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Oper

Tödlicher Sturm

09.11.2009 | 19:04 Uhr

Das Publikum feierte die Übernahme-Premiere von Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes".

Starke Bühnenbilder, ein toller Sänger in der Titelrolle und die bestens aufgelegten Duisburger Philharmoniker waren die Garanten des Erfolges der Übernahme-Premiere von Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes”. Die Duisburger Erstaufführung, bei der die Hauptrollen im Vergleich zur Düsseldorfer Premiere im September neu besetzt waren, wurde mit viel Beifall und Bravo-Rufen aufgenommen.

Besonders beeindruckend das Bühnenbild von Kaspar Zwimpfer: Sich auftürmende und überschlagende Wellen aus Häuserfassaden, Fenstern und Türen geben der Aufführung eine surreale Atmosphäre und spiegeln die inneren Stürme einer Dorfgemeinschaft an der englischen Küste wider. Der aus Gelsenkirchen stammende Regisseur Immo Karaman zeigt den Fischer Peter Grimes als Außenseiter, der zum Sündenbock gemacht wird. Während die anderen Küstenbewohner wie lauernde und argwöhnende Zombies aussehen, ist lediglich Peter Grimes er selbst und wird schließlich in den Tod getrieben. Karaman inszeniert das schlüssig, aber auch zu eindeutig, denn Peter Grimes neigt durchaus zu gefährlichen Aggressionen und ist immer wieder Schuld am Tod seiner Lehrjungen.

Mit dem amerikanischen Tenor Gary Lehman verfügt die Rheinoper über einen großartigen Sängerdarsteller, der seiner Rolle wenig schuldig bleibt. Lehman singt den Peter Grimes mit robustem und kraftvollem Tenor, zeigt die Sehnsüchte und Nöte der Figur. Dabei klingt seine Stimme immer frei, und in der Artikulation ist er als Muttersprachler sowieso perfekt.

Bei der starken Zentrierung der Regie auf die Titelfigur bleiben die Lehrerin Ellen Orford und der alte Seemann Kapitän Balstrode szenisch etwas unterbelichtet. Da ihre Kostümierung der ganzen Dorfgemeinschaft angepasst ist, gehen die Figuren oft in den Menschenmassen unter. Dabei singt Christina Dietzsch eine lyrische Ellen Orford und Robert Bork einen markanten Balstrode. Als Wirtin Auntie glänzt Jane Henschel.

Sehr stark präsentiert sich der von Gerhard Michalski einstudierte Chor, der in fast allen Szenen auf der Bühne steht und die vertrackten Chorsätze Brittens mit großem Schwung meistert. Der neue Generalmusikdirektor Axel Kober stellt sich bei seinem ersten Duisburger Operndirigat mit einer energiegeladenen Leistung vor. Er betont besonders die Dramatik der Partitur. Die Zwischenspiele geraten aber in ihrer Lautstärke manchmal zu einförmig, wodurch ein permanenter Überdruck in der Musik entsteht.

Rudolf Hermes


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