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Gerichtsurteil

Taxifahrer erhielt nach tödlichem Unfall Bewährungsstrafe

09.07.2012 | 18:51 Uhr
Taxifahrer erhielt nach tödlichem Unfall Bewährungsstrafe
Foto: Kurt Michelis WAZ / FotoPool

Duisburg. Ein 24-jähriger Taxifahrer war an einem Dezemberabend 2011 auf dem Weg zu einem Kunden in Ungelsheim. Auf der Mündelheimer Straße übersah er einen 56-jährigen Fußgänger, der gerade die Straße überquerte. Die Vollbremsung kam zu spät.

Der Mann wurde von der Stoßstange getroffen, auf die Motorhaube geschleudert, prallte mit dem Kopf gegen den Querholm der Windschutzscheibe. Der 56-Jährige starb noch am Unfallort. Ein Unfall, der vermeidbar gewesen wäre, so am Montag die Meinung der Richter des Amtsgerichts Stadtmitte.

Der 24-Jährige, der seit vier Jahren als Teilzeitkraft vor allem nachts Taxi fuhr, hatte keine Erklärung für den Unfall. „Es hat auf einmal einen Knall gegeben und der Mann lag da.“ Allerdings sei seine Aufmerksamkeit abgelenkt gewesen, so der Angeklagte. „An der Kreuzung unmittelbar davor hatte mir einer die Vorfahrt genommen und war einfach von rechts nach links durchgesaust.“ Deshalb habe er angestrengt in die Einmündungen geschaut. „Als ich wieder geradeaus sah, war es schon passiert.“

Taxi-Fahrer war zu schnell unterwegs

Was den Fall kompliziert zu machen schien: Möglicherweise hatte der Fußgänger zum Zeitpunkt des Unfalls nicht mehr recht gewusst, wo er war und was er tat. Der Mann hatte rund 1,3 Promille Alkohol im Blut. „Und er war so stark unterzuckert, dass er eventuell nicht mehr rational handelte und Orientierungsschwierigkeiten hatte“, so der Gerichtsmediziner. Für den Sachverständigen der Dekra machte das keinen großen Unterschied. „Die Strecke ist frei und gut überschaubar.“ Wäre der Angeklagte mit den vorgeschriebenen 50 Stundenkilometern unterwegs gewesen, hätte er das Opfer früh genug erkennen müssen und bremsen oder ausweichen können. Doch der 24-Jährige war mindestens mit 60, möglicherweise sogar mit bis zu 74 km/h unterwegs.

„Der Angeklagte hat seine Sorgfaltspflicht erheblich verletzt“, so die Staatsanwaltschaft. Falls die Geschichte mit der Vorfahrtsverletzung durch einen dritten Verkehrsteilnehmer stimme, so sei erst recht nicht nachvollziehbar, dass er nicht abgebremst habe. So sah es auch das Schöffengericht. Dafür, dass der Angeklagte kein Langsamfahrer sei, spreche sein gut gefülltes Punktekonto in Flensburg. Das Gericht verurteilte den bislang unbescholtenen 24-Jährigen zu sechs Monaten Haft mit Bewährung. Einen Führerschein darf er frühestens in zwei Jahren wieder beantragen. Und obendrein muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Bodo Malsch



Kommentare
11.07.2012
10:37
Taxifahrer erhielt nach tödlichem Unfall Bewährungsstrafe
von SarahOB | #4

Das Urteil scheint "normal" zu sein. Habe gerade noch einen Bericht in einem ähnlichen Fall hier gefunden:

http://www.derwesten.de/staedte/castrop-rauxel/toedlicher-unfall-taxifahrer-verurteilt-id4409084.html

Da gab es auch nur 6 Monate auf Bewährung. Einfach nur beschämend unsere Rechtsprechung.

11.07.2012
10:12
@Der Uliaus DU:
von SarahOB | #3

Also ich glaube kaum, dass man bei 3 Glas Bier auf einen Alkoholspiegel von 1,3 Promille kommt, es sei denn, man hat 3 halbe Liter getrunken. Und dann evtl. vorher noch was gegessen hat. Da scheinen Sie wohl etwas falsch informiert zu sein.
1,3 Promille ist schon ne Hausnummer.

Natürlich ist das Urteil ein Schlag ins Gesicht. Nicht nur für Freunde und Angehörige, sondern für alle, die noch an Recht und Ordnung glauben. Aber dazu habe ich mich ja auch schon geäußert.

10.07.2012
15:47
Taxifahrer erhielt nach tödlichem Unfall Bewährungsstrafe
von SarahOB | #2

Kann nur rschulz3 komplett zustimmen. Andere müssen wegen leichteren Delikten in den Knast. Auch wenn der Fußgänger eine Teilschuld hat, so spricht das andere für sich (schon hohes Punktekonto und wahrscheinlich auch dort zu schnell gefahren).
Von Rechtsprechung kann man in unserem Land nicht mehr reden. Und ich kann nur noch den Kopf schütteln......
Nur....... Was wäre, wenn es mal einen Anwalt, Richter etc. oder deren Verwandte trifft?

1 Antwort
Taxifahrer erhielt nach tödlichem Unfall Bewährungsstrafe
von DerUliausDU | #2-1

Eine Teilschuld des getöteten kann ich nicht sehen. Bei 1,3 Promille Blutalkohol (ca. 3 Glas Bier) ist man doch wohl noch in der Lage ganz normal zu laufen, außerdem kam er von einer Weihnachtsfeier, hatte dort gegessen. Unterzuckerung ? Und was heißt rational handeln bei einem Fußgänger ? Die Markierungen, die von der Polizei nach dem Unfall auf der Straße gemacht wurden, zeigten das der Taxifahrer von seiner Fahrspur abgewichen und über die Mitte hinaus in die Gegenspur geraten ist. Dort führ er den Fußgänger ungebremst an. Zudem waren auch die Ampeln um diese Uhrzeit dort bereits ausgeschaltet, was oftmals zu schnellerem Fahren verleitet...
Schuld hat doch wohl i m m e r der Autofahrer, man stelle sich einmal vor, es hätte sich hier um ein Kind gehandelt. Handeln Kinder etwa immer rational ?
Dieses Urteil halte ich für einen Schlag ins Gesicht für die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen.
Wir vermissen Dich Eckhard !

09.07.2012
21:12
Was haben wir in Deutschland
von rschulz3 | #1

für eine Rechtsprechung? Fahre jemand tot - Bewährung. Schände dein Kind - Bewährung. Trete jemand zusammen - Bewährung

Raub von 100€ (mit zufälligem Taschenmesser in der Tasche) - Hohe Gefängnisstrafe.
Steuerhinterziehung - Hohe Gefängnisstrafe (aber nur beim kleinen Mann!!)

Wir haben nicht mehr alle Tassen im Schrank, diese Gesetze und ihre Anwendung sind krank!

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