Von Kindheit an in Großenbaum zusammen

Volles Haus bei der Behindertengruppe Großenbaum. Sie besteht seit 40 Jahren.
Volles Haus bei der Behindertengruppe Großenbaum. Sie besteht seit 40 Jahren.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Seit 40 Jahren gibt es die Behindertengruppe im evangelischen Gemeindehaus

Großenbaum..  Ihren Raum im Keller des evangelischen Gemeindehauses an der Lauenburger Allee haben sie sich schön eingerichtet. Sie sitzen auf bunten Möbeln. Bilder hängen an den Wänden. Entweder sind sie in Gespräche vertieft oder sie spielen. Jakkolo, ein Geschick­lichkeitsspiel, ist angesagt. „Das ist bei uns sehr beliebt“, sagt Dagmar Hoffmann. Die 48-Jährige ist eine der ehrenamtlichen Betreuer der Behindertengruppe Großenbaum, die sich hier jeden Mittwoch außerhalb der Schulferien von 17 Uhr bis 19 Uhr trifft.

An diesem Nachmittag sind 16 der insgesamt 17 behinderten Mitglieder der Gruppe und sechs Betreuer ge­kommen. Entweder wurden die Behinderten mit einem Behindertentransporter von ihrem Wohnheim oder von der Behindertenwerkstatt abgeholt oder ihre Mütter haben sie mitgebracht. Denn etwa die Hälfte von ihnen wohnt bei den Eltern. Dagmar Hoffmann führt die Liste mit den Punktergebnissen beim Jakkolo, ruft nacheinander alle Mitspieler zur Teilnahme auf und hält ihre Punktzahl auf einem Blatt Papier fest.

Zwei Besonderheiten

Wer nicht gerade bei Jakkolo sein Glück versucht, unterhält sich oder beschäftigt sich anderweitig. Ein behinderter Herr mittleren Alters puzzelt leidenschaftlich gern und lässt sich dabei von einer Betreuerin den Rücken massieren. Eine behinderte Frau malt mit Begeisterung mit Buntstiften.

Zwei Besonderheiten weist die Gruppe auf: Ihre heute 38 bis 58 Jahre alten Mitglieder treffen sich seit Jahrzehnten jede Woche hier. Gleichzeitig kommen in ei­nem Raum über ihnen ihre Mütter zusammen. Beide Gruppen bestehen jetzt seit 40 Jahren.

Im Sommer geht es in den Garten

„Früher haben wir viel gebastelt“, berichtet Dagmar Hoffmann. „Heute wird mehr geredet. Da beschränkt sich das Basteln auf die Zeit vor Ostern und Weihnachten.“ Sie selbst stieß vor vier Jahren durch ihren behinderten Cousin zu der Gruppe. „Ich arbeite sehr gern mit Behinderten“, sagt sie. „Sie freuen sich und ich freue mich.“ Ehemann Stephan (52) macht auch als Betreuer mit. Er sitzt an ei­nem Tisch neben dem Jakkolo-Spiel, neben einem etwa gleichaltrigen geistig Behinderten, der hochkonzentriert die verdrehte Schnur eines Telefons entwirrt.

„Wenn es warm ist, gehen wir in den Garten, spielen Boccia oder machen Ballspiele“, erklärt die Betreuerin weiter. Nur Ausflüge, die seien seltener geworden, weil viele Mitglieder der Gruppe nicht mehr gut zu Fuß seien.