Tierische Feinschmecker

Dass Katzen Feinschmecker sind, ist bekannt. Stellt der Dosenöffner dem heimischen Stubentiger ein Futter hin, das nicht gut genug riecht, dessen Fleischwürfel zu klein oder zu groß sind, das zu viel oder zu wenig Sauce beinhaltet – die Liste ließe sich fortsetzen –, wird nur kurz die pelzige Nase gerümpft und der Fraß für den Rest des Tages keines Blickes mehr gewürdigt. Geschweige denn eines Bissens. Dass meine Stubentiger sich aber anhand des Dosenfutters aus dem örtlichen Tierfuttergeschäft zu ausgewachsenen Gourmets gemausert haben, war mir bislang entgangen. Bis ich die Bissspuren entdeckte.

Der Rosmarin auf der Küchenfensterbank hatte es ihnen offensichtlich angetan. So weit, so wenig überraschend: keine Pflanze im Haus, die vor Katzenknabberei sicher wäre. Überrascht wurde ich allerdings vom Anblick eine Etage tiefer: Den Rosmarin hatten die beiden Kater nicht etwa einfach direkt von der Pflanze schnabuliert. Beim Bücken fand ich die langen grünen Blätter wieder – auf den Bröckchen im Katzennapf. Wahre Feinschmecker eben.