Und zum Schluss wird mit Kölsch angestoßen
13.11.2011 | 17:02 Uhr 2011-11-13T17:02:00+0100
Duisburg. Jürgen Becker amüsierte im Steinhof in Duisburg- Huckingen. Und gab am Ende zwei Fässer Kölsch aus, um mit seinen Gästen den Karnevalsbeginn zu feiern.
Wer lieber Kabarett statt Karneval erleben wollte, für den war die Düsseldorfer Landstraße genau die richtige Adresse. Dort gab es eine hochkarätige Premiere zu erleben: Jürgen Becker, bestens bekannt aus den Mitternachtsspitzen im WDR, trat zum ersten Mal im Steinhof auf und stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass er zurecht zu den deutschen Kleinkunstgrößen gehört.
Mitgebracht hatte er sein neues Programm „Der Künstler ist anwesend“. In der Manier eines Dozenten, doch im rheinischen Plauderton, ließ sich der Spaßmacher über das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Kunst aus und schaffte es scheinbar mühelos, sein Publikum im ausverkauften Saal rund zwei Stunden lang zu fesseln. Jede Pointe auf der Reise von steinzeitlichen Höhlenmalereien bis zu gegenwärtigen Werken wurde belacht und beklatscht.
Dabei gab’s nicht nur etwas fürs Zwerchfell, sondern auch für den Kopf. Gut recherchiert war sein stets kritischer Blick auf Kunst und Kirche und etliches Anschauungsmaterial aus den verschiedenen Epochen ließ er über die Leinwand huschen. Das berühmte Bild „Maria züchtigt das Jesuskind“ von Max Ernst stand jedoch im Großformat auf der Bühne, ein stilles Versprechen, dass es wenig zimperlich zugehen sollte.
Scheinbar beiläufige Exkurse in die Gegenwart sorgten immer wieder für eine Tagesaktualität, die im Kontrast zum historischen Stoff stand. Dabei teilte der Kleinkünstler nicht nur gegen die katholische und evangelischen Kirche mal mehr, mal weniger charmante Seitenhiebe aus, auch die Politik blieb nicht verschont, selbst die Duisburger Lokalpolitik nicht. Kein Thema war ihm zu brisant, ob Kindesmissbrauch, Alkoholismus oder Adolf Sauerlands Rücktrittsweigerung; sie alle behandelte er gekonnt mit Ironie.
Am Ende verabschiedeten die Zuschauer Jürgen Becker mit lautem Applaus - nur gehen wollte er nicht. Denn als waschechter „kölsche Jong“, ließ er es sich am Tag des Hoppeditz-Erwachens nicht nehmen, mit den Duisburgern zu feiern. Zwei Bierfässer kamen auf die Bühne und schon wurden die ersten Kölschkränze im Saal verteilt, während aus den Lautsprechern Karnevalslieder schmetterten. Da blieben auch viele Gäste gerne.
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