Trainieren wie in den Alpen - der Klettergarten im Landschaftspark Nord

Anfang der 90er-Jahre begann der Alpenverein damit, die Wände der alten Möllerbunker im Landschaftspark Nord als Klettergarten zu nutzen. Mittlerweile gibt es über 550 verschiedene Touren.
Anfang der 90er-Jahre begann der Alpenverein damit, die Wände der alten Möllerbunker im Landschaftspark Nord als Klettergarten zu nutzen. Mittlerweile gibt es über 550 verschiedene Touren.
Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Alpenverein eroberte Anfang der 90er das Gebiet um die Möllerbunker im Duisburger Landschaftspark Nord. Seitdem entstehen dort immer neue Routen.

Duisburg.. Nur mit langsamen Schritten bewegt sich Uwe Paul weiter nach oben. Mit Bedacht streicht er vor jeder nächsten Bewegung über die dunkle Steinwand und tastet nach etwas zum Festhalten. Hat er dann eine passende Einkerbung gefunden, fährt seine Hand erst einmal in den kleinen Beutel an seinem Gürtel.

Unter dem Klirren von Dutzenden Karabinerhacken greift er in die Tasche, in der sich sein „Chalk“, ein weißes Puder für bessere Haftung, befindet. Dann zieht er sich hoch. Stück für Stück. Meter für Meter. Nach ein paar Minuten ist er am höchsten Punkt angekommen. Er vergewissert sich bei seinem Partner Tobias Dvorak, dass seine Sicherungen, die er über die Strecke angebracht hat, auch halten. Schließlich ruft Paul kurz „Ab!“ und seilt sich wieder die abgewetzte Mauer hinunter.

Alpenverein begann 1990 mit dem Aufbau des Klettergartens

Wo sich „Freeclimber“ wie Paul heute mühselig ihren Weg zum oberen Ende der Wände bahnen, fand man vor einem Vierteljahrhundert noch Koks und Eisenerze: Der Klettergarten „Emscherpark“ der Duisburger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Landschaftspark Nord feierte vergangenen Samstag seinen 25. Geburtstag.

Horst Neuendorf, 3. Vorsitzender der Duisburger Sektion des DAV und Klettergartenwart, erinnert sich an die Anfangszeit zurück: „Wir haben 1990 mit dem Aufbau des Klettergartens begonnen. Damals lag die Anlage rund um den Hochofen bereits fünf Jahre lang brach. Wir haben dann das Gebiet rund um die Möllerbunker angemietet und mit der Arbeit begonnen.“

Keine einfache Aufgabe für den 66-Jährigen und seine Kletterkameraden. „Die Natur hatte sich in der Zeit des Stillstands viel zurückerobert. Mit einer Gruppe von zwölf Leuten sind wir dann hingegangen und haben zuallererst mit Bürsten und Atemschutz die Wände gereinigt.“ Und das alles in Eigenarbeit, ohne fremde Hilfe von außen.

550 verschiedene Touren auf der 4500 Quadratmeter großen Outdoor-Fläche

Einen genauen Eröffnungstermin hatten die Freunde allerdings nicht festgelegt. „Wir haben gearbeitet und sind gleichzeitig geklettert. Mit der Zeit kamen dann immer neue Routen dazu. Fertig sind wir aber noch lange nicht“, erzählt Horst Neuendorf.

Heute können Fans jeder Art des Kletterns auf der 4500 Quadratmeter großen Outdoor-Fläche bei mittlerweile rund 550 verschiedenen Klettertouren aller Schwierigkeitsgrade auf ihre Kosten kommen. Von gewöhnlichen Sprossenwänden, über Routen entlang präparierter Mauern bis hin zum Klettern mit dem Eispickel ist hier alles möglich.

Das Augenmerk liege allerdings darauf, ein Erlebnis zu bieten, dass möglichst nah an den Sport in den Bergen rankommt. „Wir haben hier die optimale Trainingsstätte für das Alpenklettern geschaffen,“ so der Rentner, der selbst seit 1981 klettert. Und das scheint gut anzukommen. „Mit mittlerweile etwa 6000 Mitgliedern sind wir der zweitgrößte Verein in Duisburg. Hinter dem MSV natürlich“, berichtet Neuendorf mit einem Schmunzeln.

Klettergarten „Emscherpark“ ist ganzjährig geöffnet

Auch Sportkletterer Uwe Paul ist begeistert von dem Duisburger Klettergarten im Schatten des Hüttenwerks. Seit zehn Jahren kommt er regelmäßig hier her, mindestens einmal die Woche: „Der industrielle Charme und dass der Park draußen ist – das hat schon was Besonderes“, findet der 42-Jährige. Und ergänzt: „Hier hast du alles, was du brauchst, kannst regelmäßig an deine Grenzen gehen. Und die Leute sind super.“

Der Klettergarten ist ganzjährig geöffnet und hat eine kletterbare Wandfläche von 7000 m². Es gibt 500 eigenständige Kletterrouten. Die Wände erklimmen darf dort jeder, der seine Ausrüstung selbst mitbringt. Gruppen müssen sich allerdings vorher am Büro des Deutschen Alpenvereins (Sektion Duisburg) anmelden: Telefon 0203/428 120.

Kurse für Anfänger bis hin zu Familien oder Wiedereinsteiger werden angeboten. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite des Alpenvereins unter www.dav-duisburg.de.