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Mieterschutz

Trotz 78 Prozent Luftfeuchtigkeit handelt Vermieter nicht

09.01.2013 | 22:00 Uhr
Trotz 78 Prozent Luftfeuchtigkeit handelt Vermieter nicht
Bei nachträglich gedämmten Häusern ist Feuchtigkeit oft ein Problem.Foto: Udo Milbret

Duisburg.   Feuchtigkeit und Schimmel in Mietwohnungen sind ein konfliktträchtiger Dauerbrenner zwischen Mietern und Vermietern. So auch aktuell in Duisburg Rumeln. Trotz der nachgewiesenen hohen Luftfeuchtigkeit und der offensichtlichen Baumängel handelt der Vermieter nicht.

Feuchte Wohnungen als Zankapfel zwischen Mieter und Vermieter sind ein ärgerlicher Dauerbrenner, nicht nur im Duisburger Westen. Und regelmäßig versuchen Vermieter, dem Mieter die Schuld in die Schuhe zu schieben. Mit richtigem Heizen und Lüften , so der Tenor, sei das Problem schon in den Griff zu kriegen. Davon kann auch Silvia Kellner (Name geändert), Mieterin eines ehemaligen Krupp-Hauses in Rumeln, ein Lied singen: „Schon direkt nach Einzug im Dezember 2009 bemerkte ich starke Kondenswasserbildung trotz Heizen und Lüften. Der Vermieter, Immeo , meinte, die Wohnung sei ja wegen des schlechten Zustandes, an dem der Vormieter schuld gewesen wäre, komplett saniert worden.“ Das wäre also Restwasser, hieß es, das vergehe. Tat es aber nicht.

Ein Hygrometer, das Silvia Kellner vom Vermieter zur Verfügung gestellt bekommen hatte, zeigte regelmäßig Werte von bis zu 78 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit an, obwohl laut ihrer Aussage alle Räume auf etwa 21 Grad beheizt und regelmäßig stoß-gelüftet waren: „Ich reiße täglich mindestens drei Mal alle Fenster auf, sichere Türen und Fenster gegen das Zufallen und schließe wieder nach fünf bis 15 Minuten.“ Laut Peter Hess, Rechtsberater beim Duisburger Mieterbund, tut sie damit genau das Richtige. „Das Einzige, was man noch machen könnte, ist, noch öfter zu lüften.“

Feuchtigkeit macht die Familie krank

Der Vermieter ließ daraufhin ein geeichtes Hygrometer aufstellen, um über eine Woche Daten zu sammeln. Nachdem die Mieterin über ihren Anwalt eine Mietminderung festsetzte, schickte Immeo einen Gutachter. „Der“, so die Bewohnerin, „hat mir hier unter Zeugen Recht gegeben, dann aber in seinem Gutachten geschrieben, das Problem wäre durch Heizen und Lüften in den Griff zu kriegen.“

Das war es offenbar nicht. Und Silvia Kellner weiß langsam nicht mehr weiter: „Mein Sohn ist eh durch viele Allergien vorgeschädigt, und seit wir hier wohnen, sind wir ständig krank. Mal ist die Nase zu, mal ist es Husten. Man wird wach, weil man aufgrund der Luftfeuchtigkeit verschwitzt ist und gleichzeitig friert und schlecht Luft bekommt.“

Baumängel aus der Vergangenheit

Laut Peter Hess, der sich mittlerweile für den „Mieterschutzbund Duisburg“ der Angelegenheit angenommen hat, ist das Problem typisch für ehemalige Werkssiedlungen im Ruhrgebiet , hier von Krupp: „Die wurden in den 50-er und 60-er Jahren möglichst schnell und billig hochgezogen, um die Leute so ans Werk zu binden. Energiesparen war damals noch kein Thema. Als sich das in den 80-er und 90-er Jahren änderte, kamen nachträglich Dämmstoffe an die Fassaden und dicht schließende, doppelt verglaste Fenster in die Rahmen, und heute haben wir das Chaos.“

Im Fall des Rumelner Hauses hat Hess bereits diverse mögliche Feuchtigkeitsquellen entdeckt: Die Wohnung ist im Erdgeschoss und an der Wetterseite. Außerdem geht die nachträglich angebrachte Wärmedämmung an der teilweise frei liegenden Kellerwand nur bis zur halben Höhe.

Hoffnung auf außergerichtliche Einigung

Wie es jetzt weiter geht, so Hess, liegt am Vermieter. „Wir haben ein Protokoll über das regelmäßige Heizen und Lüften, und es ist klar, dass so viel Feuchtigkeit nicht normal ist. Da muss Immeo etwas tun.“ Letztendlich könne ein Mieter, der wegen baulicher Mängel zum Umzug gezwungen ist, die Kosten dafür auch gerichtlich einklagen. „Wir versuchen aber immer, uns außergerichtlich mit den Vermietern zu einigen - und in 97 Prozent der Fälle gelingt das auch.“

Immeo konnte bis Redaktionsschluss aus Termingründen keine Stellungnahme abgeben, kündigte diese aber für Donnerstag an. Wir berichten weiter.

Matthias Oelkrug



Kommentare
11.01.2013
08:55
Trotz 78 Prozent Luftfeuchtigkeit handelt Vermieter nicht
von tecxuss | #4

Dann kann man nur froh sein, nicht als Mieter in so einer Bude wohnen zu müssen!

Wir haben selbst in unserem Eigentum einen Durchschnittswert von 70 % in allen Räumen.Was für Experten schon alles hier waren.Helfen konnte uns keiner wirklich.
Ich habe dann von Bosch für 150€ ein Oberflächenmessergerät aus dem Baumarkt gekauft.Das kann ich nur jedem empfehlen.Dann habe ich alle Ecken und Wände gemessen.Siehe da.Ich hatte sofort die Ecken wo sich Tauwasser wegen der kalten Wände bildet.Als Eigentümer konnte ich selbst aktiv werden und habe isoliert.Als Mieter kann man das Gerät und deren Messwerte als Beweise geltend machen.Protokolle erstellen über mehrere Tage und dann zum Vermieter und wenn der nicht will,ganz einfach zum Rechtsanwalt.Dann mögen sich die Gerichte mit dem Vermieter rumärgern.Es liegt nunmal an den Wänden die nicht isolliert sind.Falsches Lüften,sowas habe ich noch nie gehört.Das wird gerne als Argument genommen.Mehrmals am Tag lüften.Soll man einen von der ARGe dazu ..

2 Antworten
Trotz 78 Prozent Luftfeuchtigkeit handelt Vermieter nicht
von Juelicher | #4-1

Ganz offensichtlich haben Sie von der Problematik keinerlei Ahnung!
In gut isolierten, besonders dichten Häusern ist das Schimmelproblem auch besonders groß. Deshalb müssen diese Niedrigenergie-Häuser auch mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versehen werden, die allerdings wiederum mit gesundheitlichen Gehahren einher geht, wenn die Lüftung nicht regelmäßig gereinigt wird, was die Kosten stark erhöht.
Gerichte verlangen von Mietern bis zu vier Stoßlüftungen am Tag mit weit geöffneten Fenstern, um die großen Feuchtigkeitsmengen abzutransportieren, die durch die Dichtheit der heutigen Fenster sonst zu Schimmelbildungen führen können.
Der jeweilige Mieter zahlt im Übrigen die Miete entsprechend des Standards u. Alters eines Hauses. Er kann grundsätzlich nur den Baustandard des Erstellungsjahres erwarten. Eine Isolierung muss lediglich vorgenommen werden, wenn trotz vom Mieter eingehaltener vorgeschriebener Lüftungsmaßnahmen eine Schimmelbildung nicht zu verhindern ist.

Trotz 78 Prozent Luftfeuchtigkeit handelt Vermieter nicht
von TVtotal | #4-2

Meinste die stellen einen 2Fallmanager" für dich ab ......

11.01.2013
07:25
Das Problem kenne ich aus dem Nachbarhaus.
von Wurzelputz | #3

Mein Blick fällt auf unser Nachbarhaus, bei dem sich in einigen Wohnungen auch Schimmel gebildet hat.
Alle beteuern Stein und Bein, ständig quer zu lüften.
Warum nur um alles in der Welt kann ich das nicht sehen? Alle Fenster den ganzen Tag wie zugenagelt, wenn es hoch kommt unnützerweise auf Kipp gestellt.
Wo bleibt der Küchendunst (doch wohl nicht im Hausflur?) und die Feuchtigkeit vom morgendlichen Duschen, Waschmaschine in der Wohnung, Aquarium... und und und ?

Wer weiß, dass sich täglich 12 Liter (!) Feuchtigkeit in einer Wohnung bilden, die auch abtransportiert werden müssen kann sich vorstellen, dass die gebetsmühlenartig dargestellte Expertenmeinung zum Lüften nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.

10.01.2013
23:28
Trotz 78 Prozent Luftfeuchtigkeit handelt Vermieter nicht
von Juelicher | #2

Ein Luftfeuchtigkeitswert von 78 % ist in den Wintermonaten, falls regelmäßig geheizt und zusätzlich gelüftet wird, zweifellos ein recht hoher Wert. Die in dieser Jahreszeit verhältnismäßig kalten Außenflächen beginnen dann schneller zu kondensieren bzw. Schimmel zu bilden. Das wird aber erst bei anhaltend hohen Werten passieren, nicht wenn es kurzfristig dazu kommt, was durchaus normal ist.
In den Sommermonaten sind derart hohe Luftfeuchtigkeitswerte hingegen durchaus nicht ungewöhnlich, wenn draußen eine feucht-schwüle Tiefdruckwetterlage herrscht, was in Mitteleuropa häufig der Fall ist. Da Außen dann die relative Luftfeuchtigkeit auch sehr hoch ist, teils über 90 %, lassen sich in den Innenräumen ebenfalls keine niedrigeren Werte erreichen, da die Aufheizung zur Senkung der relativen Luftfeuchtigkeit wegfällt.

10.01.2013
10:59
78 Prozent Luftfeuchtigkeit
von Mattern1964 | #1

Feuchtigkeit und Schimmel in Mietwohnungen sind ein konfliktträchtiger Dauerbrenner. Ein Fall in Rumeln schildert den Ärger der Bewohner.

Da fällt mal wieder der Slogan von immeo ein:

immeo wohnen , wohlfühlen , zu Hause sein.

Ja supi meine Herren

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