Tipps für Hobby-Literaten

Wanheimerort..  Unsicher setzt sich Petra Reicherts auf das Sofa mit der blau-karierten Tagesdecke: „Das ist das erste Mal, dass ich einen Text von mir Fremden vorlese“, gesteht sie. Petra Reicherts lässt den Blick noch einmal in die Runde schweifen und beginnt ihre Kurzgeschichte zu lesen: „Ein Mord und keine Leiche“. Die Hobby-Schriftstellerin ist eine von fünf Gästen beim Autorentreff in den Räumen der Werbeagentur „Kreativschuster in Wanheimerort. Einmal im Monat lesen sich Mitglieder der Interessengemeinschaft Literatur, Kultur und Gesellschaft (IGEL) und externe Autoren Auszüge ihrer Texte vor und diskutieren darüber.

Neuanfang in neuen Räumen

„Ich wollte einfach ein Feedback haben. Zu Hause kann ich meine Geschichten meiner Familie und meinen Freunden vorlesen, aber hier ist das natürlich noch einmal etwas anderes“, nennt Petra Reicherts den Grund für ihr Kommen. Auch die alteingesessenen Autoren des „Igels“ schätzen die Kritik der Kollegen. „Dadurch bekommt man noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel auf seine eigenen Geschichten“, kommentiert Satire-Autor Raniero Spahn, „viele der Texte, die ich hier gelesen habe, habe ich auch schon veröffentlicht.“

Auch Hannes Sandmann hofft seinen Roman veröffentlichen zu können, aus dem er nun einen Ausschnitt liest. Es geht um Sara, die an Burnout erkrankt ist und mit Freunden nach Namibia reist. Als Hannes Sandmann im Schein der Schreibtischlampe von einem Kunstmarkt in Namibia erzählt, strahlen die Augen seiner Kollegen. „Hast du schon die Filmrechte verkauft“, scherzt Raniero Spahn begeistert. Hannes Sandmann bleibt gelassen: „Es macht Spaß, die Geschichte zu schreiben, aber ich verspreche mir nicht viel davon. Ein Buch zu veröffentlichen – das ist wie ein Sechser im Lotto.“

Erst seit kurzem treffen sich die Autoren bei den „Kreativschuftern“. Bis Ende Juni hatten die Mitglieder ein Ladenlokal nur ein Haus weiter angemietet. „Der Vermieter wollte uns nicht mehr haben“, sagt Christoph Steven, Vorsitzender von Igel, zu dem Umzug. Den Raum durch verschiedene Vermietungen zu finanzieren, habe leider nicht so geklappt, wie die Literaturinteressierten sich das vorgestellt hatten.

Den gezwungenen Neuanfang sehen sie aber auch als Chance. Drei neue Duisburger wollen sich den knapp zehn Mitgliedern anschließen und mehr Programm auf die Beine stellen. „Wir wollen einen Kreativmarkt organisieren, auf dem Künstler ihre Werke verkaufen können und Gäste auch selbst kreativ werden können“, nennt Michaela Zech-Nolden ein Beispiel. Und damit nicht genug: „Vor ein paar Jahren haben wir noch verschiedene Veranstaltungen in der Säule organisiert. Daran wollen wir jetzt anknüpfen“, sagt Christoph Steven und träumt von Krimi-Lesungen regionaler Autoren. Genau geplant ist das aber noch nicht. Ende der 1990er hatte die Interessengemeinschaft um die dreißig Mitglieder. An diese Zahl will IGEL auch jetzt wieder herankommen.