Sermer befürchten „Angriff auf den Dorfcharakter“

Von allen Ortsteilen im Duisburger Süden hat Serm, hier die Dorfstraße, noch am meisten Dorfcharakter.
Von allen Ortsteilen im Duisburger Süden hat Serm, hier die Dorfstraße, noch am meisten Dorfcharakter.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Scharfe Kritik gegen die geplante Ausweisung von neuen Wohnbauflächen kommt jetzt vom Bürgerverein und von der Bürgergemeinschaft Serm zur Erhaltung des Dorfcharakters

Serm..  Von einem „massiven Angriff auf den Dorfcharakter“ Serms sprechen jetzt Rainer Kreh, Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins, und Ralf Barbion für die Bürgergemeinschaft Serm zur Erhaltung des Dorfcharakters in einem Offenen Brief an die Bezirksvertretung Süd. Die berät am Donnerstag, 29. Januar, über Duisburg 2027, die Vorbereitung des neuen Flächennutzungsplans der Stadt. Für Kreh und Barbion sprengen die dabei vorgeschlagenen neuen Wohnbauflächen den dörflichen Charakter Serms, hätten eine „Bebauung im Trabantenstil“ zur Folge. Gegen eine langsame Weiterentwicklung des Ortsteils habe man aber nichts einzuwenden.

So begrüßen sie ausdrücklich, dass die Felder östlich (803-08) und westlich (803-07) der Grundschule Am Lindentor bis in Höhe des Friedhofs als Neubauflächen ausgewiesen werden. Allerdings sollten sie nur in kleinen Schritten bebaut werden, „um eine massenhafte und monotone Bebauung durch Bauträger zu verhindern.“

Auch gegen das Baugebiet östlich der Straße Zum Peschekamp und nordöstlich von Am Kollert (803-11) haben beide nichts. Es sei seit Jahrzehnten zur Bebauung vorgesehen. „Aktuell wird am westlichen Rand schon gebaut.“

Raffinierter Automatismus

Ihre Kritik zielt zum einen auf ein Neubaugebiet auf der Südseite der Dorfstraße, östlich von Am Brengershof (803-04a), und auf die sogenannte Optionsfläche südlich davon (803-04), eine Bebauung Serms entlang der Straße An der Bastei in voller Länge.

Gerade vor dieser Optionsfläche warnen die Sermer: Sie gehen davon aus, dass sich hinter der den politischen Gremien vorgeschlagenen Beschlusslage ein Automatismus verbirgt, der für Serm fatal wäre, dass nämlich automatisch die Optionsflächen realisiert werden, sobald durch Wegfall anderer, ursprünglich geplanter Bauflächen das Ziel verfehlt werde, bis 2027 insgesamt 2,5 Millionen Quadratmeter Bauland neu zu entwickeln.

50 Prozent mehr Häuser

„Der Entwurf ist für die Bürger in Serm inakzeptabel“, heißt es in dem Brief. „Attraktive Wohngebiete sind nur solange attraktiv, wie sie behutsam entwickelt werden.“ Das sei gerade die Stärke des Duisburger Südens, dass sich hier Wohnqualität und Naherholung bislang gut vereinbaren ließen.

In Serm seien Tradition und Brauchtum sowie gute Nachbarschaft hoch angesiedelt. Was jetzt vorgeschlagen werde, bedeute den Neubau von 450 Häusern, also ei­nen Zuwachs um 50 Prozent. Damit verliere Serm seine Identität, zumal verkehrliche Anbindung und Entwässerung das gar nicht verkraften könnten.