Traditions-Fahrschule in Wedau schließt nach über 60 Jahren

Ihr Fahrschulauto nimmt Ursula Schiff mit nach Cuxhaven, wenn sie die Fahrschule in Wedau.
Ihr Fahrschulauto nimmt Ursula Schiff mit nach Cuxhaven, wenn sie die Fahrschule in Wedau.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
In einem Monat ist Schluss. Fahrlehrerin Ursula Schiff hat ihr Haus in Duisburg-Wedau bereits verkauft. Nun zieht sie in den Norden an die See.

Wedau..  Sie fühlt sich wie ein Kapitän auf einem Schiff. Ein treffenderes Bild, um sich selbst zu beschreiben, könnte der Fahrlehrerin aus Wedau nicht einfallen. Ihr Name: Ursula Schiff. „Erst wenn der Letzte von Bord ist, werde ich auch das Schiff verlassen“, sagt die 70-Jährige. Denn Ursula Schiff hört auf. Nach mehr als 60 Jahren schließt sie die Fahrschule, die ihr Vater 1954 als erste Fahrschule Wedaus gegründet hatte.

Neue Fahrschüler hat sie schon seit ein paar Monaten nicht mehr angenommen. Wer bei ihr die Ausbildung angefangen hat, soll sie auch bei ihr zu Ende machen können, sagt sie. Der Betrieb läuft langsam aus, der Motor kommt zum Stillstand. Ihr Haus in der Spielstraße in Wedau, in dem auch die Fahrschule untergebracht ist, hat sie verkauft. Die Umzugskartons stapeln sich im Keller, im Büro, in der Küche, im Flur. „In einem Monat ist hier Schluss“, sagt sie. Schnitt. Umzug. Neuer Lebensabschnitt.

Ihr Leben nach der Fahrschule wird sie gemeinsam mit ihrer Partnerin in Cuxhaven bestreiten. „Ich sag’ immer: ,Ich fahre in den Urlaub – aber ich komme nicht zurück.’“ Ursula Schiff liebt die See. Kleinigkeiten verraten sie: Auf dem Küchentisch liegen Platzdeckchen mit Nordsee-Motiven. Sie trägt ein Shirt im maritimen Stil. Dennoch: Das alte Leben hinter sich zu lassen, diese Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen.

Schon mit zehn Jahren am Steuer

Fahrlehrerin war Ursula Schiff mit Leib und Seele. Schon mit zehn Jahren saß sie am Steuer. „Ich bin mit dem Opel Kapitän meines Vaters durch die Gegend gefahren. Die Schutzmänner haben mir gewunken. Damals ging das noch“, erinnert sie sich, „aber mein Vater saß natürlich immer daneben.“ Als Kind stand für sie fest, dass sie die Fahrschule übernehmen würde. Irgendwann jedoch wollte sie plötzlich nicht mehr. Statt in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, machte sie eine Ausbildung zur Werkzeugprüferin bei Mannesmann. „Das Fahrschulgeschäft ist ja schon Fließbandarbeit. Immer wieder: ,Erst denken, dann lenken.’“

1971 machte sie doch die Fahrlehrerprüfung und mit dem Umzug vom Kalkweg an den jetzigen Standort Ortelsburger Ring im Jahr 1972 stieg sie ins Geschäft ihres Vaters ein. „Ab da habe ich nach und nach sämtliche Fahrlehrerklassen gemacht.“

Ein kleiner Fehler am Steuer kann tödlich sein

Schiff beschreibt sich selbst als strenge Fahrlehrerin, die auch mal aneckt. „Die coolen Fahrlehrer, das sind immer die lieben“, sagt sie. Dazu zähle sie nicht. Rumbrüllen komme natürlich nicht in Frage, aber klare Ansagen müsse jeder Fahrschüler aushalten. Ein kleiner Fehler entscheide im Zweifel über Leben und Tod. „Heute sind Autofahrer aggressiver und ungeduldiger als früher“, beschreibt sie die Entwicklung auf der Straße, „und die Fahrschüler sind weniger belastbar.“ Da sei es schon vorgekommen, dass Schüler aufgegeben und die Fahrschule gewechselt hätten.

Umso mehr freut sie sich nun über positive Rückmeldungen ehemaliger Fahrschüler, die es schade finden, dass sie aufhört. „Aber mit 70 darf auch mal Schluss sein“, sagt sie. Doch ob so richtig Schluss sein wird, das bleibt zu bezweifeln. Ihre beiden Fahrschulautos nimmt Ursula Schiff jedenfalls mit in den Norden. „Ein paar Auffrischungsstunden zu geben, das kann ich mir schon gut vorstellen.“