Über 500 Menschen demonstrieren für Erhalt des Djäzz in Duisburg
29.01.2011 | 18:36 Uhr 2011-01-29T18:36:00+0100
Duisburg. Über 500 Menschen gingen nach Polizei-Schätzungen Samstag für den Erhalt des Djäzz auf die Straße. Musiker und Besucher des Szenelokals zeigten mit ihrer Aktion die Bedeutung des Veranstaltungsortes eindrucksvoll auf.
Ins Djäzz hätten sie schon nicht mehr gepasst, so viele waren es. Selbst an zwei Abenden wäre die Menschenmenge für den Kellerclub an der Börsenstraße zu groß gewesen. Mehr als 500 Demonstranten gingen nach Schätzungen der Polizei am Samstagmittag für den Erhalt des Lokals auf die Straße, dem nach einer Sperrzeitverlängerung der finanzielle Ruin und damit die Schließung drohen. Die Protestaktion von Musikern und Besuchern war mehr als nur Werbung für das Djäzz. Sie entwickelte sich zu einem Straßen-, zu einem Stadtfest, das Duisburg die Bedeutung des Veranstaltungsortes eindrucksvoll aufzeigte.
Selbst die Redner bei der Eröffnungskundgebung vor dem Averdunkcentrum konnten es nicht fassen. Dass für den Erhalt eines Musikclubs tatsächlich so viele Menschen einstehen würden, hat vor der Demonstration kaum einer vermutet. Auch Geschäftsführer Ercan Ulucan nicht. „Ich habe keine Worte dafür, um das zu beschreiben“, sagte er, während die Demonstration am Nachmittag in einem Konzert an den Wiesen vor dem Landgericht gipfelte. „Heute ist endlich mal wieder ein Tag, an dem ich die ganze Zeit lachen kann.“
In der kommenden Woche Gespräche mit der Stadt
Wie es mit dem Djäzz weitergeht, ist noch nicht klar. „Ich habe in der nächsten Woche Termine mit ein paar Leuten von der Stadt“, erklärte Ulucan. „Ein neues Objekt muss her, für das Djäzz an der bisherigen Stelle gibt es einfach keine Hoffnung.“ Die Konzerte sollen in den nächsten Monaten weiterhin stattfinden, auch wenn durch den Ausfall der Party nach der Sperrzeitverlängerung finanzielle Einbußen bevorstehen. Das sei er den Gästen und Musikern schuldig, die sich seit Wochen mit kreativen Aktionen für den Erhalt des Djäzz einsetzen und das Lokal durch ihre Besuche unterstützen.
Sieben Gruppen standen am Samstag auf den zwei Bühnen, die im Rahmen der Demonstration bespielt wurden. Sie spiegelten die Facetten des Programms wider, das im Djäzz nur mit der Querfinanzierung durch die Partyreihen möglich ist. Jazzer, Singer/Songwriter, Rapper, Pop-Musiker und viele mehr zeigten, was Duisburg nach der Schließung des Lokals verlieren würde. Allein die hohe Qualität der Bands, die aus Musikern der wöchentlichen Sessions zusammengesetzt waren und die erst im Djäzz zueinander gefunden haben, dürfte jeden Kulturinteressierten von der Einzigartigkeit und der Wichtigkeit des Clubs überzeugt haben.
Isfort. "Man muss sich in Duisburg entscheiden, was man möchte"
„Es geht hier um das Selbstverständnis einer Stadt“, erklärte Tim Isfort. Der künstlerische Leiter des „Traumzeit“-Festivals war Teilnehmer der Demonstration und trat anschließend noch im Rahmen der Abschlusskundgebung auf. „Anwohnerbeschwerden, die Sperrzeiten und solche Sachen sind für mich gerade gar kein Thema“, sagte er. „Man muss sich in Duisburg einfach entscheiden, was man möchte, ob man das Leben erhalten möchte. Für eine Stadt mit 500.000 Einwohnern ist das Selbstverständnis im Moment sehr schlecht. Es ist peinlich, was hier passiert.“
Thomas Amshove, Mitbesitzer des Clubs Goldengrün an der Realschulstraße, stieß während seines Redebeitrags in die gleiche Richtung. „Ich möchte die Politiker fragen: Was für eine Stadt wollt ihr eigentlich haben? Wollt ihr sämtliches Nachtleben auf Systemgastronomie in großen Glas- und Stahlkästen reduzieren?“ Das Djäzz habe, so Amshove, überregionale Strahlkraft, würde kulturinteressiertes Publikum nach Duisburg ziehen und es hier auch binden. „Mit dem Djäzz haben wir einen Club, der seit acht Jahren das macht, was sich kommunal geförderte Kulturstätten gerne auch die Fahne schreiben, aber selten einlösen. Nämlich: lokalen Musikern, Kleinkünstlern und anderen Kulturschaffenden der verschiedenen Subkulturen eine Bühne bieten.“
Jeder weiß um den prekären Zustand vieler Kulturstätten
Das könne man nur durch Tanzveranstaltungen finanzieren, die weit davon entfernt seien, zu Sauf- und Gröl-Orgien auf der Straße auszuufern. „Und der Hammer ist: Das funktioniert auch noch! Was also eigentlich Kulturpolitikern, Stadtplanern und interessierten Bürgern Tränen der Freude in die Augen schießen lassen sollte – jeder weiß um den prekären Zustand vieler durch die Stadt finanzierter Kulturstätten –, wird in Duisburg zu einem Problem.“
20:41
Zum Sterben in die Innenstadt!
Da ist eine Halbmillionenstadt, eine Universitätsstadt, die Stadt Montan, Europas größter Binnenhafen, eine Kulturhauptstadt 2010, das Scharnier zwischen Pott und Rheinschiene.
Da ist die Großstadt, die nicht schläft (siehe logbuch.duisburg @ waz.de) !
Und im Zentrum, genauer in der Mitte des Zentrums, da ist eine kleine kurze Straße, in der seit Jahrzehnten Leben und Musik und auch mal Remmidemmi ist.
Da muss jetzt eine Stadtverwaltung, die sich vor einem halben Jahr im Tunnel geoutet hat, endlich neue Initiative mimen und eine altengerechte Schlafkultur installieren.
Kein Zufall, wenn fast gleichzeitig das Hundertmeister am Dellplatz ausgehungert wird. Irgendwie muss man sich doch als brav und bürgernahe einschleimen!
Also, liebe Mädels und Jungs, lasst doch die Müden und Alten zum Sterben ins Börsenhospiz und geht zum Leben in eine der Nachbarstädte.
Es sind genug da.
08:47
Es wird immer nörgelnde Anwohner geben die ihre Ruhe haben wollen. Das ist die Sorte Mensch die neben einen Kinderspielplatz ziehen und sich dann gegen den Kinderlärm wehren. Aber wenn sie weil sie schwerhörig sind ihren Fernseher Auf Maximun drehen um Florian Silbereisen verstehen zu können müssen alle dann Verständnis haben. Über diese Sorte Mensch lohnt es sich nicht aufzuregen.
Eine andere Sache finde ich hier aber noch bedenklich. Ich meine wer möchte den den Leuten vorschreiben wofür oder wogegen sie zu Demonstrieren haben??. Besser 500 Leute für den Erhalt einer Kulturkneipe als gar nix.
07:35
Auf www.madeinmarxloh.com findet man einen netten Clip über die Demo.
16:35
Lasst uns zusammentun, nicht bekämpfen. In Duisburg ist vieles anzupacken!
16:01
liebe grüße an einem freund und topfotografen und pampusgast stephan eickershoff
15:56
muss heissen stimmt mich froh und desaster
15:53
so liebe user, leser und kultur-liebhaber
wer die örtlichkeit des djäzz auf der börsenstraße so gut kennt wie ich ist traurig über die zukunft. hier haben wir in den 80er schon gefeiert und geflirtet.
das jetzige djäzz wäre ein verlust für alle.nun lese ich schon fast 3 jahre der westen.de, und habe mich noch nie zu einem kommentar hinreissen lassen. so ist es mal zeit darauf hinzuweisen, dass es eine angagierte politische und kulturinteressierte szene in duisburg vorhanden ist, dies stimmt mich im ganzen desater, welches duisburg seit dem sommer verstärkt nach aussen und auch leider mitlerweile weltwelt ausstrahlt. nun weise ich auf die montagsdemos an (pleitegeier) livesaver hin....
15:16
@ 6 Jetzt schiebt mal das LP-Geschwafel hier zur seite, denn darum gehts in dem Artikel gar nicht!
Oh doch, es geht darum, wie die Stadtverwaltung arbeitet. Das hat am 24.7. die Katastrophe verursacht und jetzt wird Kultur abgewürgt.
Vermutlich geht es darum, - wenn die Stadtbibliothek umgezogen ist - die neue Baulücke zu vergrößern. Möglicher Widerstand dagegen muss rechtzeitig abgebaut werden.
http://duisblog.bplaced.net/filemanager/wp/?p=711
11:46
So ein Blödsinn @7! Sind sie zu besagten Zeiten mal in der Börsenstraße gewesen? Draußen ist es meist absolut leise! Da ist jeder Bahnhof, jedes Sommerfest, oder die lieben Freunde auf der B8 im Norden Duisburgs lauter!
Wenn jemand an eine Bahnstrecke zieht, und die sich dann beschwert, dass ihm die Züge zu laut sind, soll dann gleich alles dicht gemacht werden?
Es gab ja noch nicht mal Lärmpegelmessungen, die die Aussagen der Anwohner bestätigen!
Ein Skandal hoch 3 ist das!
Duisburg braucht das Djäzz - ich sehe es eher so 2-3 Anwohner auf Kosten von hunderten oder sogar tausenden Menschen ihr Spießerleben durchsetzen wollen!
11:41
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