Südblick Martin Ahlers

Wer sich denn wohl ein Grundstück von 500m² für ein frei geplantes Haus am Angerbach leisten könne, fragte Grünen-Sprecherin Claudia Leiße im Planungsausschuss. Eine ausreichende Zahl an Bauherren, um auch größere Baugebiete zu füllen, wird ihr jeder Makler antworten. Vor allem deshalb, weil das Traumhaus an dieser Stelle sicher wesentlich günstiger ist, als eine ungleich bescheidenere Herberge hinter der Düsseldorfer Stadtgrenze.

Ja, es lässt sich trefflich debattieren, ob es sich bei der weiteren Bebauung am Angerbach um die Abrundung eines Baugebietes und der Abschluss einer Entwicklung handelt (wie von Baudezernent Tum behauptet) oder nur eine neuerliche Erweiterung des Huckinger Siedlungsbereiches, für den schon die Erschließung des ersten Baugebietes der erste Sündenfall war (wie der Bürgerverein argumentiert). Es ist ein Streit um des Kaisers Bart.

Sicher ist: Auf lange Sicht wird der Druck auf den Düsseldorfer Immobilienmarkt anhalten. 3800 Wohneinheiten sollen deshalb auch in Duisburg entstehen, meinen auch die Landesplaner. Kein Zufall, dass sich der Blick dabei auf den Süden richtet. Nach dem Erfolg des ersten Bauabschnitts liegt es deshalb nahe, auf der anderen Straßenseite weiterzumachen. Die Grünen geißeln das als Abkehr vom Prinzip der bevorzugten Innenentwicklung, zu dem sich die Stadtplaner im Konzept für „Duisburg 2027“ selbst verpflichten. Ob sich der Eingriff, wie Dezernent Tum meint, in „überschaubarem Maß“ hält, ist eine Frage des Blickwinkels. Bei der Suche nach einer größeren Fläche für „hochwertigen Wohnraum“ wird’s in jedem Fall eng im Süden. Ob die Bahnareale in Wedau dafür taugen, diesem Anspruch zu genügen, muss sich angesichts der Nähe zum Hochbetrieb auf den Gleisen erst noch erweisen.

Überraschend, auch daran sei erinnert, kommt die Bebauung nicht. Seit Jahrzehnten steht das Areal als Wohnfläche im Flächennutzungsplan, zwischendurch keimte Hoffnung, weitere Technologie-Ansiedlungen in die Nachbarschaft von Infineon locken zu können. Deshalb: Wer nun wortreich den Verlust des Freiraums beklagt, muss sich fragen, ob er in der Vergangenheit genug für seinen Erhalt getan hat. An der Zeit dazu hat’s nicht gefehlt.