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Torso-Fall

Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF

09.11.2012 | 17:22 Uhr
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
Deutschlands beliebtester Zivilfahnder: Rudi Cerne moderiert die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“. Nach der Sendung am 31. Oktober gingen 50 Hinweise zur Wasserleiche ein.Foto: Thomas K. Schumann

Duisburg/Xanten/Emmerich.   Der Tote ohne Kopf, Arme und Beine ist identifiziert: Nach der vorigen Sendung „Aktenzeichen XY“ im ZDF gingen etwa 50 Hinweise zum Torso aus dem Rhein ein. Der Tote ist ein Duisburger (74). Der war wegen eines Fehlers in einem Lehrbuch, so die Polizei, aus dem Raster der Ermittler gefallen.

Fast ein Jahr lang hat dieser ungeklärte Todesfall die Duisburger Kriminalpolizei und die Gerichtsmedizin beschäftigt – nach dem Anruf eines Zuschauers in Folge der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ scheint er nun geklärt: Der unbekannte Tote aus dem Rhein, dessen zerstückelte Wasserleiche ein Angler am 3. Oktober 2011 in Xanten am Rhein entdeckte , ist ein als vermisst gemeldeter Senior aus Duisburg.

Die Beine, die Arme und der Kopf der Leiche waren abgetrennt worden, weshalb die Ermittler zunächst von einem Kapitalverbrechen ausgegangen waren: „Die Schnitte wurden symmetrisch durchgeführt. Wir können eher ausschließen, dass die Gliedmaßen durch eine Schiffsschraube abgetrennt wurden“, betonte damals Kriminalhauptkommissar Hubert Ensink. Die Ermittler im „Torso-Fall“ stellten sich vor allem die Frage, warum niemand den Mann vermisste.

Nachbar des Toten gab den entscheidenden Hinweis

Die Antwort lautet: Er wurde vermisst. Die Erklärung, warum die Ermittler die Spur dennoch nicht aufnahmen, verwundert zumindest:

Ein Fehler in einem Lehrbuch hinderte sie laut Polizei Duisburg daran, den Toten aus dem Rhein schneller zu identifizieren (v. l.): Rechtsmedizin-Oberarzt Dr. Matthias Schubries, Kriminalhauptkommissar Michael Thielkes und Rechtsmedizin-Leiter Dr. Lars Althaus, hier im Obduktionsraum des Klinikums Duisburg. Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

Der Senior war am 6. Oktober 2011 von seiner getrennt lebenden Ehefrau vermisst gemeldet worden. Weil er aber 1,70 Meter groß war, gingen die Ermittler der Spur nicht nach. Die Rechtsmediziner hatten nämlich anhand des Oberschenkelknochens errechnet, dass der Tote eine Körpergröße zwischen 1,84 und 1,92 Meter gehabt haben sollte. (Der Unterkörper war am 6. Oktober in Emmerich angeschwemmt worden. ) Ursache dieses Rechenfehlers, so die Polizei, „war eine fehlerhafte Formel in der Neuauflage des Lehrbuches ‘Todesermittlung. Bestandsaufnahme & Spurensicherung“, das laut Untertitel „Medizinische und kriminalistische Grundlagen für die Todesermittlung“ vermittelt.

Am 31. Oktober also stellte Moderator Rudi Cerne in seiner ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ den Duisburger Torso-Fall vor , befragte Kommissar Michael Thielkes dazu. Als sich nach der Sendung ein Nachbar des Vermissten meldete, gab er den Ermittlern neuen Anlass zum Abgleich: Der Anrufer wies darauf hin, dass sein Nachbar immer noch nicht aufgetaucht war. Die Polizei ließ DNA-Material des vermissten Duisburgers beim Landeskriminalamt (LKA) untersuchen und mit dem des Torsos vergleichen. Danach stand fest: Der Vermisste ist tatsächlich der Tote aus dem Rhein.

Kripo geht von Suizid aus

Die Ermittlungen dauern noch an, die Kripo geht jedoch nun von einem Selbstmord aus. Dass die Wasserleiche von einer Schiffsschraube zerstückelt worden war, hatten die Ermittler ursprünglich ausgeschlossen.

Den Fehler in der Formel haben die Rechtsmediziner und die Ermittlungsbehörden dem Wissenschaftsverlag übrigens mittlerweile gemeldet. Die aktuelle Ausgabe des Buches wurde vom Wissenschaftsverlag Springer in Heidelberg, einer Zweigniederlassung der Berliner Springer-Verlag GmbH, herausgegeben. (pw)


Kommentare
12.11.2012
12:15
Armseliges Duisburg
von moersLokal | #8

Dass die Duisburger Polizei sich nicht mit Ruhm bekleckert, weiss seit der Loveparade ganze Deutschland. Dass in Duisburg die schlechtesten Parkhäuser zu finden sind, weiss der ADAC. Dass so manches Bauprojekt am Innenhafen immense Steuergeldverschwendung ist, weiss der Bundesrechnungshof. Dass DA BRUNO fünf Menschen das Leben gekostet hat, weiss die Mafia.
Dass ich vor Jahren aus Duisburg weggezogen bin, dass weiss ich zu schätzen.

10.11.2012
19:02
Das mit der Schiffschraube
von KiaKosaki | #7

könnte so passiert sein: Der Tote wird durch Wirbel etc. nach oben getrieben bei "aufrechter" Körperhaltung, vielleicht sogar seitlich der Schraube. Er wird durch den Schlag und weitere Umdrehungen um seine Körpermitte gewirbelt und dabei werden die Gliedmaßen abgetrennt. Schiffsschrauben können Umdrehungen haben von 100 - 450 U/min haben. Im Übrigen wurde das angesprochene Buch bei Amazon so (u.a) kritisiert:

Das Buch ist sehr zu empfehlen, vor allem, weil die Fehlerquellen bei Todesermittlungen ganz klar angesprochen werden....

...Allerdings geht mir das Buch um wirklich hilfreich für polizeiliche Arbeit zu sein viel zu wenig in die Tiefe der Materie. Immer wieder hatte ich eher das Gefühl ein für den Laien geschriebenes Werk in den Händen zu halten, das zwar durchaus Unterhaltungswert besitzt...

Es wäre auch interessant zu erfahren, wieweit die Vermutung stimmt, dass sich der Tote in der DDR aufgehalten hat, wie von der Polizei diagnostiziert.

10.11.2012
10:29
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von Rahn1907 | #6

Der Respekt gegenüber der Polizei basiert nicht auf der Leistung der Polizisten, sondern auf der Erziehung der Eltern. Meine Eltern haben mir den Respekt gegenüber der Polizei eingebleut und nicht deren Ermittlungsergebnisse. Die Eltern sind es, die den Kindern Werte und anständiges Verhalten vermitteln und da liegt wohl er das Problem des fehlenden Respekts.
Lustig sind auch immer die Leute, die sich beim Fußball von der Anwesenheit der Polizei provoziert fühlen. Ich fühle mich durch die Anwesenheit der Polizei nicht provoziert, weil ich nichts zu befürchten habe. Ich benehme mich ganz normal und bin bisher nur mit der Polizei in Kontakt gekommen bei Verkehrskontrollen und dort war man immer sehr nett zu mir.
Außerdem sollte man nicht vergessen, auch Polizisten sind Menschen und diese machen also auch Fehler. Das wirft hier vielleicht den einen oder anderen aus der Bahn, aber das ist wirklich so.

10.11.2012
10:16
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von Sunny28 | #5

Wenn von jedem Bundes-Bürger d.h. vom Säugling bis zum Greis die persönliche DNA-
Probe genommen werden würde und man diese in eine DNA-Datenbank speichern
würde, brauchten wir keine "Zufalls-Hinweise" von Fernseh-Zuschauern der Sendung
Aktenzeichen !
Wenn dann, nachdem alle Bürger gespeichert wurden, zufällig ein "Körperteil" gefunden
werden würde, könnte man es dem rechtmäßigen "Besitzer" zuordnen und eventuell
zurückgeben, wenn er noch lebt versteht sich !
Scheinbar sind in Deutschland viele verantwortliche Personen wirklich unfähig sich
mal was einfallen zu lassen was auch zeitgemäß ist !
Ich hätte kein Problem damit meine DNA-Daten einspeichern zu lassen, aber es
gibt bestimmt viele Leute auch in der sogenannten "besseren Gesellschaft" die wohl
was zu verbergen haben weil sie nicht sauber sind !
Für solche Veränderungen brauchten wir wohl eine ganz neue Politiker-Generation !

1 Antwort
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von Kalutti | #5-1

Wir könnten auch die DDR wieder einführen...*Ironie aus*

10.11.2012
09:22
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von Harry.Hirsch | #4

Die Polizei, dein Freund und Helfer!!!
Ja herzlichen Glückwunsch!!

Nach dem Ding mit der NSU wundert mich gar nichts mehr.
Wenn unter Verdacht des Mordes ermittelt wird, darf sowas einfach nicht passieren. Punkt!!!
Einen tollen "Rechtsstaat" haben wir!
.....zustände wie bei der russischen Polizei........
Weit entfernt sind wir davon nicht mehr.
Und die wundern sich dann auch noch, das sie auf der Straße nicht mehr respektiert werden!
Wie das blos sein kann?

Unglaublich!

10.11.2012
04:04
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von darkblu2006 | #3

Ich habe den Fall bei XY verfolgt und kann nicht glauben, nach dem was bei dem Film rüber kam ,das es eine Schraube war die genau die Beine,Arme und den Kopf abtrennt ohne den Torso zu beschädigen .Nach dem was die Ermittler zu dem Fall gesagt haben würde ich immer noch von Mord ausgehen ...

1 Antwort
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von tierfreund61 | #3-1

Ja, den Gedanken habe ich auch. Sehr unglaubwürdig die ganze Sache!!

10.11.2012
03:14
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von is_klar | #2

@Daredevil
Durch betriebene PR übertreibt die Polizei immer ihre aktuellen Fähigkeiten, um Täter (und besonders solche die es werden wollen ;)) abzuschrecken. Solche Fehleinschätzungen sind überhaupt keine Seltenheit, wohl aber dass sie in aller Öffentlichkeit schonungslos dargelegt werden. Der letzte Fall, bei dem man derart offen eine Fehleinschätzung bekannt gab, ist 2einhalb Jahre her und schlug ungleich höhere Wellen: Ich sag nur "Putzfrau" und "DNA-Proben")! In der Zwischenzeit wird es ganz sicher auch etliche andere eklatante Fehleinschätzungen der ermittelnden Behörden gegeben haben, aber nicht jeder Mord und Totschlag oder sonstiges Verbrechen bzw. Selbstmord wird es in überregionale Medien schaffen, so dass man davon dann naturgemäß weniger hört und liest, wie es ausgegangen ist.
Nicht dass wir und falsch verstehen, die Ermittler sind keine Idioten, im Gegenteil, diese Übertreibungen sind "psychologische Kriegsführung"! Die Kundschaft der Polizei darf sich nie sicher sein ;)

09.11.2012
22:10
Toter aus dem Rhein identifiziert – Hinweis nach „Aktenzeichen XY“ im ZDF
von Daredevil | #1

Völlig andere Größe (auch ohne Formel sollte ein Größenunterschiedung von min. 14 cm einem erfahrenen Mediziner doch eigentlich auffallen, oder?), wohl auch völlig andere bzw. eigentlich ausgeschlossene Todesart und das geschätzte Alter lag auch bei "zw. 20 und 60 Jahren", was nicht nur extrem ungenau, sondern dazu auch noch falsch war (74). Ich bin zwar kein Gerichtsmediziner und kann es daher nicht genau einschätzen, aber nach einer Glanzleistung der Gerichtsmedizin klingt dieser Fall nun wirklich nicht, oder?

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