Thyssen-Krupp baut Technikum

Für einen „höheren zweistelligen Millionenbetrag“ soll auf dem Thyssen-Krupp-Gelände im Duisburger Norden ein Technikum gebaut werden, mit dem Thyssen-Krupp Steel zusammen mit einer ganzen Reihe namhafter Partner aus Industrie und Forschung Zukunftstechnologien entwickeln will. Im Mittelpunkt stehen die Nutzung von Kohlendioxid, aber auch die Speicherung von Öko-Strom ist ein Thema.

Mit im Boot sind Unternehmen aus der industriellen Oberklasse wie Evonik, BASF, Bayer, Eon, Linde oder Siemens sowie namhafte Forschungsinstitutionen wie Frauenhofer- und die Max-Planck-Gesellschaft. Auch Universitäten der Region sind eingebunden.

Das gesamte Vorhaben eines „cross-industriellen Netzwerks“ steht unter der Überschrift „Carbon2Chem“ und soll alle Schritte umfassen von der Erforschung wissenschaftlicher Grundlagen bis zur kommerziellen Realisierung. Ziel ist es, CO², das unter anderem bei der Stahlherstellung, aber auch in der Energieerzeugung oder der chemischen Industrie in großen Mengen anfällt, als Rohstoff zu nutzen. Thyssen-Krupp hat dabei vor allem die Nutzung der Prozessgase im Blickpunkt, die etwa bei Kokerei und Hochofen anfallen.

„Wir müssen eine Brücke schlagen zur chemischen Industrie“, erläuterte Dr. Herbert Eichelkraut, Vorstand Produktion bei Thyssen-Krupp Steel Europe, das ehrgeizige Gemeinschaftsprojekt. Prozessgase könnten in nennenswertem Maße Erdgas und Öl ersetzen: „Diese Wertschöpfungskette haben wir bisher außer Acht gelassen.“

Das intensive Nachdenken über die Nutzung von CO² geschieht vor dem Hintergrund europäischer und nationaler Klimaschutzpolitik, die unter anderem für Stahlindustrie mit erheblichen finanziellen Lasten verbunden sein könnte.

Der vor zehn Jahren eingeführte Emissionshandel könnte bei Thyssen-Krupp bis zum Jahr 2030 zu einer jährliche Belastung von 400 Mio Euro werden. Eine politisch diskutierte Klimaschutzabgabe wären mit weiteren bis zu 200 Mio Euro pro Jahr verbunden.

Eichelkraut: „Das macht die Profitabilität völlig zunichte.“ Und Investitionen wie die 200 Millionen Euro für eine Hochofen-Neuzustellung, wie kürzlich durchgeführt, würden zunehmend schwieriger. „Es geht ans Eingemachte“, macht sich Eichelkraut Sorgen um die Zukunft des Stahlunternehmens.