Predigtpreis für Pfarrer Muthmann

Foto: Fabian Strauch

Wanheimerort..  Jürgen Muthmann, Pfarrer in der ev. Gemeinde Wanheimerort macht sich da nichts vor: „Ich bin der klassische Samstagabend-Predigtschreiber“, schmunzelt. So saß er auch am Ostersamstagabend am Schreibtisch und las den vorgeschlagenen Bibeltext aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinther: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten…“

Eine Begegnung auf dem Friedhof

Er dachte nach, über die Hoffnung im Angesicht des Todes. Und dann fiel ihm die Frau wieder ein, die ihm auf dem Friedhof zugewinkt hatte. Sie hatte gelächelt. Ein kleines Wunder. Denn wenige Monate zuvor hatte sie ihre Tochter unter tragischen Umständen verloren, besuchte jetzt oft deren Grab. Muthmann hatte sie und ihre kleine Enkelin lange seelsorgerlich betreut. Er freute sich, dass sie zumindest für einen Augenblick ihr Lächeln wiedergefunden hatte. Für die Beerdigung hatten sie ein Lied von Silbermond ausgesucht: „Du flutest alle meine Decks mit Hoffnung auf ein echtes Leben vor dem Tod“, heißt es da.

Die Frau, die lächelte und sich um das Kind der toten Tochter kümmert, wurde zum Thema der Ostersonntagspredigt. Mit einfachen, eindringlichen Worten schilderte der Pfarrer ihren schweren Weg aus der tiefen Verzweiflung zurück ins Leben.

„Eigentlich bin ich vom Predigertyp her am ehesten ein Geschichtenerzähler“, sagt er, „wenn mir zu einem Text eine Geschichte einfällt, dann wird es gut. Nach zweieinhalb Stunden war die Predigt fertig. Am Sonntag spürte er eine besondere Konzentration in seiner Gemeinde als er seine Geschichte erzählte.

Im Kirchen-Café reagierten Besucher ergriffen und berührt. Die Resonanz ermutigte Muthmann, der für andere Predigten auch schon viel Kritik einstecken musste. „Ich provoziere halt auch schon mal gern“, sagt er.

Im Jahr 2000 lobte der Verlag für die deutsche Wirtschaft einen jährlichen Predigtpreis aus. Der Wanheimerorter Pfarrer hatte sich selbst schon ab und an aus der Datenbank der prämierten Predigten Inspiration geholt. Nun reichte er, knapp vor Einsendeschluss, seine besondere Osterpredigt ein.

Und hatte in der Zeit danach andere Dinge im Kopf. „Als der dicke Umschlag mit der Einladung zur Feierstunde für die Preisträger kam, wusste ich erst gar nicht, worum es ging“, sagt Muthmann. Seine Osterpredigt war als eine von acht Predigten unter über dreihundert Einsendungen ausgewählt und mit der „Silbernen Taube“ prämiert worden.