Technischer Defekt ließ Gichtgas im Duisburger Hüttenwerk entweichen

Der Unfall ereignete sich an Hochofen A der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann in Hüttenheim.
Der Unfall ereignete sich an Hochofen A der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann in Hüttenheim.
Foto: Hayrettin Özcan / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein technischer Defekt war laut Polizei Ursache des schwerwiegenden Unfalls im HKM-Werk. Dem Schwerverletzten geht es laut HKM wieder besser.

Duisburg.. Die wichtigste Nachricht vorweg: Dem Mitarbeiter einer Dienstleistungsfirma, der am Donnerstagvormittag beim Hochofen-Unfall bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann (HKM) eine Gichtgas-Vergiftung erlitten hatte, geht es besser.

Der Mann liegt zwar noch in der Aachener Spezialklinik, in die er direkt nach dem Vorfall per Rettungshubschrauber geflogen und anschließend in einer Druckkammer behandelt worden war. Sein Zustand habe sich laut den Ärzten aber deutlich gebessert. Das erklärte HKM-Sprecherin Karin Aust auf Anfrage.

Gichtgas war aus defekter Buchse ausgetreten, ermittelte die Kripo

Das Gichtgas war nach den bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei aus einer defekten Stoffbuchse ausgetreten, mit deren Hilfe am Hochofen ein Rohr abgedichtet wird. Wieso die Männer in voller Schutzbekleidung trotzdem in Kontakt mit dem Gas kommen konnten, ist hingegen immer noch ungeklärt. Die Ermittlungen dauern laut Polizei noch an. Es konnten bislang erst zwei der sechs verletzten Männer befragt werden.

Arbeitsunfall Am Tag danach war die Zeit für eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse: Die sechs Verletzten gehören zu zwei externen Dienstleistungsfirmen, die im Auftrag von HKM am Hochofen A beschäftigt waren – und zwar im so genannten Gicht-Bereich. Drei von ihnen waren dort mit Gerüstbauarbeiten beschäftigt, die anderen absolvierten Reinigungsarbeiten. „Ale haben nach bisherigem Kenntnisstand ihre CO-Filter und ihre Schutzausrüstung getragen“, berichtet Aust.

Die anderen Verletzten wurden alle aus der Klinik entlassen

Dennoch habe einer der sechs Männer plötzlich über Schwindel geklagt. Er kollabierte, war aber kurz darauf wieder ansprechbar und brach daraufhin gemeinsam mit den fünf anderen Kollegen die Arbeit ab. Sofort wurde die Werkfeuerwehr verständigt.

Auch der Werksarzt eilte nach der Alarmierung sofort an den Ort des Geschehens. Mit Hilfe eines Schnelltests ermittelte dieser sehr schnell, dass der kollabierte Arbeiter stark erhöhte Kohlenmonoxid (CO)-Werte im Blut aufwies. Alle sechs kamen ins Krankenhaus, der am schwersten Betroffene in die Spezialklinik. Die anderen fünf sind allesamt wieder zu Hause, sagte HKM-Sprecherin Aust.

Die Produktion am Hochofen lief normal weiter. In der nächsten Woche steht aber ein Stillstand des Hochofens an, wegen turnusmäßiger Reparaturarbeiten. Er wird dann drei bis vier Tage still stehen. Die Arbeiten der sechs Männer waren laut HKM Vorbereitungsmaßnahmen dafür. Ein Sachschaden ist bei diesem Zwischenfall nicht entstanden, so Sprecherin Aust.

Bei dem Unfall spricht man nicht von einem „Störfall“

Offiziell handelte es sich nicht um einen „Störfall“, sondern um ein „meldepflichtiges Ereignis“. Um als Störfall zu gelten, müssen mindestens sechs Mitarbeiter so schwer verletzt sein, dass sie mindestens 24 Stunden im Krankenhaus verbleiben müssen. Das war hier bei HKM nicht der Fall.

Viele Mitarbeiter von HKM, die von dem Unfall erfuhren, seien erschrocken und tief betroffen gewesen, schildert Sprecherin Karin Aust. „Wenn Personen zu Schaden kommen, ist das immer das Schlimmste.“ Informiert werden über den Unfall musste vor allem die Bezirksregierung Düsseldorf.