TV-Projekt - Sieben Politiker wollen in Marxloh Probleme anpacken

Im Gespräch mit Pater Oliver aus Marxloh (2. v. l.) sind die Politiker-WG-Bewohner (v. l.) Klaus Franz, Ulrich Scholten und die Linken-Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler.
Im Gespräch mit Pater Oliver aus Marxloh (2. v. l.) sind die Politiker-WG-Bewohner (v. l.) Klaus Franz, Ulrich Scholten und die Linken-Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der WDR hat in Marxloh eine Politiker-WG mit sieben Bewohnern gegründet. Sie sollen versuchen, einige der Probleme im Stadtteil zu beseitigen.

Duisburg.. Politiker reden immer nur – und wenn sie handeln, ausschließlich im eigenen Interesse. So lautet ein Vorurteil aller Politikverdrossenen. Nun wollen sieben NRW-Politiker (von der Bundestagsabgeordneten bis zum OB-Kandidaten, keiner von ihnen kommt aus Duisburg) beweisen, dass sie anpacken und etwas zum Wohle der Bürger verändern können. Und das innerhalb von nur einer Woche.

Seit Sonntag sind die Bewohner dieser neu gegründeten Wohngemeinschaft in Marxloh unterwegs – auf Schritt und Tritt verfolgt von Kamerateams des WDR. Der hat sich diese Überprüfung der Macherqualitäten ausgedacht und will das Resultat im August in einer TV-Reportage ausstrahlen. Am Mittwoch durften wir die Politiker bei ihrem Vorhaben begleiten.

Erster Treffpunkt: Frühstückstisch. Der steht im Ladenlokal einer früheren Bäckerei auf der Wilfriedstraße. Hier ist das Politiker-Septett – bestehend aus Ulrich Scholten (SPD, Mülheim), Klaus Franz (CDU, Bochum), Kathrin Vogler (Die Linke, Emsdetten), Luisa-Maximiliane Pischel (Junge Liberale, Bochum), Paula Marie Purps (CDU, Hagen), Lisa-Marie Friede (Grüne Jugend, Köln) und Manuel Dröhne (Jusos, Oberhausen) – in einem Mehrfamilienhaus untergebracht. Um 8 Uhr morgens beginnt ihr „Arbeitstag“.

Skepsis bei Duisburger Kollegen

Die Duisburger Kommunalpolitik reagierte oft mit Skepsis, als sie von den Gästen und ihrem Vorhaben erfuhr. „Die sollen doch erst einmal in ihren eigenen Städten schauen, was zu tun ist“ oder „Glauben die, wir hätten die Probleme nicht im Blick“ – so lauteten die höflichen Reaktionen. „Wir wollen hier niemandem erklären, wie die Welt funktioniert“, sagt Scholten, der bald in Mülheim zum neuen OB gewählt werden will. Stattdessen habe man Kontakte zu Helfern, Vereinen und wichtigen Multiplikatoren im Stadtteil gesucht – und dann einfach erstmal zugehört.

Die erst 17-jährige Paula Marie Purps suchte das Gespräch mit Jugendlichen im Stadtteil. Denn ein Teil der Gruppe hat es vom WDR zur Aufgabe bekommen, einen Jugendtreff zu etablieren. Die Befragten erklärten aber, dass sie Jugendzentren oder ähnlich feste Einrichtungen meiden, weil es dort oft zum Streit mit anderen Gruppen käme. Viele der hier lebenden Bevölkerungsgruppen kämen nicht miteinander klar, will CDU-Mann Franz beobachtet haben. Viele hätten gar Angst voreinander.

„Wir müssen ein Angebot für die 13- und 14-Jährigen finden, vor allem für die Mädchen. Für die gibt es hier gar nichts. Die treffen sich derzeit mit ihren Cliquen im Freien“, nennt Purps die Ergebnisse ihrer Befragung. Hilfsmöglichkeiten? Manuel Dröhne erzählt von einem mobilen Jugendtreff in seiner Heimatstadt Oberhausen. Die Gruppe will schauen, ob ein vergleichbares Angebot auch hier existiert. Falls nicht, wäre das eine Lösung.

"Viel zu viele Probleme für nur eine Woche"

Sozialer Frieden Scholten, Franz und Vogler laufen zum Petershof – dem Sozialpastoralen Zentrum in Marxloh. Mit Pater Oliver (Scholten: „Er ist ein Dreh- und Angelpunkt im Stadtteil“) besprechen sie ihr Vorhaben. Der Geistliche schenkt den Gästen ein offenes Ohr („Ein Blick von außen auf unsere Probleme kann neue Aspekte zum Vorschein bringen“). Er sagt auch, was ihm wirklich unter den Nägeln brennt: die fehlende Krankenversicherung der vielen Zuwanderer im Stadtteil.

Die Gesundheitssprechstunde, bei der einmal pro Woche einige Mediziner aus dem Ruhrgebiet ehrenamtlich die medizinische Versorgung dieser Menschen übernehmen, sei inzwischen überlaufen. Bis zu 300 Menschen warten an jedem Donnerstag auf Versorgung.

„In anderen Städten können Zuwanderer ohne Krankenversicherung kooperierende Krankenhäuser aufsuchen. Hier in Duisburg haben wir eine solche Lösung noch nicht“, stellt Pater Oliver fest. Er fordert, dass bei dem anhaltenden Zustrom von Flüchtlingen und Zuwanderern die Weichen eher gestellt werden müssten. „Im Augenblick ist es an uns, die Scherben aufzukehren.“ Die drei Gast-Politiker lauschen und halten inne. Viel zu viele Probleme für nur eine Woche.

Das WDR Fernsehen zeigt die Reportage über die Politiker-WG am Montag, 24. August 2015, von 21 Uhr bis 21.45 Uhr