Senioren-WG in Wanheim entsteht als Alternative zum Heim

Nicht zu früh einziehen, rät der Betreiber: erst dann, wenn schon eine Pflegestufe gegeben ist.Fotos:Lars Fröhlich
Nicht zu früh einziehen, rät der Betreiber: erst dann, wenn schon eine Pflegestufe gegeben ist.Fotos:Lars Fröhlich
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
An der Steinbrinkstraße in Duisburg-Wanheim entsteht eine Wohngemeinschaft für Senioren. Pflege und Selbstständigkeit nach Bedarf und Wunsch.

Wanheim..  Pflegebedürftiger Mitbewohner gesucht: So könnte das Motto eines neuen Projekts in Wanheim lauten. An der Steinbrinkstraße entsteht zurzeit eine Wohngemeinschaft für Senioren. Zwölf ältere Herrschaften können zum 1. Mai einziehen. Die ersten Plätze der Alternative zum Altenheim sind schon vergeben.

Rund um die Uhr betreut eine examinierte Pflegekraft die Senioren, zusätzlich hilft eine Betreuungskraft bei kleineren Problemen im Alltag und sorgt mit Spielen und Ähnlichem für Beschäftigung. Eine Hauswirtschaftskraft oder ein Koch kümmert sich darum, dass die Bewohner es sich schmecken lassen.

„Die Küche ist das Highlight in einer WG“, findet Markus Konrad, Leiter des zuständigen Pflegedienstes. Das soll bei den Senioren nicht anders sein als unter Studenten. Einmal in der Woche wird ein Essensplan erstellt; was aufgetischt wird, bestimmen die Bewohner. Wer will, kann selbst zum Kochlöffel greifen oder „Kartoffeln schälen, um die Motorik zu erhalten“, nennt Frank Sentef ein Beispiel, Inhaber der Oberhausener Betreiberfirma Senioredenz. Aktive Beteiligung in der Küche ist aber keine Pflicht: „Das Konzept ist auf Hotelservice ausgerichtet.“ Bis hin zum Farbkonzept im Esszimmer: An einer Wand prangt ein sattes Orange, „das ist appetitanregend“, sagt Sentef.

Die Kosten seien günstiger als im Heim, wirbt der Betreiber

Elf Zimmer auf zwei Etagen warten auf Bewohner, jedes zwischen 14,5 und 17,5 Quadratmetern groß, teilweise mit Balkon oder Terrasse ausgestattet. Jeder Senior hat sein eigenes Reich, das er nach seinen Wünschen gestalten kann. Prägender fürs WG-Leben sind die Gemeinschaftsräume: Im Erdgeschoss ein Fernsehzimmer, im Obergeschoss ein Esszimmer. Drei Bäder sind auf jede Etage verteilt, jedes teilen sich zwei Bewohner – natürlich mit barrierefreier, bodengleicher Dusche. Barrierefrei geht’s auch zwischen den Etagen zu: Wer fit genug ist, kann die Treppenstufen erklimmen, gemütlicher geht’s mit dem Aufzug hoch und runter.

Die Kosten für das betreute Leben in der Senioren-WG seien günstiger als im Heim, rechnet Sentef vor: Die Zuzahlung in der WG inklusive Miete und Verpflegung betrage bei Pflegestufe II knapp 1000 Euro monatlich, im Heim würden 1800 Euro fällig. Außerdem müssten sich die Pfleger im Heim um deutlich mehr Pflegebedürftige kümmern als in einer Wohngemeinschaft.

Argumente, die Sentef schon die ersten Mieter eingebracht haben: Zwei Plätze sind vergeben, zwei weitere reserviert. Interessenten zwischen 70 und 90 Jahren haben sich bisher nach Plätzen erkundigt, sagt Sentef und rät: nicht zu früh einziehen. Erst, wenn tatsächlich eine Pflegestufe festgestellt wurde, sei die Senioren-WG der richtige Wohnort. „Es ist eine Alternative zum Heim.“ Eine Alternative, aus der niemand mehr ausziehen muss: Steigt der Pflegebedarf, wird der alternde Mensch einfach intensiver gepflegt. Und das unter anderen Vorzeichen als im Heim, findet Pflegedienstleiter Konrad: „In einer WG ist es ein anderes Leben als im Heim. Die Leute sind hier selbstständig. Wir sind als Pflegedienst hier nur zu Gast.“