Tanja Zhou verblüfft an der Geige

Sopranistin Nicole Car, die Duisburger Philharmoniker und Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi lernten sich bereits 2013 beim Wettbewerb „Neue Stimmen“ in Gütersloh kennen. Damals gewann die Sängerin den 1. Preis, das Orchester begleitete die Teilnehmer. Beim Neujahrskonzert im Theater am Marientor gab es die Gelegenheit, das künstlerische Miteinander zu vertiefen.

Die junge Sängerin stellte sich mit Arien aus ihrem breit gefächerten Repertoire vor: Mit „Come scoglio“ aus „Cosi fan tutte“ beginnt Nicole Car und nimmt das Publikum gleich gefangen. Die Koloraturen perlen leicht, den Verlauf der Arie gestaltet sie klug. Zudem überstrahlt sie das Orchester mühelos. In der Arie der Micaela aus „Carmen“ sowie „O mio babbino caro“ aus Puccinis „Giannis Schicchi“ zeigt sie ihre lyrischen Qualitäten, und ihre Stimme badet in den weit aufgeschwungen Melodiebögen. Die Cavatina und Cabaletta der Leonore aus Verdis „Il Trovatore“ würde man einem lyrischen Sopran eigentlich nicht zutrauen, doch Nicole Car entfaltet bei diesem dramatischen Stück ganz neue Energien und manch großen Effekt.

Bei den instrumentalen Werken zeigt Bellincampi, der auch durch das Programm führte, wie stark sein Herz für die Oper schlägt. Hier erklingen nämlich vor allem Ouvertüren und Zwischenspiele aus großen Opern, in denen auch die Schlagwerker starke Auftritte haben. In der „Wilhelm Tell“-Ouvertüre von Rossini formt Bellincampi die Cello-Eröffnung und die Hirtenweise der Holzbläser sehr schön aus, aber der Reitermarsch ist natürlich das Prunkstück, bei dem das gesamte Orchester auftrumpfen kann.

Am nachhaltigsten in Erinnerung wird wohl der Auftritt der 15-jährigen Tanja Zhou bleiben. Die Landfermann-Gymnasiastin hatte bereits im vergangenen Jahr mit dem Orchester der Universität das Klavier-Konzert von Grieg gespielt, nun reißt sie das Publikum an der Geige mit. Sie spielt das Rondo „La Campanella“ aus Niccolo Paganinis 2. Violinenkonzert und bewältigt die Anforderungen des virtuosen Stückes scheinbar mühelos. Die Zuhörer staunen über die technische Perfektion der jungen Künstlerin, bevor großer Jubel für sie ausbricht.

Vielleicht kann Tanja Zhou ja an die Erfolge eines Frank-Peter Zimmermann anknüpfen. Der ist Solist beim Philharmonischen Konzert am 7. und 8. Januar im TaM.