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Überraschung in Tüten

27.12.2012 | 12:00 Uhr
Überraschung in Tüten
Fantasievoll gestaltet sind die Wundertüten. Als kleiner Junge begann Lothar Tacke mit dem Sammeln, auch heute kann er sich noch daran erfreuen.Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Lothar Tacke sammelt Figuren und Spielzeug – die gab’s in den 60er Jahren „anner Bude“.

Heinerles Wundertüten – der Name ruft bei der Generation, die Anfang der 60er Jahre ins Grundschulalter kam, viele Erinnerungen wach. Die Wundertüten gab es erst für zehn, später für 20 Pfennige „anner Bude“. Und sie waren themenbezogen: „Zuerst gab es die Afrika-Serie“, erklärt der leidenschaftliche Sammler Lothar Tacke.

Der Bezirkspolitiker der SPD aus Neuenkamp erklärt – noch heute mit einem Leuchten in den Augen – was er da alles auf dem Tisch in seinem Wintergarten aufgetürmt hat: Die Figuren aus der Afrika-Serie mit Kamelen und Beduinen, schwarze Krieger und Hütten; oder die Wildwest-Serie, die Mitte der 60er folgte; und die Zirkus-Serie, deren Zirkuswagen immer noch in der Originalverpackung auf dem Tisch von Lothar Tacke liegt. „Die ist aus Hartplastik und meistens passten die Teile nicht besonders gut zusammen und gingen schnell kaputt“, erinnert er sich.

Wildwestsammlung ist begehrt

Seine Wundertüten-Sammelleidenschaft teilt Tacke mit schätzungsweise „200 ernsthaften Sammlern“ in ganz Deutschland. Gemeinsam mit zwei Gleichgesinnten hat Tacke bereits den dritten Katalog mit jeweils einer Serie herausgebracht. Die Figuren haben mittlerweile einigen Wert.

Mit zehn Jahren hat Lothar Tacke seine Wundertütensammlung begonnen. Damals wohnte er noch in Rheinhausen. Als sein Großvater 1962 das 25-jährige Arbeitsjubiläum feierte, durfte er mit seinem gleichaltrigen Cousin früher von der Schule nach Hause. „Wir Jungs sammelten damals schon eifrig Afrika-Tiere. An dem Tag bekamen wir vom Großvater jeweils einen ganzen Karton voll mit Wundertüten.“

Für die beiden Zehnjährigen war das wie Ostern und Weihnachten an einem Tag, denn das Geld saß in der Arbeiterfamilie damals nicht so locker. „Wir rissen eine Tüte nach der anderen auf. Bis zu diesem Tag beneidete ich meinen Cousin um eine Giraffe, die zur Sammlung gehörte und mir immer noch fehlte. Ich musste aber tatsächlich bis zur letzten Tüte in meinem Karton warten, bis ich sie endlich in den Händen hielt.“ Immer wieder hatte er zuvor versucht, durch Abtasten der Tüten am Kiosk diejenige zu finden, in der die Giraffe stecken könnte. Vergeblich.

Noch heute hat der 60-Jährige den Geruch von Puffreis in der Nase, der lose in der Wundertüte lag. Damals wurde unter den Kindern getauscht, heute wird unter den Sammlern ge- und verkauft. Eine Tauschbörse findet unter anderem zweimal im Jahr in Herne statt. Über den Wert der einzelnen Figuren geben die Kataloge Auskunft. So kann es die komplette Wildwestsammlung durchaus auf 150 Euro bringen. Der chinesische Schwertschlucker aus der Zirkusserie bringt es allein auf 15 Euro. „Aber nur, wenn der Schwertgriff noch dran ist.“ Wohl dem, der damals die Figuren gesammelt und heute im Keller oder auf dem Dachboden hat. Insgesamt über 1000 verschiedene Einzelteile befanden sich im Laufe der Jahre in den Wundertüten. Der Katalog über die Ritterserie fehlt noch, doch der wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Wenn Tackes Enkelkinder Ben (2) und Tom (7) zu Besuch sind, dürfen sie mal mit einigen Figuren spielen. „Die Kinder reagieren wie wir damals: Sie bauen alles mit großer Leidenschaft auf und beginnen mit einem Rollenspiel. Es ist aber auch kein großer Schritt von den Playmobil- oder Lego-Figuren.“

Alfons Winterseel



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