Türkisch für deutsche Schülerin? Fall Chiara sorgt für Diskussionen
11.09.2012 | 18:55 Uhr 2012-09-11T18:55:00+0200
Duisburg-Wedau. Eine deutsche Erstklässlerin durfte in Duisburg nicht an Türkisch-Unterricht teilnehmen. Jetzt zeichnet sich aber eine unbürokratische Lösung ab. Schulamtsleiter berichtet von weiteren Beispielen deutscher Kinder in türkischem Muttersprachler-Unterricht. Das Interesse hätte sich selten lange gehalten.
Der Fall Chiara sorgt für Gesprächsstoff. Die türkische Zeitung Hürriyet will in ihrer Europaausgabe über die Sechsjährige berichten. Auch andere deutsche Medien greifen das Thema auf. Chiara hatte sich freiwillig für den Türkisch-Unterricht in ihrer Grundschule gemeldet und zunächst eine Absage bekommen. Begründung: Der Unterricht ist nur für Muttersprachler mit türkischer Herkunft. So steht’s in einem Erlass des NRW-Schulministeriums.
Eine Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen. Aber jetzt zeichnet sich ab, dass es wohl auf dem kleinen Dienstweg eine Lösung gibt. Er habe mit der Schulleiterin der Grundschule Am See gesprochen, sagt Schulamtsleiter Wolfgang Streuff. „Es hat da wohl eine ganze Menge an Missverständnissen gegeben.“ Die Schulleiterin sei äußerst bemüht um Integration. Ob Chiara jetzt doch inoffiziell – quasi als Gast – am Türkisch-Unterricht teilnehmen darf, hänge aber auch davon ab, ob genügend Kapazitäten frei sind. Das werde gerade noch geklärt.
Immer mehr „Nullsprachler“
Auch Mutter Sabine Rick ist gespannt, wie die Sache ausgehen wird. „Wir warten noch auf eine Reaktion der Schule.“ Dienstagabend stand – unabhängig von der Diskussion – ein Elternabend in Chiaras Klasse an. Da wollte Sabine Rick auch mit anderen Eltern über die Sache sprechen.
Viele Leser hinterfragen unterdessen grundsätzlich den Sinn des so genannten Herkunftssprachlichen Ergänzungsunterrichtes. Der wurde ursprünglich eingerichtet, um Kinder von Gastarbeitern besser auf ihre Rückkehr in die Heimat vorzubereiten. „Mir erschließt sich der Sinn des Unterrichts nicht“, schreibt ein Nutzer auf der Internet-Seite der Süd-Redaktion. „Es wäre für viele türkische Kinder ein deutscher Ergänzungsunterricht sinnvoller.“
Dieser Annahme widerspricht Wolfgang Streuff vehement. „Die Kinder müssen ihre Heimatsprache erlernen, damit sie auch die deutsche Sprache richtig lernen können.“ Bei den Pädagogen ist von „Nullsprachlern“ die Rede. Das sind Kinder, die überhaupt keine Sprache richtig beherrschen. Für diese sei der Muttersprachliche Unterricht existenziell wichtig und kein Vergnügen. „Die haben es gang ganz schwer.“
Viele Deutsche Kinder brechen ab
Er habe mittlerweile von Kollegen gehört, dass es doch deutlich mehr Fälle gab, in denen deutsche Eltern ihre Kinder im Muttersprachlichen Unterricht anmelden wollten, sagt der Schulamtsleiter. Auch da habe es eigentlich immer eine Lösung gegeben, so dass die Schüler an den Stunden teilnehmen durften.
Erfolgreich seien die Versuche aber in den seltensten Fällen gewesen. Meist hätten die deutschen Kinder ganz schnell wieder aufgegeben. „Das ist kein Sprachkurs in modernen Fremdsprachen“, sagt Streuff. Die Voraussetzungen innerhalb der Gruppen seien jetzt schon extrem unterschiedlich.
Die Sprachdiskussion macht auch andere neugierig. Warum es denn nicht viel mehr Türkischunterricht für alle an deutschen Schulen gebe, will ein Leser wissen. „Denn erfahrungsgemäß trifft man in seinem Leben mehr Türken als Menschen, die nur Latein oder Französisch reden.“
14:26
Hallo,Arno Poll,
ich hatte mir den Artikel aufgehoben,weil es mich schon interessiert,was denn nun aus dem "Fall Chiara" geworden ist,bzw. wie weit denn nun die Sprachkenntnisse der Erstklässlerin gediehen sind.Ihr Artikel in der WAZ hierzu hat doch vor einigen Monaten für viel Aufregung gesorgt. Ein Bericht zum Ergebnis hätten m.E. Ihre (engagierten ) Leser doch eigentlich verdient..
17:05
Ausserdem ist jede zusätzliche Fremdsprache eine Bereicherung, es ist erwiesen, dass Kinder mit Leichtigkeit mehrere Sprachen gleichzeitig erlernen können.
Dennoch hat der herkunftssprachliche Unterricht nichts mit normalem Sprachunterricht zu tun, Chiara sollte dies anderweitig lernen, und die Mutter sollte nicht so viel Aufstand machen!
16:50
/Soweit ich weiss, ist dieser Unterricht kein Sprachunterricht, sondern dient dazu die Muttersprache zu verfestigen, die Grammatik wird vertieft und auch Landeskunde gelernt.
Es hat also nichts mit Diskriminierung zu tun, wenn ein deutsches Mädchen nicht teilnehmen soll. Ich kenne das aus einem anderem herkunftssprachlichen Unterricht, dass der Lehrer sich weigert Kinder anzunehmen die die jeweilige Sprache nicht sprechen können , denn dies ist Aufgabe der Eltern ihren Kindern die Muttersprache beizubringen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Mädchen den Unterrichtsverlauf stören würde, da es diesen bestimmt nicht folgen kann. Oder kann die Mutter mit dem Mädchen zu Hause üben?
Integration hin oder her, d.h. ja nicht, dass Migranten ihre Wurzeln verleugnen und nur Deutsch sprechen sollen. Die meisten Menschen haben noch Familie in ihren Heimatländern, es wäre sehr traurig, wenn sie sich mit ihren Angehörigen nicht mehr in ihrer Sprache unterhalten könnten.
Ausserdem ist je
00:46
Türkisch ist für viele deutsche Kinder ohne Frage viel authentischer als Französisch, Englisch aber insbesondere Latein.
Wer kann schon in die Zukunft sehen? Vielleicht werden viele dieser Grundschulkinder als ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen ihren Lebensunterhalt in der Türkei bestreiten... ;-)
15:13
Kinder die teilweise in der 4. Generation in Deutschland leben müssen ihre Heimatsprache, türkisch, lernen. Ist die Heimatsprache in Deutschland nicht Deutsch?
15:12
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14:48
Ich finde die kleine integriert sich hervorragend *Ironie off*
Jau, das stimmt auffallend und leider viele andere auch, von den Politikern ganz abgesehen :(
14:15
Also von mir aus soll das gute Kind türkisch lernen!
Aber,
Man kann aus einer Mücke einen Elefanten machen! Als Student einer Uni kann ich an allen Veranstaltungen der Uni teilnehmen, Ausnahmen zum Beispiel sind Praktikums/Laborplätze, z.B. In Chemie, diese sind begrenzt und den Chemiestudenten vorbehalten. Das Gleiche gilt dann für muttersprachlichen Unterricht. So einfach und plausibel ist das, aber man kann das Leben auch kompliziert machen.
Sonst gäbs vielleicht nichts mehr zu schreiben.
13:29
Nun fragt man sich in der Tat,was Eltern antreibt,losgelöst und frei von jedem Sachverstand auch mit Hilfe der Zeitung "ihr kleines Sprachtalent,das schon Jugoslawisch(sic) gelernt hat" in einen Unterricht zu bringen,der nach Zielgruppe und Methode für dieses Kind völlig ungeeignet ist.Aus einem verständlichen kindlichen Wunsch heraus,auch mit ihren Freundinnen etwas gemeinsam zu machen,ist doch dieses Anliegen entstanden ,das sich mittlerweile zu einem verfassungsrechtlich relevanten Fall zu entwickeln scheint .Da objektive Gründe und die Erfahrung eindeutig dagegen stehen...siehe Wofgang Streuff...müßte man doch mit etwas gutem Willen die Sache dem doch intelligentem Kind leicht erklären können.
Mein Mitgefühl gilt den Pädagogen im Allgemeinen und ihren Kolleginnen in Wedau im Besonderen,die sich neben ihrer vielen Arbeit auch noch mit solchen "Problemen" herumschlagen müssen.