Tanzen im Dreivierteltakt

Wanheimerort..  „Rot, Rot, Rot sind die Rosen“: Leonore Ulrich hakt ihren Mann Hans-Hermann ein und zieht ihn auf die Tanzfläche – schließlich verwandelt sich das evangelische Beratungs- und Begegnungszentrum immer wieder samstags ins Café Dreivierteltakt. Heute ist es wieder soweit: Es wird geschwoft. Rund 45 Senioren, überwiegend Damen, treffen sich, um zu tanzen oder einfach nur Kaffee zu trinken und einen schönen Nachmittag zu verbringen. Frank Rohde, im Hauptberuf Küster der Gnadenkirche und des Gemeindehauses Vogelsangplatzes, heute aber als Alleinunterhalter engagiert, spielt bekannte Schlager auf seiner elektronischen Orgel.

Frauen in der Überzahl

Leonore Ulrich gerät ins Schwärmen. „Die Veranstaltung ist zwanglos. Jeder kann so sein, wie er will“, findet die 75-Jährige. Sie hat Glück: Hans-Hermann Ulrich ist zufällig leidenschaftlicher Tänzer. Im Café Dreivierteltakt hat das Paar die Möglichkeit, diese gemeinsame Leidenschaft auf der Tanzfläche auszuleben. Sie sind den Veranstaltern dankbar, denn mittlerweile gibt’s kaum noch öffentliche Tanzveranstaltungen für die ältere Generation. Frank Rohde und Veranstalterin wissen das – und haben meist volles Haus. „Ich such’ die Musik immer passend zum Anlass aus“, verrät Hobby-Musiker Rohde seine „Playlist“. Er hat allerlei tanzbare Titel im Repertoire. Und die meisten hält es sowieso nicht lange auf den Stühlen.

Aber wer kommt, ist nicht zum Schwofen verpflichtet: Die 80- jährige Ingeborg Kreutz schaut lieber zu. Da sie aktives Gemeindemitglied ist, besucht sie gerne Unterhaltungsprogramme ihrer Kirche. Dort fühle sich wie zu Hause, so die Seniorin. „Mir gefällt’s, auch wenn ich nicht tanze.“ Auch Adalbert Durka schaut sich lieber die tanzenden Pärchen an. Er ist zum ersten Mal beim Café Dreivierteltakt und begeistert. Um den männlichen Besucheranteil zu erhöhen, hat Maria Hönes den 78 - Jährigen beim Spieletreff der Gemeinde angesprochen. In Zukunft möchte er noch öfter kommen, „so lange bis ich 100 Jahre alt bin!“, verkündet er. Das wird die Damenwelt freuen. Lange hält es Adalbert Durka aber nicht durch, nur sitzen zu bleiben. Kaum stimmt Rohde den Schlager „Ein Stern“ an, packt ihnt doch die Lust zum Tanzen. Er fordert eine Besucherin auf, die ihn gerne auf das Parkett begleitet

Maria Hönes freut sich, wenn sie und viele weitere Ehrenamtler den Senioren eine Freude bereiten können. Besonders, wenn Menschen aus dem Altenheim kommen. Auch, wenn sich nicht alle Besucher aktiv mitbewegen können - bei bekannter Heimatmusik hakt sich jeder beim Nachbarn ein und schunkelt mit zur Melodie. Nicht nur im Dreivierteltakt.