„The Dancer“ erobern die Tanzbühne

Die Gebäude der Bronkhorstschule in Meiderich sind verwaist. Die Schule ist schon lange aus, die Kinder sind bereits zu Hause. Dennoch schallt am frühen Nachmittag Musik aus der Sporthalle herüber. Und nicht irgendwelche Musik, sondern Schlager: Olaf Hennings „Cowboy und Indianer“. Das ist für eine Schule eher unüblich. Es sei denn, dort gastiert gerade der Närrische Stammtisch Duisburg mit seiner Tanzgarde „The Dancer“. Denn die übt dort ständig. Und schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die großen Auftritte bei den Karnevalsveranstaltungen auf Hochtouren.

Die Tanzgruppe „The Dancer“ ist eine noch junge. Erst im April 2014 hat sie sich gegründet. Hinter dem Projekt steckte die Grundidee, sich von anderen Tanzgruppen unterscheiden zu wollen. Initiatorin Vivien Braun Braun erklärt: „Wir wollten eine Tanzgruppe gründen, in der auch Kinder mit Behinderungen mitmachen können. Gerade bei Kindern mit einer geistigen Behinderung sind die motorischen Fähigkeiten stark eingeschränkt. Beim Erlernen von Choreographien und beim Tanzen werden diese aber trainiert und dadurch auch verfeinert“, weiß Braun aus eigener Erfahrung. Ihre Tochter leidet selber an einer geistigen Behinderung.

„Es ist uns aber auch ganz wichtig, dass die Kinder einfach nur Spaß zusammen haben. Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen. Wir brauchen für das Einüben eines Gardetanzes ein halbes Jahr, während andere Gardegruppen solch einen Tanz in acht Wochen beherrschen“, gibt Braun einen Ausblick auf die bevorstehende Trainingsarbeit mit den Kindern und ist danach sofort wieder dabei, mit ihnen die Showtänze zu proben. Arme und Beine fliegen dann durch die Luft – beim nächsten Auftritt in der Gesamtschule Meiderich soll es klappen. Drei Mal stand die Truppe schon erfolgreich auf der Bühne.

Lucia D’Avanzo ist seit der Gründung der Gruppe mit dabei. Sie gehört mit ihren 16 Jahren schon zu den ältesten Mitgliedern. Trotzdem macht es ihr sichtlich Spaß, mit den Kleineren zu tanzen. „Ich habe vorher schon in anderen Vereinen getanzt, allerdings ist es hier etwas ganz Besonderes, weil hier etwas für Kinder mit Behinderung getan wird“, erzählt Lucia, bevor sie für den Gardetanz wieder zurück in Reih und Glied geht.

So wird die Turnhalle abermals zur großen Bühne – und die Mädchen in ihren roten Trainingsanzügen geben noch einmal alles. Zu den instrumentalen Versionen von Pippi Langstrumpf und Pinocchio wird gehüpft und getanzt. Auch wenn es hier und da noch den einen oder anderen Fehler gibt, merkt man den Mädchen ihren Ehrgeiz an.

Ganz vorne mit dabei ist die achtjährige Leonie Manns. Sie hat das Tanzen für sich entdeckt. „Ich habe vorher noch nie getanzt und hier im Verein macht es einfach Spaß. Und die Kostüme sind auch ganz schön“, erzählt Leonie aufgeregt.