Überraschender Wechsel bei den Linken

Deniz Edis, neue Bezirksvertreterin der Linken im Duisburger Süden.
Deniz Edis, neue Bezirksvertreterin der Linken im Duisburger Süden.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Deniz Edis folgt nach nur zehn Monaten auf Timo Sauer.

Huckingen..  Überraschend hat Bezirksvertreter Timo Sauer (Linke) sein Mandat zurückgegeben. Er war erst im August 2014 in die Bezirksvertretung Süd nachgerückt. Sauer trat dort die Nachfolge von Mirze Edis an, der in den Rat der Stadt gewählt wurde. Jetzt folgt Edis’ Frau Deniz für die Linkspartei in die Bezirksvertretung nach.

Die 42-jährige gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte steht als Mutter von drei Kindern (18, 15 und sieben Jahre alt) mit beiden Beinen im Leben. Und aus diesem Blickwinkel betrachtet sie auch die Gesellschaft. Sie beklagt die Zunahme des Ellenbogen-Denkens und des Leistungsdrucks schon bei jungen Leuten. „Die Schwächeren werden nicht mehr mitgenommen“, klagt sie.

Die Sicht einer Mutter

Und: „Das Umfeld prägt die jungen Leute heute mehr als das elterliche Vorbild. Die Kinder sind doch mehr in der Schule als zuhause.“ Als Schüler etwas für die Gesellschaft zu tun, das könne man sich doch gar nicht mehr leisten. „Politik und Wirtschaft wollen es offenbar so“, stellt sie nüchtern fest.

Seit 2006 ist Deniz Edis Mitglied der Linkspartei. „Bei uns steht das soziale Denken im Vordergrund“, sagt die Huckingerin. Nicht Leistungsdruck sei entscheidend, sondern die Motivation des Einzelnen. Und da sieht sie durchaus Anknüpfungspunkte für die Arbeit in der Bezirksvertretung.

Soziales Denken im Vordergrund

Natürlich sei es verfrüht, das Kinderdorf in Großenbaum wegen angeblicher Misshandlungen von Kindern zu tadeln. Aber die neue Linken-Bezirksvertreterin fragt sich, wie es überhaupt kommen konnte, dass eine solche Einrichtung von der Stadt an einen Verein übergeben wurde, vermutlich doch wohl, um Kosten zu sparen. „Wieso wird ausgerechnet an Kindern aus schwierigsten häuslichen Verhältnissen gespart?“, fragt sie. Das räche sich doch später nur.

Unverständlich ist für sie auch, dass die anderen Parteien die Ansiedlung von drei Privatschulen im Süden wohlwollend begleitet hätten. Gleichzeitig wurden städtische Grundschulen geschlossen. „Ich hät­te mich vehement dagegen ausgesprochen“, sagt sie: „Der Weg in die Zwei-Klassen-Gesellschaft.“

Da kann sie auch ihre Kooperationspartner SPD und Grüne nicht verstehen. „Ich bin aber sehr herzlich von ihnen aufgenommen worden“, sagt sie. Sie werde zwar auf ihre Unabhängigkeit achten. „Aber wenn ich etwas durchsetzen will, brauche ich deren Unterstützung.“