Wedauer beenden Gespräche mit der Stadt über Denkmalauflagen

Die Gartenstadt-Siedlung Wedau ist Denkmalbereich.
Die Gartenstadt-Siedlung Wedau ist Denkmalbereich.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Die Bürgerinitiative versuchte vergeblich, die Denkmalauflagen zu lockern. Jetzt hat sie den Dialog mit der Stadtverwaltung für gescheitert erklärt.

Duisburg.. Ein Jahr lang haben zehn Wedauer mit der Stadt über den Denkmalschutz verhandelt. Jetzt geben sie den ihnen von den Nachbarn erteilten Auftrag zurück. „Die Gespräche sind gescheitert“, sagt Ulrike Gaida-von Pigage.

Die Wogen in beschaulichen Ortsteil schlugen hoch im Mai 2014. Es war wenige Tage vor den Kommunalwahlen. In einer hitzigen Versammlung im Saalbau reagierten viele Hauseigentümer ih­ren Zorn über die Stadtverwaltung ab. Es ging um den Denkmalschutz. Die historische Gartenstadt ist Denkmalbereich. Nicht jedes einzelne Haus steht damit unter Denkmalschutz. Nur das äußere Erscheinungsbild der Siedlung ist geschützt, soll so erhalten bleiben.

Aber die versammelten Hauseigentümer fühlten sich von Mitarbeitern der Stadt drangsaliert. Sie sahen sich auch der kleinsten Entscheidungsfreiheit beraubt, wie sie Vorgärten und Gärten gestalten dürfen. Da wurde für die Frage Rindenmulch oder Mutterboden das Verwaltungsgericht angerufen.

Vorträge statt Diskussionen

SPD-Ratsherr Dieter Lieske gelang es damals, die Bürger zu beruhigen. Er vermittelte ihnen Gespräche mit den Verantwortlichen bei der Stadt. Aber nach einem Jahr war das Bemühen aus Sicht von Ulrike Gaida-von Pigage vergeblich.

Zwei große Workshops mit über 20 Teilnehmern habe es nach ei­nem Vorgespräch mit Beigeordnetem Carsten Tum gegeben, im Sommer und im November 2014. Man sei dabei langwierig über das Denkmalschutzrecht belehrt worden, ebenso über die kulturgeschichtliche Bedeutung der Siedlung.

„Eigentlich sollten die Gespräche 2015 fortgeführt werden“, sagt Ulrike Gaida. „Aber die Stadt ist uns keinen Millimeter entgegengekommen.“ So aber habe sie darin keinen Sinn mehr gesehen. Festlegungen auf eine bestimmte Höhe der Hecken, eine Obergrenze des Terrassenanteils am Garten oder auf bestimmte Grautöne für Pflastersteine, die wollten sie für ihre Nachbarn nicht eingehen.

Liberalere Denkmalfibel für die Siedlung Bergmannsplatz

„Im Kern gehe es darum, noch über die Festlegungen in der Denkmalfibel hinauszugehen“, sagt Horst Gaida, der Ehemann. Diese Fibel enthält genaue Vorgaben für Häuser und Gärten. „Wir wären dafür von den Wedauern an den Pranger gestellt worden.“

Dabei wissen die Gaidas und ihre Mitstreiter inzwischen, dass es auch liberaler zugehen kann. Burkhard Rieche zeigt auf die Denkmalfibel zur Siedlung Bergmannsplatz in Hamborn: „Für die Gestaltung der Gärten werden keinerlei Vorgaben gemacht“, zitiert er. Jedenfalls sei man mit dem Kompromissvorschlag gescheitert, sich bei den Vorgärten und der Gestaltung der Häuser den Vorgaben der Stadt zu beugen, wenn man im Ge­genzug wenigstens in den hinteren Gärten freie Hand behält.

Bürger befürchten weitere Auflagen

Ulrike Gaida-von Pigage und ihre Mitstreiter haben sich inzwischen in das Thema Denkmalschutz eingearbeitet. Dabei stießen sie etliche Merkwürdigkeiten.

„Die Stadt überinterpretiert die rechtlichen Möglichkeiten“, sagt Hans-Peter Ostermeier. Ausgangspunkt für den Erhalt des Ist-Zustandes sei das Jahr 1999, als die Satzung über den Denkmalbereich erlassen wurde. Tatsächlich werde aber teilweise der Ist-Zustand der 1920er Jahre angestrebt, dann wieder sei man auch mit der Gestaltung in den 1960er Jahren zufrieden, bei den Fenstern etwa.

Auch gebe es keine historische Berechtigung, rote Dachziegel und einen farblich abgestuften Anstrich beim Putz zu verlangen. „Das ist reine Willkür“, sagt Burkhard Rieche. Ursprünglich habe es diese Mehrfarbigkeit nicht gegeben.

Anwohner: Behörde hat Fotos als Beweise gesammelt

Auch werde gegen den Grundsatz verstoßen, die Einschränkungen für die Eigentümer so gering wie möglich zu halten“, sagt Hans-Peter Ostermeier. Und Ulrike Gaida-von Pigage schwant schon die nächste Eskalation. „Die Ansage war eindeutig: ,Wir nehmen uns jetzt die Hausgärten vor.’“ Das zurückliegende Jahr des Burgfriedens habe die Behörde eifrig dazu genutzt, um Fotos als Beweise gegen die Bürger zu sammeln. „Da wurden sogar unberechtigt Gärten betreten“, sagt Horst Gaida. Hans-Peter Ostermeier: „Sie stehen uns nicht beratend zur Seite, wie es sein sollte, sondern diktatorisch.“

Leider habe das Verwaltungsgericht Düsseldorf bislang aber ausnahmslos ge­gen die Nachbarn entschieden. In zweiter Instanz aber gebe es Anwaltszwang. 1000 Euro Anwaltskosten für einen Lamellenzaun, das rechne sich aber nicht. Burkhard Rieche. „Da wird das Vertrauen in den Rechtsstaat erschüttert.“