Unruhe am Märchenweg
14.04.2010 | 19:14 Uhr 2010-04-14T19:14:00+0200
Bissingheim.Wenn das Rauschen von der Autobahn nicht wäre, würde man am Märchenweg die reinste Idylle antreffen: Von viel Grün umgeben, haben die evangelische Kirche, das ehemalige Pfarrhaus und der frühere Kindergarten hier den Dornröschenschlaf angetreten.
Seit acht Jahren steht die Kirche leer. Der letzte Mieter des Pfarrhauses zog vor einiger Zeit aus. Auch den Kindergarten gibt es schon lange nicht mehr.
Wer wie Andrea Lange von der Berglehne hier erst 2009 ein Haus mit großem Garten gekauft hat, konnte glauben, dass es weitgehend bei dieser Idylle bleiben würde. Denn erst vor einem Jahr hat die Stadt drei Bebauungspläne für Bissingheim auf den Weg gebracht. Der Plan für diesen Bereich sieht vor, allenfalls Umnutzungen der ehemaligen kirchlichen Gebäude zuzulassen oder Neubauten in ihren alten Grenzen, nicht aber etwas völlig Neues. Allerdings hat die Stadt, wie so häufig, keinen der drei Pläne im Verfahren vorangetrieben, obwohl sie relativ hohe Priorität haben. Und das wurde auch in der Bezirksvertretung bislang nicht vermisst.
Tatsächlich ist der Städtebauliche Rahmenplan, der 2007 für Bissingheim erstellt wurde und den der Bebauungsplan umsetzen soll, am Märchenweg offenbar überholt. Denn Ende März lud die Procuritas, Betreiber vom Seniorenzentrum „Haus am See“ in Wedau, die Nachbarn zum Gespräch ein, um ihre Einverständniserklärung dafür einzuholen, dort ein zweites Seniorenzentrum errichten zu können.
Dazu sollen die Küsterwohnung, ein Anbau an die Kirche, abgerissen werden, ebenso das Pfarrhaus und der Kindergarten. Und vom Standort des Pfarrhauses bis weit ins bislang unbebaute Hinterland hinein soll sich ein verwinkeltes Gebäude erstrecken, das mit der Kirche durch einen Gang verbunden wird. 80 Pflegeplätze soll das Heim haben, die Hälfte davon für Demenzkranke, dazu eine Anzahl altengerechter Wohnungen. Außerdem soll dort die gemeinsame Küche für beide Seniorenzentren entstehen. Die maximale Bauhöhe soll 9,50 Meter betragen.
Bei den Nachbarn ist das Projekt umstritten. Petra Wersin-Locker und Ehemann Torsten nahmen als Mieter an dem Gespräch teil, ebenso Andrea Lange. Wersins Vermieter war verhindert. Es sei völlig egal, ob unterschrieben werde oder nicht. Wer nicht unterschreibe, sei unsozial, ja altenfeindlich und würde zudem riskieren, dass es dort eine viel unverträglichere Bebauung gebe. Sie seien mit ihren großen Gärten doch ohnehin privilegiert. Mit Sätzen wie diesen fassen sie das Gespräch zusammen.
„Es wird jeder Millimeter Gelände ausgenutzt“, sagt Torsten Wersin. Nur genaue Zahlen seien nicht gefallen. „Was sind das für Aussagen, wenn man später vor einen Bunker guckt“, ärgert sich Andrea Lange. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich vor einem dreiviertel Jahr hier nicht gekauft.“ Die Nachbarn befürchten künftig deutlich mehr Besucher- und Lieferverkehr auf Straßen, die teilweise keine Bürgersteige hätten, jedoch als Schulwege dienten, eine schlechtere Parkplatzsituation und Gerüche von der Küche. „Es geht gar nicht gegen die Alten“, so Klemens Schaller, Wersins Vermieter. „Es geht um den Umfang.“ Andrea Lange: „Es hat keiner verstanden, dass wir es in der Größe nicht wollen.“ „Sie können sicher sein, dass die Bevölkerung das hier mit Argusaugen beobachtet“, kündigt Petra Wersin-Locker an. Mit seiner Vorgehensweise habe sich Procuritas entlarvt.
23:02
Hat die Stadt Duisburg nicht vor einigen Monaten berichtet, dass wir in Duisburg keine neuen Pflegeheimplätze brauchen? Und jetzt soll in Bissingheim, einer der kleinsten Stadtteile Duisburgs, ein solches Heim gebaut werden? Dort müssen seniorengerechte Wohnungen hin und kein Heim.
11:54
Ich schließe mich dem Kommentar von #1 an. Ich wohne ebenfalls in Bissingheim, genauer auf der Berglehne. Ich bin auch sehr froh das es bei uns so ruhig ist, da kann es doch nicht sein das die auf so eine Schnapsidee kommen. Ich sehe das genauso, das der Platz am See besser geeignet sei. Ich weiß ja nicht inwiefern der Bau auf dem alten Bahngelände zwischen Wedau und Bissingheim voran geschritten ist, aber da gäbe es doch auch genug Platz.
20:38
Ich kopiere hier mal rein, was ich schon im Stadteilforum gepostet habe.
Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. Aus der alten evangelischen Kirche Berglehne/Märchenweg soll ein Altenheim werden. Das Altenheim wird ausgelegt sein auf ca. 80 Betten und die Küche soll auch für das Heim in Wedau mitkochen.
Schön, dass hier ca.50 Arbeitplätze entstehen!
Denn soviel Personal inkl. Verwaltung benötigt man so circa um im Mehrschichtverfahren 80 alte Leute zu pflegen. Da es eine Großküche wird, darf man auf die Geruchsbildung gespannt sein die dazu kommt. Frühstück, Mittag- und Abendbrot werden dann mit einem Lieferwagen nach Wedau gefahren. Ich hofffe der 15:00 Uhr Kaffee und der Kuchen werden nicht eine Extratour bedeuten.
Für die wirtschaftlichen Interessen ist der bestehende Denkmalschutz aufgehoben worden. Würde mich freuen, wenn der auch bei mir aus wirtschaftlichen Interessen aufgehoben wird. Könnte eine Menge Geld sparen bei der Erhaltung des Denkmals.
Auch bin ich gespannt, wie sich die Parkplatzsituation entwickeln wird. 20 Mitarbeiter und 20 Besucher machen ca. 40 parkende Autos aus. Wo will man den Platz hernehmen?
Alleine schon in der Bauphase wird es spannend, wenn schweres Gerät durch Bissingheim donnert. Einige Tonnen Material müssen ran und weg geschafft werden. Und ziemlich viele Ford Transits von diversen Handwerken werden durch Bissingheim kreuzen.
Ich denke die Hauptstrassen, die durch den Verkehr in Mitleidenschaft gezogen werden, sind die Hermann-Grothe-Str, Finkenschlag, Berglehne, Märchenweg und natürlich alle Zuwege wie die Kurt-Heinze Str. und zum Ellenberg. Bis die Besucher unseres beschaulichen Stadtteils sich an die 30 gewöhnt haben, werden sie auf den letztgenannten bestimmt noch ein klein wenig schneller sein.
Wenn das Altenheim in Betrieb geht, schätze ich für jeden Tag mehr als 250 Fahrzeugbewegungen. Da ist dann alles bei, vom Motorroller, über das KFZ, der Notarzt, der Krankenwagen, das Taxi, die eilige Apothekendienst, die Wäscherei, der Betreuer, der Lieferant, und der verrückte* Zivi in einem Lieferwagen. Bisher sind wir ohne Ampeln und Verkehrsberuhigung ausgekommen.
Als direkter Anwohner einer der Haupteinflugschneisen zu unserem kleinen Wirtschaftswunder bin ich kein Unterstützer dieses Bauvorhabens und bin an diesem Ort strikt dagegen. Am See ist doch vollkommen in Ordnung. Da kann z.B. der Verkehr über die Bissingheimer Strasse geführt werden und stört deutlich weniger als mitten in dem hinterletzten Winkel einer Ortschafft.