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Sozialreform

Arbeitsmarkt durch Hartz IV laut Studie nicht gesünder geworden

29.08.2014 | 00:23 Uhr
Arbeitsmarkt durch Hartz IV laut Studie nicht gesünder geworden
Etwa 70.000 Duisburger beziehen Leistungen vom Job-Center.Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Duisburg.   Zwei Untersuchungen der Uni Duisburg befassen sich mit Hartz IV. Nach zwölf Jahren ist der Arbeitsmarkt nicht gesünder geworden, sondern nur zu Lasten der Arbeitnehmer flexibilisiert worden und darum erstarrt. Eine weitere Studie besagt, dass Menschen in Städten stärker von Leistungen abhängig sind.

Zwölf Jahre nach den Hartz-Reformen zieht der Duisburger Forscher Dr. Matthias Knuth vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg-Essen in einer Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung Bilanz. Das Ergebnis: Trotz des „deutschen Beschäftigungswunders“ seien auf dem Arbeitsmarkt keineswegs rosige Zeiten angebrochen, vielmehr sei Erstarrung eingetreten. Knuth: „Es erscheint nötig, eine Diskussion über einen zukunftsfähigen Arbeitsmarkt jetzt zu beginnen und nicht erst auf dem Tiefpunkt des nächsten Abschwungs.“

Was bleibt von den Reformen, zwölf Jahre, nachdem die Hartz-Kommission ihren Abschlussbericht an Bundeskanzler Schröder übergab? Trotz Erholung des Patienten sei der Arbeitsmarkt durch die Hartz-Reformen nicht „gesünder“ geworden. „Aber nicht alle Gebrechen sind auch Folgen der Reformen.“ So seien stagnierenden Löhne, zunehmende Ungleichheit und der wachsende Niedriglohnsektor vor allem auf die Schwächung des Tarifvertragssystems zurückzuführen, so der Duisburger Forscher.

Chancen für Langzeitarbeitslose nicht verbessert

Die Strukturreformen hätten zwar für schnellere Übergänge aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit gesorgt. Die Chancen der Langzeitarbeitslosen hätten sich dabei jedoch nicht verbessert. Der Beschleunigungseffekt beschränke sich auf diejenigen, die nur kurz ohne Job sind und den Abstieg in die Grundsicherung mit Prüfung der Bedürftigkeit vermeiden wollen.

Foto: dpa

„Aus dem gleichen Grund hat die Angst vor Arbeitslosigkeit zugenommen. Um ihren Arbeitsplatz zu erhalten, sind Beschäftigte zu größeren Opfern bereit als zuvor“, erklärt Knuth. Diese Anpassungsbereitschaft habe 2008/09 zur Krisenbewältigung beigetragen. Zugleich verringere die Angst aber auch die Bereitschaft zum Risiko.

Fluktuation bei Arbeitskräften gesunken

Die Wirtschaft wächst, mehr Menschen stehen in Lohn und Brot, und doch ist die Fluktuation von Arbeitskräften insgesamt gesunken, stellt Knuth weiterhin fest; die Dauer von Beschäftigungsverhältnissen habe zugenommen, obwohl es mehr und mehr flexible Beschäftigungsformen gibt.

Die Funktionsfähigkeit des Arbeitsmarktes habe sich folglich verschlechtert. Grund dafür dürfte nicht nur sein, dass die Hartz-Reformen Arbeitnehmer einschüchtern. Auch wurden in neuen Beschäftigungsverhältnissen niedrigere Einstiegslöhne gezahlt, während die Wechselbedingungen für bereits Beschäftigte oft unattraktiv waren: Neue Jobs lohnten sich nicht.

„Eine einseitige Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in der Form, dass nur die Arbeitgeber mehr Optionen haben, macht ihn nicht flüssiger“, so das Fazit von Prof. Knuth, „sondern führt gerade zu der Erstarrung, die mit den Reformen bekämpft werden sollte“.

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Kommentare
31.08.2014
14:58
"Welt ohne Halt"
von matir | #11

wie Menschen zu Arbeitssklaven werden, wird hier beschrieben!
Angst vor Arbeitsplatzverlust macht unfähig zum...
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http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/ude-forscher-analysieren-sozialreformen-id9748713.html
2014-08-29 00:23
Hartz IV, Universität Duisburg-Essen, Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Prof. Dr. Gerhard Bäcker,
Duisburg