Tot oder lebendig?

Sechs Jahre lang hat Christa von Seckendorff an der Essener Folkwang-Universität Fotografie studiert. Zahlreiche Einzelausstellungen folgten. Doch irgendwann hatte die Arbeit mit dem fertigen Abbild für die Düsseldorferin keinen Reiz mehr. Nun macht sie digitale Collagen, die dem Betrachter einen Suchmoment als Aufgabe überlassen. Ihre Ausstellung „Eressie“ wird am Freitag im Künstlerhaus an der Goldstraße eröffnet.

Weiblich oder männlich? Tot oder lebendig? Die Motive, die Christa von Seckendorff dort in Schwarz und Weiß präsentiert, lassen oftmals keine klare Antwort zu. „Es geht um den Zwischenraum. Zwitter ist eine Bezeichnung, die mir da einfällt und auf die auch der Titel der Ausstellung anspielt“, erklärt die Künstlerin. Er, es oder sie – „Eressie“. Bis ihre etwas ironisch wirkenden Werke fertig sind, durchschreitet von Seckendorff einen komplexen Arbeitsprozess. Sie formt Plastiken, sammelt Stoffe und Zeichnungen, fotografiert sie ab und scannt sie ein. Digital werden die einzelnen Fragmente zerschnitten und später wieder in anderen Kombinationen zusammengebaut.

Die Wesen, die einem auf den großformatigen Fotografien begegnen, erinnern an tierische oder organische Motive. „Die zu beantwortende Frage ist, ob es diese Figuren wirklich gibt oder sie nur in unserer Fantasie existieren“, philosophiert die Fotografin. Hier kommt für den Betrachter der Suchmoment ins Spiel. Was sehe ich in dem Motiv? „Die Antwort kann nur vage sein“, erklärt Christa von Seckendorff, die im Jahr 2000 den Förderpreis der großen Düsseldorfer Kunstausstellung gewann.

Wie im Künstlerhaus üblich, wurde von Seckendorff von einem Goldstraßen-Mitglied eingeladen. In ihrem Fall war dies der Fotograf Evangelos Koukouwitakis. „Ich kenne sie aus Düsseldorf und verfolge ihren Werdegang genau“, begründet Koukouwitakis seine Wahl. Eröffnet wird die Ausstellung morgen um 19.30 Uhr. Danach wird „Eressie“ auf telefonische Vereinbarung ( 0203 / 27 277) geöffnet.