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Treppe bleibt Treppe

25.07.2012 | 08:00 Uhr
Treppe bleibt Treppe
Die Stufenpromenade im Innenhafen hat Millionen an Fördergeldern verschlungen und bleibt wohl noch einige Jahre gesperrt.Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Der Duisburger Künstler Willi Kissmer ärgert sich über die nicht nutzbare Stufenpromenade im Innenhafen — und liefert einen Lösungsvorschlag.

Die in der Stadt brachliegenden Großbaustellen lassen den Duisburgern keine Ruhe. Sei es die Betontristesse der Bahnhofsplatte , das Stahlgerüst-Debakel neben der Küppersmühle oder die Millionen teure, aber nicht nutzbare Treppe des vorerst gescheiterten Eurogate-Projekts am Innenhafen.

Nachdem der Essener Projektentwickler Kölbl-Kruse mangels Vermarktungserfolg das Holzhafen-Grundstück wieder an die Stadt abgegeben hat , bleibt die mächtige Stufen-Anlage auch weiterhin ein mahnendes Zeugnis, dass in Duisburg die ehrgeizigen und spektakulären Bauprojekte zuletzt immer wieder eine Bauchlandung erlebten. „Superärgerlich“ nennt Willi Kissmer die Situation. Zweimal die Woche kommt er am Holzhafen vorbei, jedes Mal schüttelt er den Kopf. Dass die Stufen-Promenade auch nach vier Jahren nicht zumindest vorübergehend genutzt werden kann, bezeichnet er schlicht als „Schwachsinn“. Und liefert gleichzeitig den Beweis, dass es auch anders gehen könnte.

Ein schönes Plätzchen am Wasser

Der Künstler aus Homberg hat der NRZ ein Foto aus Mâcon in Südfrankreich geschickt, wo er den größten Teil des Jahres wohnt. „Dort habe ich eine sehr ansprechende Lösung gesehen,was man mit einer Treppe am Wasser so machen kann“, sagt Kissmer.

So sieht sie aus, die Stufenpromenade im südfranzösischen 36.000 Einwohner-Städtchen Mâcon, die Willi Kissmer sich auch in Duisburg als Lösung wünschen würde. Foto: privat

Wie Duisburg liegt auch Mâcon an einem großen Fluss. Am Ufer der Saône hat die Stadt ebenfalls eine mächtige Stufenanlage ans Wasser gebaut. Allerdings wartet die nicht auf ein spektakuläres Bauprojekt, sondern ist eben das, was auch ihre Duisburger Schwester sein könnte: Eine Treppenanlage, die gut frequentiert ist, ein schmuckes Plätzchen am Wasser, das mit unzähligen Sitzgelegenheiten zum Verweilen einlädt. Vor den Steinstufen hat die Stadt Mâcon eine Freilichtbühne aufs Wasser gesetzt, dahinter einige Toilettenhäuschen, darunter - wie auch in Duisburg geplant - eine Tiefgarage. „Das wäre meiner Meinung nach auch eine Lösung für Duisburg“, sagt Künstler Kissmer.

Keine Zwischenlösung für die Treppe

Die Nachfrage der NRZ bei der Stadt Duisburg ist wenig ergiebig. Der neue Planungsdezernent Carsten Tum will offenbar so wenig wie möglich mit der ungeklärten Treppenfrage zu tun haben. Er verweist auf die Innenstadt Entwicklungsgesellschaft (IDE) und ihren Geschäftsführer Ralf Oehmke. Ausgerechnet die IDE soll aber nach den Misserfolgen künftig wieder an das Planungsdezernat angegliedert werden. Und mit anderen verzögerten IDE-Projekten beschäftigt sich Carsten Tum durchaus. So will er am kommenden Freitag eine Zwischenlösung für die ewig brachliegende Bahnhofsplatte präsentieren. Nicht aber für die Treppe.

Auch der IDE will die schmucke Anlage aus Südfrankreich nicht so recht als Vorbild dienen. „Die Stufenpromenade soll erst nach Realisierung des Eurogates als öffentliche Fläche allgemein nutzbar werden. Eine Interimsnutzung vor Realisierung des Gebäudes wäre mit zu hohen zusätzlichen Kosten verbunden“, teilte IDE-Geschäftsführer Ralf Oehmke gestern auf NRZ-Anfrage mit. Eine halbe Million Euro soll es kosten, die Fläche hinter der Treppe aufzuschütten. Und sollte das Eurogate tatsächlich einmal gebaut werden, müsste man alles wieder ausbaggern.

IDE hält an Eurogate fest

Aber verglichen mit den 11,8 Millionen Euro, die der Bau der Treppe gekostet hat, sind da 500.000 Euro nicht angemessen, um die Treppe endlich nutzen zu können? Die IDE ist anderer Meinung. Schließlich würden die von der EU und dem Land bereitgestellten und verbuddelten Millionen nicht nur in der Treppe stecken, sondern auch in den vorangegangenen Instandsetzungsarbeiten zur Sicherung des Hafenbeckens, so Oehmke.

Er will beim Eurogate langen Atem beweisen. Der „hohe architektonische und städtebaulichen Anspruch“ sei schließlich der Grund für den Erfolg des Innenhafens als Bürostandort. „Wir möchten daher auch für die Realisierung des Eurogates als letztes Bürogebäude an diesem Anspruch festhalten“, sagt Oehmke. „Auch wenn dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen sollte“.

Glück für Duisburg: Eine Verpflichtung zur Rückzahlung der Förder-Millionen bestehe nicht, sagt der IDE-Geschäftsführer.

Pech für Duisburg: Auf eine Treppe wie in Südfrankreich werden sich die Duisburger auch in den nächsten Jahren nicht setzen können. Es sei denn, sie fahren nach Mâcon.

Ingo Blazejewski


Kommentare
26.07.2012
07:13
Treppenwitz bleibt Treppenwitz
von maria40 | #4

Die Fördertöpfe sind das eigenliche Problem
Immer wieder wird nur deshalb gebaut weils ja Geld dafür gibt
Beim Bauen wird verdient. Punkt

Nie ist ein Projektverantworllicher für Sinnlosigkeit belangt worden
vermute dafür gibt es kein Gesetz, bisher ....

25.07.2012
11:09
Treppenwitz
von westwatch | #3

in Ruhrort haben wir gleich zwei nutzlose Treppen.
die eine von der Insel auf die Friedrich-Ebert-Brücke hat ja Haniel bezahlt, aber was ist mit der Waterfront?
Wenigstens haben letzten Freitag ein paar Jugendliche die Treppe für eine Performance genutzt,
Da würde noch mehr gehen....

25.07.2012
11:04
Treppe bleibt Treppe
von Harry.Hirsch | #2

In Ruhrort gibt exakt die selbe bauliche Panne. Waterfront hieß das ding damals. Hier gibts auch ne schöne Treppe bis zum Hafenbecken runter. Danach hat man sich entschieden doch nicht weiter zu bauen.

Alles was man jetzt noch bräuchte wären ein paar hundert qm Rollrasen, etwas Mutterboden und ein Ponton mit nem kleinen Außenborder dran und einem Stromgenerator drauf.
Fertig wäre ein genialer Veranstaltungort, Verkehrgünstig gelegen, mit genug Parkplätzen und mehr Fluchtwegen als nötig.

Hoffentlich kommen die jetzt nicht auf die Idee, extra dafür eine Gesellschaft zu gründen.................!

25.07.2012
09:31
Treppe bleibt Treppe
von hansreiner | #1

Einerseits kann ich Herrn Tum verstehen: Bei den Mengen an Flops, die ihm die IDE hinterlassen hat, muss er Prioritäten setzen und Schritt für Schritt vorgehen. Und da hat nun mal die Bahnhofsplatze als Entree zur Innenstadt Vorrang.
Andererseits ist weder die inkompetente Art akzeptabel, mit der die IDE kreative Vorschläge wie den von Willi Kissmer abbügelt, noch überhaupt die Tatsache, dass es diese überflüssigste und inkompetenteste all der überflüssigen Duisburger Gesellschaften noch gibt. Wenn man die Unfähigkeit der IDE in Geld aufwiegen könnte, wäre das Eurogate schon längst finanziert.

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