Wenn ein Baby in die Familie kommt

Huckingen..  Zum Glück sind es ja nur Puppen. Klein-Paul übt gerade, wie man ein Baby wickelt. Er zwängt die Puppenfüße in die Windel hinein und verwechselt dabei Vorder- mit Rückseite der Pampas. Paul übt sozusagen fürs Leben. Denn bald wird der kleine Bruder geboren. In der Geschwisterschule des Malteser Krankenhauses St. Anna bekommt der Dreijährige einen Einblick darüber, wie man mit einem Baby umgeht.

Stefanie Both, Kinderkrankenschwester auf der Entbindungsstation, zeigt den künftigen Geschwistern, wie man ein Neugeborenes auf den Arm nimmt, es badet, füttert und wickelt. „Es ist wichtig, die größeren Geschwister einzubeziehen“, sagt Schwester Stefanie.

Denn für die „Großen“ beginnt spätestens mit dem Geburt des Babys eine schwere Zeit. Sie werden sozusagen entthront. Bisher standen sie im Mittelpunkt und jetzt dreht sich plötzlich alles um das Neugeborene. Dabei geraten die älteren Geschwister leicht ins Abseits.

Pauls Eltern haben schon vorgearbeitet. Der kleine Junge erzählt stolz, dass er bald der Große sein wird. Der Geschwisterkurs soll ihn in dieser Rolle bestärken. „Die Kinder sollen die neue Rolle annehmen können und nicht einfach hineingedrängt werden“, so Stefanie Both.

Wickeln, baden und füttern

Je nach Alter der Kinder erklärt sie, wie ein Baby im Mutterleib heranwächst und wie es geboren wird. Die Kinder, die diesmal die Geschwisterschule besuchen, sind allesamt erst drei Jahre alt. Zu jung, um ins Detail zu gehen. Also erzählt die Kinderkrankenschwester, dass die Mutter irgendwann ganz arge Bauchschmerzen bekommt und dass dies ein sicheres Anzeichen dafür sei, dass das Baby bald zur Welt komme.

Jonas, der im Juni vier Jahre alt wird, freut sich schon riesig auf seinen Bruder. Dessen Namen - Finn - durfte er aussuchen. Jonas hofft, dass Finn möglichst bald mit ihm Fußball spielt. Stefanie Both, die die Geschwisterkurse seit nunmehr acht Jahren leitet, bereitet ihn einfühlsam darauf vor, dass es bis dahin noch etwas dauern wird.

Der Kurs findet regelmäßig einmal im Monat statt, jeweils für rund ein bis zwei Stunden. Hier bekommen die Geschwisterkinder mit, wie man mit einem Baby umgeht. Dass man unbedingt den kleinen Kopf stützen muss und den Bruder oder die Schwester nicht kopfüber anpacken sollte wie die Puppe.

Auch das Wickeln wird geübt, auch wenn dies in der Praxis wohl die Eltern übernehmen werden. „Aber so bekommen die Kinder ein Gefühl dafür, dass Babypflege zeitaufwendig ist. Und vielleicht erkennen sie, dass es kein Liebesentzug ist, wenn sie ihre Mutter deshalb gelegentlich entbehren müssen.“

Die Kinder besichtigen auch den Kreißsaal, allerdings nur, wenn keine Geburt im Gange ist. „Wir wollen sie ja nicht verängstigen“, so Stefanie Both.