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Ballett

Tanz als Gedicht

15.12.2011 | 17:32 Uhr
Tanz als Gedicht
Männliches Konkurrenzverhalten, von Martin Schläpfer übersetzt in Tanzsprache – Szene aus „Robert Schumann Tänze“.

Duisburg.In der zweiten Ausgabe des Ballett-Magazins der Rheinoper sagt Martin Schläpfer einen Satz, der den Zugang zum zeitgenössischen Tanz ebnet: „Für mich ist der Tanz – übertragen verstanden – eher Gedicht als Prosa, gehört nicht zum Genre Roman.“ Beim Ballettabend b.07, der am Mittwoch Duisburg-Premiere hatte, standen drei ganz unterschiedliche „Gedichte“ auf dem Programm.

Zum Auftakt „Compositie“ von Hans van Manen zu Klängen der Minimalisten John Adams und Morton Feldman. Der Niederländer, der zu den bedeutendsten Choreographen der Gegenwart gehört, hat mit seiner „Komposition“ 1994 Alltag und Abstraktion, Schlichtheit und Tiefe vereint. Vier Paare an zwei quadratischen Tischen – auch die Symmetrie ist perfekt.

Eine verstörend-surrealistische Szene

Doch jenseits dieser Äußerlichkeit fasziniert, wie van Manen alltägliche Posen wie das Aufstützen des Kopfes auf den Tisch mit Tanzkunst verbindet. Aus dem geschlossenen Kreis der Acht brechen schließlich eine Frau und ein Mann aus und finden, der Alltagskleidung zugunsten weißer Trikots entledigt, zu einer neuen Zweisamkeit. Es gibt einen Anfang – Ende offen.

Bei Regina van Berkels „Frozen Echo“ wird die weiße Bühne beherrscht von einer Licht-Skulptur: Dietmar Janeck hat 70 entkernte Computerbildschirme zu einer geschwungen-linearen Konstruktion zusammengebaut. Die Tänzer agieren ganz asymmetrisch; Einzelne und Gruppen bewegen sich zur eigens komponierten Musik von Theo Verbey in unzusammenhängenden Welten.

Zu viel Unterschiedliches passiert gleichzeitig, als dass man es erfassen könnte. Stark eine verstörend-surrealistische Szene mit einer Tänzerin in einem weißen Kleid und Tänzern, die sie auf Händen tragen und doch zu zerbrechen scheinen.

Choreographie überarbeitet

Schließlich taucht das Publikum ein in die lebhaft-festlichen Klänge von Robert Schumanns „Rheinischer“ Sinfonie, die die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Catherine Rückwardt mit großem Feuer musizieren. Martin Schläpfer hat seine Choreographie nach der Uraufführung in Düsseldorf für Duisburg überarbeitet und von allzu Eindeutigem befreit.

Aus Robert Schumann und Johannes Brahms werden ein allgemeingültiges Bild männlicher Konkurrenz, aus Claras Schwanken zwischen den beiden eine Frau zwischen zwei Männern. Und wie Schläpfer die Compagnie mal überbordende Freude, dann Festlichkeit (auf Spitzen) exakt zur Musik tanzen lässt, um dann durch eine „Gegenbewegung“ diese mächtige Musik leise befragt, das ist grandios.

Anne Horstmeier

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