Surreales zwischen Skulpturen

„Der Mensch im Spannungsfeld rationaler und irrationaler Prozesse“ – so kündigte die Duisburger Literatur-Performerin Bettina Rutsch ihr neuestes Werk „Der Schlaf der Vernunft“ an. Am vergangenen Donnerstag feierte es bei der „Plastikbar“ des Lehmbruck-Museums Premiere.

Die Handlung des surrealen Tanztheaters ist nicht leicht wiederzugeben. Rutsch selbst sagt, dass jeder Zuschauer seine eigene Imagination benutzen sollte, um für sich einen persönlichen Sinn in die Aktivität auf der Bühne zu bringen. Und Raum für Interpretation gibt dieses Stück zur Genüge. Die ersten Minuten wirken sehr befremdlich auf die Zuschauer. Ein Mann fällt zu Boden, eine Frau zieht stark angestrengt eine andere weibliche Person in einer Schubkarre hinter sich her. Der amerikanische Klarinettist David Smeyers kommt hinzu und unterlegt die Aktionen mit Musik. Im Verlauf der Darbietung scheinen die Darsteller einen Kampf mit sich selbst zu führen. Sie versuchen Ziele zu erreichen oder sich in einer bestimmten Haltung zu positionieren und scheitern am Ende. Meistens, weil sie sich selbst im Weg stehen, oder eine andere Person sich dazwischen drängt.

Geschickt leuchten die Skulpturen des Museums während der Performance in warmen Farben auf und erzählen somit auch einen Teil der Geschichte. Neben den tänzerischen Elementen zitiert Rutsch auch ein Gedicht. „Im Augenblick der Gegenüberstellung“ des rumänischen Surrealisten Gellu Naum handelt von einem dahergelaufenen Hund, der zur Gefahr wird. Für einige der Zuschauer ordnet sich dies gut in das Stück ein. „Es hat gezeigt, dass nicht nur Tiere, sondern auch Menschen falsch eingeschätzt werden. Ob man sich selbst den Weg versperrt oder nur eine Marionette der anderen ist. Oft ist nichts, wie es scheint“, erläutert eine Zuschauerin.

Auch die Musik der Bonner Komponisten Michael Denhoff habe seinen Beitrag zu der Stimmung geleistet. Die Meinungen der Gäste an diesem Abend reichen von „interessant“, über „andersartig“ bis hin zu „außerordentlich“. Doch in einem waren sich alle sicher: Die drei Performer überzeugten mit einer niveauvollen Eleganz und einer anmutigen Körperspannung, die zu einer künstlerischen Inspiration zusammenflossen.