Tragischer Unfall im Altenheim - Frau stirbt an Verbrühungen

Am St.Hedwig-Altenheim der Malteser in Duisburg-Huckingen ereignete sich der tragische Unfall mit der 94-Jährigen.
Am St.Hedwig-Altenheim der Malteser in Duisburg-Huckingen ereignete sich der tragische Unfall mit der 94-Jährigen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
94-Jährige erlitt schwere Verbrennungen durch abgerissene Heizung und starb nach sieben Wochen. Sohn erhebt Vorwürfe, die das St. Hedwig zurückweist.

Duisburg.. Ein tragischer Unfall mit tödlichen Ausgang lässt Jürgen Oehmig keine Ruhe. Und in der Tat ist der Vorfall kaum vorstellbar: Seine 94-jährige Mutter erlitt im Huckinger Malteser-Altenheim St. Hedwig durch einen abgerissenen Heizkörper derart schwere Verbrennungen, dass sie Wochen später starb.

Nach einem Sturz in ihrer Huckinger Wohnung war die Seniorin im Spätherbst 2014 einige Tage im St. Anna-Krankenhaus. Um wieder auf den Damm zu kommen, sollte sie danach zwischenzeitlich zur Kurzzeitpflege in das benachbarte Altenheim der Malteser.

Heißes Heizungswasser verbrühte 94-Jährige

Nach den Schilderungen ihres Sohnes erlitt seine gehbehinderte Mutter dort dann in einer Nacht Anfang November auf der Toilette einen Schwächeanfall. „Sie wollte sich an dem an der Wand montierten Heizkörper festhalten. Dabei wurde der Heizkörper aus seiner Halterung gerissen und brach an den Anschlüssen ab. Meine Mutter fiel zu Boden und das ausströmende heiße Wasser aus dem gebrochenen Rohr ergoss sich auf den Boden des Badezimmers. Sie wurde von dem auslaufenden Heizungswasser so stark verbrüht, dass sie Verbrennungen dritten Grades erlitten hat.“

„Es bestand Lebensgefahr"

Gertrud Oehmig wurde wegen ihrer schweren Verbrühungen in die Spezial-Station der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Buchholz gebracht. Sie lag zunächst zehn Tage auf der Intensivstation für Schwerst-Brandverletzte, die Ärzte hielten Hautverpflanzungen für unbedingt notwendig, da die Gefahr einer Sepsis bestand. „Es bestand Lebensgefahr. Ich wurde von den Ärzten unterrichtet, dass mit dem Schlimmsten zu rechnen sei“, erzählt der Sohn. Ende Dezember, nach sieben Wochen in der BGU starb seine 94-jährige Mutter.

„Das Heim bedauert den „Vorfall“, berichtet Oehmig. Doch das genügt ihm nicht. „Wie kann denn eine 94-Jährige, die nur 45 Kilogramm wiegt, einen Heizkörper aus der Wand reißen. Da muss doch schlampig gearbeitet worden sein“, erregt sich der Sohn. Er selbst hänge sich mitunter zum Strecken an seinen Wandheizkörper. „So ein Altenheim muss doch für eine sichere, technische Ausstattung sorgen“, fordert er. „Die Familie ist nicht bereit, diesen unglaublichen Vorfall einfach so hinzunehmen.“

Eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge hat er nicht gestellt, aber er fordert Schmerzensgeld: „Da muss jemand zur Verantwortung gezogen werden.“

Durch die ruckartige Bewegung abgebrochen

Im St. Hedwig-Altenheim ist man natürlich geschockt. Malteser-Pressesprecher Patrick Pöhler verweist darauf, dass die Heizkörper – Wandhalter 30 mal 60 cm, die auch als Handtuch-Trockner dienen – alle zwei Jahre kontrolliert werden. Ein technisches Gutachten habe die regelkonforme Anbringung bescheinigt. Der Heizkörper sei schlicht durch die ruckartige Bewegung abgebrochen. Die Hausjuristen sprechen von einem „unglücklichen Zufall“, der dem Altenheim-Sprecher „unendlich leid tut“.

Auch ein Duisburger Sanitär-Sachverständiger sieht den Fall als tragischen Unfall. Heizungshalterungen müssten die Heizkörper halten und seien nicht auf größere Lasten ausgerichtet wie etwa Haltegriffe. „Es kommt immer wieder vor, dass wir herausgerissene Heizkörper reparieren müssen“, so der Fachmann.