Walter Riester steht zu seiner Rente
01.02.2012 | 16:21 Uhr 2012-02-01T16:21:00+0100
Duisburg.Walter Riester warnt vor Altersarmut, vor den Folgen der tiefgreifenden Veränderungen im Arbeits- und Entlohnungssystem für die Rentenansprüche der heute Beschäftigten. „Viele Menschen waren oder sind länger oder kurzfristig arbeitslos. Heute gibt es mehr als sieben Millionen Mini-Jobber auf dem Arbeitsmarkt, davon rund drei Millionen, die ausschließlich in Mini-Jobs arbeiten“, so der frühere Bundesarbeitsminister, der vor rund 100 Studenten und Lehrenden der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, Fachbereich Rentenversicherung, in Großenbaum sprach. Auch die Teilzeitarbeit habe sich mehr als verdoppelt.
„Der Niedriglohnbereich ufert zunehmend aus. Fast drei Millionen Frauen sind alleinerziehend. 1, 4 Mio. Menschen bekommen Aufstockungsbeträge aus der Grundsicherung, weil sie trotz Erwerbsarbeit zu wenig verdienen“, listete der Sozialdemokrat und IG-Metaller (68) weiter auf. „Diese Menschen zahlen kaum in die Rentenversicherung ein. Darin sehe ich die große Herausforderung der Zukunft für all diese Menschen.“ Die Höhe der eingezahlten Beiträge, nicht das Rentenversicherungssystem entscheide darüber, wer im Alter arm oder nicht werde. Riesters Kritik: „Diesen Fakten wird in der aktuellen Politik zu wenig Beachtung geschenkt.“ Um diesen Trend zu stoppen, habe er als SPD-Abgeordneter im Bundestag dem gesetzlichen Mindestlohn zugestimmt.
Rentenbezugsdauer verdoppelt
Erfreulich sei dagegen, dass sich die Bezugsdauer der Rente wegen der höheren Lebenserwartung in den vergangenen 55 Jahre deutlich erhöht, ja verdoppelt habe: „1957 betrug die Bezugsdauer im Durchschnitt 9,9 Jahre, 2012 18,5 Jahre, in naher Zukunft rund 20 Jahre.“ Außerdem gingen heute – anders als früher - viele Beschäftigte vorgezogen in den Ruhestand. Das sei für die Rentenpolitik genauso eine „Riesenherausforderung“ wie die Tatsache, dass sich der Anspruch an den Lebensstandard seit Ende der 50er Jahre deutlich erhöht habe. „Damals nahmen die Leute nach zwei Inflationen und Weltkriegen, nach Erwerbslücken und beitragsfreien Zeiten Abschläge hin. Heute wollen sie ihren Lebensstandard halten, den sie sich erarbeitet haben.“ Das Niveau der Standardrente sei von 55 (1970) auf 51,6 Prozent (2012) gesunken.
„Als Minister habe ich diese drei Herausforderungen gesehen und gehandelt“, so Riester. „Ich entschied mich dafür, eine zusätzliche Möglichkeit des Vorsorgesparens zu entwickeln.“ Zehn Jahre nach ihrer Einführung hat sich die so genannte Riesterrente mit rund 15 Millionen abgeschlossenen Versicherungsverträgen und rund 37 Milliarden Euro Beitragseinzahlungen insgesamt zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Namensgeber Riester ging in Großenbaum auch auf die Kritik an der Riester-Rente ein. Er räumte ein, dass einzelne Anbieter mit der Riester-Rente „Schindluder“ getrieben hätten.
"Es gibt auch schlechte Riester-Produkte"
„Es gibt auch schlechte Riester-Produkte.“ Außerdem habe die die Einrichtung einer zentralen Stelle für die Bewilligung der staatlichen Zuschüsse oft zu „schwierigen Verfahrensabläufen geführt.“ Zwar müssten die Arbeitnehmer die Beiträge zur Riester-Rente alleine bezahlen: Riester verwies aber auf staatliche Zuschüsse und Steuererleichterungen. Insgesamt habe es in der Rentenversicherung – anders als in der Pflege- und Krankenversicherung - keinen Ausstieg aus dem paritätisch finanzierten Sozialsystem gegeben.
Ferner habe er als Minister die Riester-Rente gerne obligatorisch, nicht freiwillig für die Bundesbürger einführen wollen. Schließlich habe die Regierung Schröder dem Druck einzelner Medien nachgegeben, die vorschnell von einer „Zwangsrente“ geschrieben hatten. Riester kritisierte in diesem Zusammenhang auch mehrere Fernseh-Berichte der ARD (u.a. Monitor), die „die Bürger zusätzlich verunsichert haben.“ Der frühere Arbeitsminister verteidigte die „Rente mit 67“: „Es handelt sich nicht um eine Verkürzung der Rentenbezugsdauer. In Wirklichkeit wird sich die Bezugsdauer bis 2028 um einen Monat pro Jahr verlängern“, rechnete Riester vor.
18:55
Es ist klar daß er zu seiner Rennte steht.Sie ist ja auch um ein vielfaches höher.als die Durchschnittsrente.
10:10
Ein Handwerker der 10-13 Euro Stundenlohn erhält,keine Möglichkeit zur Aufstockung hat weil er zuviel verdient und nach Abzug seiner Unkosten 5 Euro mehr hat, als ein Hartz4 Empfänger,frage ich mich wirklich,was soll er denn bitte für seine Rente sparen und vor allem wo von denn?
Wenn er "Glück" hat ,hat er keine Schulden und ganz wichtig keine Kinder.Denn die kann man mit dem Geld nicht finanzieren.So schafft sich der Deutsche dann auch praktischer weise auch noch mit ab!
In Deutschland wird man mir seiner Hände arbeit leider nichts mehr.Das war früher mal ganz anders.Heute bekommt man noch einen Knüppel zwischen die Beine geworfen!
Hier wird doch nur Angst betrieben und ein Geschäftsmodell verfolgt!
Eines müssen wir lernen.Umdenken!!!
Sich heute von dem kleinen Geld soviel wie möglich Werterhaltenes anschaffen und im Alter Hartz4.
Anders klappt es nicht! Traurig aber wahr! Fragen Sie mal ihren Handwerker in der Nachbarschaft!
...erleichtert die Rechtsfindung. In § 11b Abs. 1 Nr. 4 SGB II steht im allerschönsten Juristendeutsch, dass bei "Aufstockern" (also Menschen, die trotz Arbeit ihren Hilfebedarf nicht decken können), die Beiträge zur Riester-Rente nicht als Einkommen zählen. Auf gut Deutsch: Das Jobcenter bezahlt bei Aufstockern die Riester-Rente, wenn sie einen Vertrag abschließen bzw. abgeschlossen haben (weiß kaum einer, ist aber so)!
Personen die Alg II beziehen und nicht arbeiten, müssen lediglich 5 EUR im Monat für die Riester-Rente sparen.
Das Argument "dafür habe ich kein Geld", zieht aber nicht. Sparen ist Konsumverzicht! Je geringer das Einkommen, desto schwerer fällt die Rücklage für das Alter. Da, wo man gerade einen Euro mehr verdient und somit keinen Anspruch auf Alg II hat, mag das besonders bitter sein. Aber durch alle Gesetze ziehen sich Grenzen und Freibeträge, die mal eben gut oder schlecht für einen sein können.
Vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Entgeltes für die Riester-Rente aufzuwenden, ist schon eine Hausnummer. Der "Skandal" ist, dass die Bürger mit der Entscheidung, welcher Riester-Rentenvertrag nur für sie der Richtige ist, allein gelassen sind (oder sich zumindest so fühlen). Ein Abo von "FinanzTest" oder der Besuch der VHS-Kurse "Altersvorsorge macht Schule" mag ein Anfang sein, sich selbst ein Bild vom Leben im Alter zu machen (auch wenn es zugegebenermaßen Fragen gibt, die einem spannender erscheinen). Sich hier allein auf Vater Staat und seine umlagefinanzierte Rentenversicherung zu verlassen, ist zu kurz gedacht. Ja, die gesetzliche Rentenversicherung ist gut und sicher. Ich finde sie toll!!! - Es schadet aber eben auch nicht, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Das schwedische Modell, wonach eine private Absicherung aufzubauen ist und im Zweifel der staatliche Fonds zu besparen ist, wenn man sich nicht anders entscheidet, scheint mir der richtige Schritt in die richtige Richtung zu sein.
Ich selbst habe keine Riester-Rente. Ich setze auf die selbst genutzte Immobilie im Alter. Diese Erkenntnis ist mir aber auch nicht über Nacht gekommen. Man muss sich halt SELBST mit der Finanzmaterie beschäftigen. Versicherungsvertreter und Bankmitarbeiter, zumeist provisionsgesteuert, sind nicht immer der "gute" Freund an meiner Seite.
Wo ich Ihnen voll und ganz zustimme, ist die Frage der Lohngerechtigkeit. Gerade kleine Handwerker (und das bei ihnen beschäftigte Personal) verhungern am ausgestreckten Arm, wenn Kunden meinen, ihre Rechnungen nicht pünktlich oder überhaupt zahlen zu müssen. Auch die Frage des gerechten Lohns bleibt spannend. Wenn es immer noch Berufe gibt, mit denen man selbst nach 45 Jahren harter Arbeit nicht über die Grundsicherung im Alter hinaus kommt, dann läuft etwas schief. Der gesetzliche Mindestlohn könnte hier ein Ausweg sein. Warum soll die gesetzliche Rentenversicherung immer alles korrigieren, was ein Arbeitsleben lang schief gelaufen ist?
Die Frage eines auskömmlichen Lebens im Alter wird im Zweifel schon mit der Berufswahl entschieden.
23:25
mal das ARD-Feature "Das Riester-Dilemma" ansehen. Aber er ist unverbesserlich, dieser schändliche Lobbyist.
Riester ist natürlich keine Lösung.
Riester betreibt Irreführung:
"Die Höhe der eingezahlten Beiträge, nicht das Rentenversicherungssystem entscheide darüber, wer im Alter arm oder nicht werde. Riesters Kritik: „Diesen Fakten wird in der aktuellen Politik zu wenig Beachtung geschenkt."
Was für ein Dämlack! Die Höhe der eingezahlten Beträge in alle Versicherungssysteme entscheiden darüber, wer im Alter arm oder nicht werde.
Ganz sicher aber werden die privaten Versicherungssysteme und deren AKTIONÄRE reicher.
Darum geht es und um nichts anderes.
Was für ein Blödsinn! Ein privates Versicherungssystem ist IMMER teuerer als die gesetzliche Rentenversicherung.
Schickt diesen Arbeitnehmerverräter in die Wüste.
Ich empfehle Ihnen nicht nur das "Riester-Dilemma", sondern auch "Rentenangst" und auch den Monitorbericht von 2008 (alle bei YouTube zu finden). Auch die NachDenkseiten.de von Albrecht Müller werden ihre Auffassung bestätigen.
Man kann sicherlich in Sachen Riester-Rente geteilter Meinung sein. Beschimpfungen sind menschlich nachvollziehbar, bringen uns aber im Kern nicht weiter.
Ich empfehle Ihnen am Dienstag, 7. Februar um 21:45 Uhr "Menschen bei Maischberger" zu schauen. Dort treffen Dr. Norbert Blüm und Walter Riester auf einander. Das wird spannend.
Interviews mit Walter Riester finden Sie auch auf Rentenfernsehen.de. Gerade das Interview mit ihm vom September 2011 ist - mit Verweis auf Datenquellen - ist nicht ganz uninteressant.
21:06
Ich hoffe, dass auch kritische Fragen zugelassen wurden.
Natürlich befürwortet er die Rente mit 67. Das tut der Vorsitzende der Allianz, Herr Dieckmann, auch. Bringt ja Geld in die Versicherungsbranche.
Hoffentlich hat Herr Riester dafür bezahlen müssen, dass er überhaupt dort seinen Vortrag halten durfte.
1. Es wurde keine Fragen gefiltert. Es wurden allen Fragen zugelassen und auch von Herrn Riester beantwortet.
2. Die "Rente mit 67" hat nichts, aber auch gar nichts mit der Allianz oder anderen Versicherungsunternehmen zu tun. Die Rente mit 67 wurde auf drängen der CDU in Zeiten der großen Koalition unter Franz Müntefering eingeführt. Sie ist Antwort auf eine immer längere Lebenserwartung. Alle Parteien (außer DIE LINKE) halten sie für im Kern richtig. Nur bei der Ausgestaltung gibt es unterschiedliche Diskussionsansätze.
3. Herr Riester hat für seinen Vortrag kein Honrar erhalten und hat seine Fahr-und Übernachtungskosten aus eigener Tasche bezahlt.
Als Studierender, welcher den Besuch von Herrn Riester begleitet hat, kann ich den Ausführungen meines Vorschreibers nur zustimmen.
Herr Riester hat sich sämtlichen kritischen Fragen gestellt sowie keine aufkommende Frage unbeantwortet gelassen. Weiterhin gab es keine Frage, auf wessen Kern er in seinen Ausführungen nicht eingegangen ist.
Die Ausführungen bezüglich des Renteneintrittsalters von 67 sind auch in diesem Zeitungsartikel sehr gut erläutert und, wie bereits erwähnt, wird diese Meinung von fast allen, im Bundestag vertretenen Parteien, unterstützt.
Weiterhin möchte ich erwähnen, dass Ihnen die Möglichkeit offen stand an dieser Veranstaltung teilzunehmen, sowie Kritische Fragen zu stellen.