19 Uhr 2009-11-15T17:19:00+0100
Jetzt hat die neue Mercatorhalle ihre neue Orgel. Am Wochenende wurde das kostbare Instrument feierlich eingeweiht und die Duisburger hatten ihre helle Freude daran. Sie umjubelten die "Königin der Töne".
Spannung wie vor einem Samstagskrimi legte sich über die Mercatorhalle, als sich die Jalousie langsam zurückzog und den Blick auf den silbern funkelnden Prospekt der nagelneuen Orgel der Mercatorhalle frei gab.
Als dann die lettische Organistin Iveta Apkalna die Finger auf die Tasten des viermanualigen Instruments niederließ, erfüllte eine atemlose Stille den restlos ausverkauften Saal. Was folgte, war die eindrucksvolle Demonstration einer Konzertorgel, die sich bewusst von Klangidealen deutscher und französischer Traditionen abhebt.
Üppig bestücktes Instrument
Mit 72 Registern und fast 4400 Pfeifen stand der Organistin ein üppig bestücktes Instrument zur Verfügung, dem sie unerschöpflich vielfältige Klangmischungen und dynamische Abstufungen entlocken und nach der Pause auch noch die Verwendbarkeit im Zusammenspiel mit den Duisburger Philharmonikern erproben konnte. Der ebenso warme wie brillante Klang überzeugte in jeder Hinsicht. Und es verwundert nicht, dass sich schon etliche Organisten aus nah und fern angemeldet haben, um diese größte Orgel nach englischem Vorbild außerhalb der britischen Insel zu erkunden.
Das Eröffnungsprogramm verzichtete entsprechend der Bestimmung des Instruments weitgehend auf sakrale Beispiele. Die „Sonata Eroica” von Joseph Jongen und die effektvolle Sinfonie für Orgel und Orchester Nr. 1 von Alexandre Guilmant, denen sich die Lettin widmete, waren explizit konzertant-symphonisch ausgerichtet. Und es lag nahe, auch einen leibhaftigen Interpreten von der Insel zu verpflichten, der drei stilistisch unterschiedliche Werke englischer Musiker präsentierte. Thomas Trotter hob die profunden Bässe mit den Paganini-Variationen von George Thalben-Ball auf den Prüfstand, die fast ausschließlich mit dem Pedal ausgeführt werden, und er lieferte ein Gesellenstück für die orchestrale Strahlkraft mit einer Orgeltranskription von Wagners „Rienzi”-Ouvertüre durch Edwin Henry Lemare.
Am Ende gab es nur strahlende Gesichter. Bei den Honoratioren, bei den Musikern inklusive Generalmusikdirektor Jonathan Darlington, und nicht zuletzt beim Publikum.
Bevor die Orgel allerdings zu ihrem vollen Recht kam, erfüllte OB Adolf Sauerland die angenehme Pflicht, die „Königin der Mercatorhalle” mit ungewohnt pathetischen Worten zu würdigen. Da wurde „Ihre Majestät” bisweilen hymnischer bejubelt als die „Queen” von manchen ihrer Landsleute. Umso sympathischer wirkten seine Dankesworte an alle, die dieses Großprojekt ermöglichten.

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