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Kommunalpolitik

Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad

05.06.2012 | 19:36 Uhr
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
Machten sich 2009 für das „XXL“-Bad stark: OB-Kandidat Jürgen C. Brandt (SPD) und Dietmar Eliaß (r.). Im Hintergrund Heinrich Brinkhus (l, Architekt) und Sven Pirdzun (XXL). Foto: Paul Schulte

Hüttenheim. 14 Tage vor der OB-Wahl scheint es plötzlich zum Wahlkampf-Thema zu werden, das „XXL-Bad“ Am Förkelsgraben, dessen Planung seit über einem Jahr auf Eis liegt.

Damals hatten die Geldgeber von Investor Sven Pirdzun eine zusätzliche bürg­schaftsähnliche Sicherheit von der Stadt für den Bau des Bades gefordert. Bis dahin sah das Konzept so aus, dass sich die Stadt dauerhaft dort mit dem Schul- und Bürgerschwimmen einmieten sollte, als ­finanzieller Grundstock für den ­Betrieb des Bades sozusagen. Alle weiteren Kosten und Risiken sollte der private Betreiber des „XXL“-Sportcenters übernehmen.

Der Gewährung dieser Sicherheit schob die Kommunalaufsicht in Düsseldorf einen Riegel vor. Vom ersten Spatenstich an, kritisierte sie, hätte die Stadt das volle Risiko für Bau und Betrieb, wenn der Investor Insolvenz machen würde. Allerdings hätte der Arm der Kommunalaufsicht nicht bis in städtische Unternehmen gereicht. Und so war anfangs an die Gebag als Bürge gedacht worden, nach deren Malheur am Innenhafen dann an die Duisburger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft (DVV), das gemeinsame Dach von Stadtwerken und Duisburger Verkehrs-Gesellschaft (DVG). Vor etwa einem Jahr berichteten wir, der damalige OB Adolf Sauerland habe der Bezirksregierung die Absicht mitgeteilt, die DVV in das Projekt einzubinden.

Im DVV-Aufsichtsrat, dessen Vor­sitzender Sauerland war, ist das aber offenbar nie beraten worden. Erst im März stand das Thema dort auf der Tagesordnung - und wurde abgesetzt. Das nahm der Oberbürgermeister-Kandidat der CDU, Benno Lensdorf, jetzt bei einem Auftritt in Serm zum Anlass, die SPD anzugreifen. „Es ist bedauerlich“, erklärte er dort, dass der gute Plan der CDU, ein XXL-Bad zu bauen, im Aufsichtsrat der DVV plötzlich zurückgezogen wurde. Denn die SPD und die Ar­beitnehmervertreter lehnten dort das Projekt ab“, erklärte er und vermutete ein Wahlkampfmanöver des politischen Gegners: „SPD und Gewerkschaftsvertreter wollten dieses populäre Thema, dieses Ass, vor der Oberbürgermeister-Wahl nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.“

Das sei umso verwunderlicher, weil „der Plan für das XXL-Bad bis dahin eigentlich schon von allen abgenickt wurde“, so Lensdorf. Sein Vorwurf: „So kann man mit Investoren nicht umgehen, die viel Geld in die Hand genommen haben, auch um bautechnische Expertisen anfertigen zu lassen.“ Man könne das Projekt nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben“ mahnte Lensdorf. „Mit einem solchen Verhalten macht sich die Stadt Duisburg unglaubwürdig. Wir sind darauf angewiesen, als verlässlicher Gesprächspartner in der Wirtschaft zu dem Bauprojekt zu stehen.“

Im Arbeitnehmer-Lager des Aufsichtsrates der DVV – sie stellen die Hälfte der Mitglieder – war jetzt zu erfahren, man habe der Stadt mit der Absetzung noch einmal Gelegenheit geben wollen, aktuelle Zahlen vorzulegen. Denn die Angaben für die Kosten einer Sanierung eines der beiden Altbäder schwanken zwischen drei und zehn Mio Euro. Bei der DVV schließt man nicht aus, eines Tages auch damit noch konfrontiert zu werden.

Innerhalb der SPD gibt es Unstimmigkeiten in Sachen „XXL“­- Bad. Bezirksbürgermeister Dietmar Eliaß hatte den Bau des Bades vor der letzten Kommunalwahl auf seine Fahnen geschrieben. Hartmut Ploum, neuer Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion, kritisierte jetzt öffentlich, dass die SPD-Ratsfraktion von der Unterstützung des Projekts abgerückt ist. Das wiederum befremdet deren Fraktionschef Herbert Mettler. Am 23. Mai hatte sich der Ar­beitskreis Sport der Ratsfraktion mit dem Haushalts-Sanierungspaket befasst. Darin spielt das „XXL“-Bad keine Rolle, wohl aber städtische Bäder.

Der Ar­beitskreis war einstimmig, berichtet Mettler, einem Vorschlag des Stadtsportbundes zu Einsparungen gefolgt, in deren Folge das „XXL“-Projekt nicht weiter verfolgt und stattdessen eines der Altbäder ab 2017 saniert werden soll. „In dieser Sitzung waren Dietmar Eliaß und Hartmut Ploum anwesend“, so Mettler. Und als zwei Tage später die Ratsfraktion sich diesem Votum ih­res Arbeitskreises anschloss, habe auch kein Vertreter aus dem Süden dagegen gestimmt.

Die Kommunalaufsicht hatte ihr Nein zu der von Banken geforderten bürgschaftsähnlichen Garantie damit begründet, im Falle einer Insolvenz des Investors würde sich die jährliche Belastung für die Stadt im Vergleich zu den Mietausgaben für Schul- und Bürgerschwimmen auf etwa 1,2 Mio € verdoppeln. Im Vergleich dazu wären Sanierung und Betrieb eines der beiden Altbäder im Süden, „Wanheim“ in Buchholz und Großenbaum, wirtschaftlicher.

Die Stadt darf angesichts ihrer desolaten Haushaltslage nur noch gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtungen eingehen. Ein Spaßbad gehört nicht dazu. Das Schulschwimmen muss sie dagegen sicherstellen.

Herbert Mettler, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, wollte jetzt zu den Vorwürfen Lensdorfs nicht Stellung nehmen. Sie seien zu abwegig. Die Dinge stellten sich viel komplizierter dar. Die Stadt geht bislang offiziell vom Bau des „XXL“-Bades aus. So sind in den nächsten Jahren Abbruchkosten für beide Altbäder in Höhe von je 300 000 € eingeplant. Demgegenüber entstünden Grundstücks-Verkaufserlöse.

Martin Kleinwächter

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Kommentare
14.06.2012
13:06
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
von tom009 | #5

hätte krings nicht vor jahrzehnten diesen blödsinn veranstalltet jedem stadtteil sein schwimmbad und das hallenbad süd ersatzlos abgerissen und stattdessen ein modernes bad gebaut bräuchten sich diese spd pfeiffen jetzt nicht so lächerlich machen.

denn welches stadtteilschwimmbad ist denn heute noch im regelbetrieb.

das wahnheimer bad steht ja nur noch schwimmvereinsmitgliedern offen
das großenbaumer bad ist doch glaube ich seit jahren geschlossen
das bad an der heerstr wurde ja wegen des tam-parkhauses abgerissen.

und das alles zum wohle des duisburger bürgers.

diese spd sollte man in die wüste schicken.

13.06.2012
13:57
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
von hercules150 | #4

Hat Greulich nicht erst versprochen, wenn im Norden das FOC kommt und der Botanische Garten geschloßen ist bekommt der Süden sein XXL Schwimmbad?
Ich meine solche Sätze vor einiger Zeit in der WAZ gelesen zu haben. Was ich als Nord-
Bürger doch sehr seltsam fand.

08.06.2012
23:52
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
von Joe_Shortbone | #3

Auf dem Bild lächelt uns Geschichte und Geschichten an:
Stände in Duisburg im Wahlkampf ein Schneemann, mit roter Farbe lackiert, an der Straßenecke würde der den noch mit 60% gewählt. Jeder beschwert sich ständig über Politik und Politiker, am Wahltag ist die Kritik aber imme vergessen.
Daher grinsen der ehemalige selbsternannte Stadtbaurat und der aktuelle Bezirksbürgermeister auch so nett ohne, bezogen auf das XXL-Bad, selbst etwas für den Bürger, den Investor und die Stadt getan zu haben bzw. zu tun. Inzwischen streitet die SPD ja schon intern und redet das Bad kaputt. Ganz auf Linie des SPD-Kämmerers, der auch noch die Bäder in Rheinhausen und Homberg schließen will. Soll Duisburg doch ohne Bad auskommen, gibt schließlich welche in den Nachbarstädten, und entweder hat man Geld oder man hat Zeit (als Hartz-IV`ler) und kann da hin fahren.

08.06.2012
09:48
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
von GutesGewissen | #2

Insolvenz! Der Bauherr hat ein gutgehendes udn boomendes Freizeitzentrum hier im Duisburger Süden errichtet, mit dem er im Leben nicht insolvent gehen wird! Ich empfehle ihm, eine Bank zu suchen, die sein Projekt zu 100 Prozent finanziert! Die Stadt verkauf ihm das Grundstück! Da wird sich Frau Reg Präs freuen. Aber dann auch das Bad zu seinen Konditionen betreiben und nicht gefühlsduselige und sozialistische Eintrittspreise fordern! Die Politik im Duisburger Süden nehme ich schon lange nicht mehr für voll! Die alten Planschbecken im Süden zu reaktivieren ist ein Hirnriss voll und ganz! Da soll ein Vorzeigebad entstehen und es werden Millionen in Schrotthaufen investiert!

1 Antwort
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
von NorbertSchulz | #2-1

Es sind schon ganz andere in die Insolvenz geschlittert. Warum baut er den nicht ohne die Zusage zum Schulschwimmen? Es wird durch keine Bank finanziert, oder er hat keine Lust zu Investieren ohne öffentliche Gelder! Und welchen Bezug hat der Bezirksbürgermeister den zum Investor? Welchen Beruf hat denn unser Bezirksbürgermeister? Wer kümmert sich um den Brandschutz und sichert diesen ab?

Es gibt zu viele offene Fragen zu diesem Bad.

07.06.2012
09:19
Wahlkampf-Thema „XXL“-Bad
von Lektor001 | #1

Wenn man die gesamte bisherige Entwicklung betrachtet ist es schon befremdent, was Politik anrichten kann. Nicht verwunderlich ist es wenn der Wähler (Bürger) sein Vertrauen in die Redlichkeit der Politiker verliert. Wenn wir hier immer wieder politisches Kalkül "erfolgreich" praktiziert wird, sollte man sich wirklich überlegen selbst Politik zu machen. Ob es unbedingt Piraten sein müssen sei dahingestellt. Für die Stadt als solche, welche sich "Aufbruch" ( ich zitiere alle OB-Kandidaten ) auf die Fahne geschrieben hat ist es mittlerweile erbärmlich. Alleine um die angehäuften "Altlasten" aufzubereiten und dann zu entsorgen sind wohl mehrere Legislaturperioden erforderlich! Darunter werden wir Bürger wohl noch zu Leiden haben! Egal welcher Kandidat den "Zuschlag" erhält. So bleibt es leider beim alten Spruch: Die Demokratie ist eine schlechte Gesellschaftsform aber es gibt leider keine Bessere. Wir werden sehen!

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