Schantall: Fast wie im echten Leben

Kai Twilfer las Passagen aus seinem Bestseller „Schantall, tu ma die Omma winken!“ und holte zwischendurch auch Publikum auf die Bühne.
Kai Twilfer las Passagen aus seinem Bestseller „Schantall, tu ma die Omma winken!“ und holte zwischendurch auch Publikum auf die Bühne.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der unerschrockene Sozialarbeiter Jochen alias Kai Twilfer las im Steinhof Passagen aus seinen Bestsellern. Dritter Band ist in Arbeit

Huckingen..  „Sie ist selbstbewusst bis zum Saturn“, sagt Bestsellerautor Kai Twilfer über die Protagonistin seines Buches „Schantall, tu ma die Omma winken!“. Falsche Fingernägel, eine Busenfreundin namens Cheyenne und eine Wohnung in der Hochhaussiedlung - die Hauptfigur bedient so ziemlich jedes Klischee, was man bei einer Chantal im Kopf hat.

Am Samstag stellte Kai Twilfer sein Meisterwerk vor circa 140 Gästen im Steinhof vor. „Ich hoffe mal, dass ich hinterher noch hochdeutsch kann“, scherzt Gabi Fox aus Huckingen. Twilfers Bestseller und das Folgebuch „Schantall, tu ma die Omma Prost sagen!“ sind aus der Sicht des spießigen Sozialarbeiters Jochen geschrieben, der die Lebensweise der Familie Pröllmann rund um „Schantall“ nicht so richtig verstehen kann.

Das liegt zum Beispiel an der Wohnung der Pröllmanns, die mit farblich unpassenden Möbeln, „Pokemon“-Aufklebern an der Wand und einem Porzellan-Leoparden ihren ganz eigenen Stil hat.

Zum Frühstück gibt’s Cornflakes und Cola und zum Abendessen Kartoffelsalat auf Papptellern. Denkt Twilfer zu schwarz-weiß oder ist seine Geschichte durchaus realistisch?

„Ich habe manche Geschehnisse aus dem Buch am eigenen Leib erfahren. Man denkt immer, dass die Geschichte so überzogen ist, aber so abwegig ist das alles nicht“, findet Hans-Jürgen Frink, ein Zuschauer aus Neudorf.

Der Autor holt sich seine Inspiration tatsächlich aus dem echten Leben: „Ich muss nur in Gelsenkirchen auf die Straße gehen“, sagt Twilfer dazu. Natürlich sei alles ein bisschen überspitzt geschrieben, aber letztendlich ist sein Werk als Sachbuch eingestuft.

Im Steinhof las Twilfer nicht einfach nur vor. Zwischendurch erzählte er auch Dönekes, kam als Losverkäufer verkleidet auf die Bühne oder holte einen Gast aus dem Publikum zu sich. Der Gelsenkirchener selbst nennt das „Comedy-Lesung“.

Umso bildlicher hat man „Schantall“ und ihre Familie vor Augen, wenn etwa ein Zoobesuch ansteht und es heißt: „Cheyenne geh nicht so nah bei die Eisbären, du bist doch schon erkältet.“

„Ich finde Kai Twilfer fabelhaft. Vieles trifft zu und ist typisch für den Ruhrpott“, so Gisela Milbrandt aus Mündelheim.

Ein dritter Band wird nächstes Jahr kommen. Titel und Ende stehen noch nicht fest. Twilfer verrät aber, dass es um das deutsche Spießertum und die Mittelschicht gehen wird. Die Pröllmanns werden auf ein Schützenfest gehen und Sohn Justin wird eingeschult werden. Auch eine Fernsehserie steht in ihren Startlöchern.