Vom Plästere und Poolhaule

Eine Pflanze pflanzen heißt auf Platt: Plante poorte.
Eine Pflanze pflanzen heißt auf Platt: Plante poorte.
Foto: Matthias Graben
Was wir bereits wissen
Auch in Sachen Verben zeigt das Sermer Platt seine kreative Ader. Drei verschiedene Begriffe bezeichnen das Arbeiten: Wullacke, Wirke und Brassele.

Süd..  Ausdrücke aus dem Sermer Platt, dem Platt der südlichen Stadtteile, sammeln und übersetzen wir für Sie in der Serie „Sarret op Platt“. In dieser Folge unseres fortlaufenden Wörterbuchs dreht sich alles um Verben:

Verkamesölen. Verprügeln, Verhauen.

Verkasematuckeln. Etwas plattmachen. Das kann eine Fliege sein, oder auch Geld, das auf den Kopf gehauen wird.

Pinkele. Sie können sich’s wahrscheinlich denken: Genau, der nicht druckreife Ausdruck fürs Wasserlassen. Gibt’s auf Platt zusätzlich in der Variante jusche.

Spenne. Spinnen. Und zwar nicht als Handwerk, sondern im Kopf.

Vortelle. Klingt fast wie eine neue Nudelsorte, ist aber keine: Wer etwas vertellt, der erzählt was.

Schmerkse. Da steht einer am Herd steht und kocht oder brät etwas Leckeres.

Verdumdeuwele. Wörtlich: verdummteufeln. Sprich: Jemanden Veräppeln.

Vorwixe. Wer Wixe kassiert, bezieht Prügel – verhauen.

Wullacke. Im Ruhrgebiet als wullachen heute noch verbreitet: körperlich schwer arbeiten.

Wirke. Ein anderer Begriff für’s arbeiten – nur eben mit weniger körperlichem Aspekt.

Brassele. Noch ein Wort für arbeiten. Im Gegensatz zum Wullacke bezieht sich dieses hier nicht auf die Schwere der Arbeit, sondern auf ihre Menge: Es ist sehr viel zu tun.

Kongele. Als Kungeln dürfte dieses Wort einigen ein Begriff sein: Wer das macht, trifft Absprachen unter der Hand.

Platthaue. Linguisten nennen sowas einen falschen Freund: Klingt wie platthauen, heißt es aber nicht. Sondern: wegnehmen, stehlen.

Pörkele. Auf Hochdeutsch ohne Umlaut: porkeln.

Obscheppe. Aufschöpfen, zum Beispiel auf den Teller beim Essen.

Bölke. Wer herumbölkt, der schreit.

Dröhme. Da ist das Platt mal wieder weicher als das Hochdeutsche: träumen.

Futele. Pfuschen. Nicht am Bau, sondern beim Spiel.

Betuppe. Wer einen anderen betuppt, haut ihn übers Ohr; legt ihn also herein.

Plästere. Wenn’s plästert, fällt starker Regen.

Poorte. Pflanzen im Sinne von Einpflanzen. Nicht zu verwechseln mit dem dazu passenden Nomen: Die Pflanze gedeiht auf Platt als Plante. Eine Pflanze pflanzen heißt also: Plante poorte.

Poolhaule. Pool ist der Pfahl, und wenn sich ein Mensch als so ein Pfahl in den Ring wirft, damit sich ein anderer daran stützen kann, ergibt sich sinnbildlich: jemanden standhaft verteidigen – auch und gerade gegen eine Mehrheit mit gegensätzlicher Meinung. Und zwar durchaus auch im körperlichen Sinne.