Traumzeit-Tag voller Entdeckungen

Atmosphäre des FesDie tivals am Hochofen fasziniert die Künstler und das Publikum, das hier der Band Kensington zuhört.
Atmosphäre des FesDie tivals am Hochofen fasziniert die Künstler und das Publikum, das hier der Band Kensington zuhört.
Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Zum Abschluss des dreitägigen Festivals im Landschaftspark gab es Programmänderungen. Benjamin Clementine ist der heimliche Star des Abends.

Duisburg.. Der letzte Traumzeit-Tag war voller musikalischer Entdeckungen und Überraschungen: Für die erkrankte Mine konnte der Singer-Songwriter Jonas Davis mit der tollen Stimme an der Akustik-Gitarre kurzfristig einspringen. Und statt des angekündigten Dotan trat die irische Gitarristin Wallis Bird auf. Mit energiegeladenem Sound und ihrer herzlichen Art hatte die Musikerin, die ihre Rechtshänder-Gitarre seitenverkehrt spielte, ohne die Saiten umzuspannen, das Kraftzentralen-Publikum schon beim ersten Song in ihren Bann gezogen. Noch einmal glänzte das sonntägliche Programm mit exzellenten Musikern, die mit individuellem Gesang und großartigen Auftritten begeisterten.

Die Niederländerin Sharon Kovacs brachte die Zuhörer mit ihren rauen und melancholischen Jazz-Pop Balladen zum Träumen. Wie alle Musiker ist auch sie hingerissen vom Auftrittsort: „What a beautiful and amazing location is this!“ Der Brite Benjamin Clementine, heimlicher Star des Abends, schaffte es schließlich, zum Ende des Festivals das Gebläsenhallen-Publikum zu disziplinieren. Dem Künstler, der am Barhocker gelehnt sang und mit ausgestreckten Armen den Flügel spielte, geht der Ruf voraus, bei allzu viel Unruhe schon mal das Konzert abzubrechen. Das wollte wohl keiner der zahlreichen Fans riskieren. So blieb es ruhig wie bei einem Klassikkonzert, kaum jemand wagte, mit seinem Handy zu knipsen und auch die Publikums-Fluktuation war fast eingestellt. Nahezu meditativ war sein Gesang, in dem Tiefen und Höhen sich jäh abwechselten und eindringliche Wortwiederholungen die Spannung erhöhten. Mit stehenden Ovationen wurde der Künstler verabschiedet.

Ruhig wie bei einem Klassik-Konzert

Nach dem satten Rock der Utrechter Band Kensington in der Gießhalle brachte Leslie Clio lockeren Pop ins Traumzeit-Geschehen – Kontraste, an denen sich niemand störte, sondern die eher für Begeisterung sorgten. Anders jedoch, wenn leise Hallensongs von wummernden Bässen der offenen Bühnen überlagert wurden.

Für die belgische Band Balthazar war Tagesgast Maud Sybers angereist. „Die Location ist toll und das Line-Up einfach großartig“, fand die Frau aus Venlo. Patrick Schiffer und Stefanie Abts aus dem Erftkreis hatte genau diese Mischung bereits im letzten Jahr begeistert. „Es ist die Atmosphäre und die Möglichkeit, tolle neue Bands kennen zu lernen“, so die Camper. „Ich persönlich finde, Musik muss Spaß machen, egal ob Elektro, Rock oder Folk“, ergänzte Schiffer. Und das machte sie offensichtlich nicht nur den Musikfans, sondern auch den Künstlern, wie der texanischen Folkrock-Band East Cameron Folkcore, die ihre Europa-Tournee bestens gelaunt vorm Gasometer beendeten. Schließlich entließ auch das dreitägige Festival seine Besucher mit dem geschmeidigen urbanen Jazz der zehnköpfigen Berliner Formation Brandt Brauer Frick Ensemble – eine letzte Gelegenheit zum Tanz für die, die noch ausgeharrt hatten.