Politik fordert Plan B für das geplante XXL-Bad in Duisburg

Rutschenspaß soll es im geplanten XXL-Bad auch geben, allerdings nicht vor dem Jahr 2021.
Rutschenspaß soll es im geplanten XXL-Bad auch geben, allerdings nicht vor dem Jahr 2021.
Foto: Joachim Haenisch
Der Bau des XXL-Bads verzögert sich um weitere zwei Jahre. Die Bezirkspolitiker glauben nicht mehr an seine Realisierung – sie fordern einen Plan B.

Duisburg - Süd.. Daran, dass das geplante XXL-Bad tatsächlich realisiert wird, gibt es bei der Bezirksvertretung Süd erhebliche Zweifel. Diese Zweifel sind so groß, dass die Politiker bei ihrer Sitzung am Donnerstagabend forderten, über Alternativen nachzudenken.

„Wir brauchen genügend Zeit, um einen Plan B umzusetzen“, sagt Hartmut Ploum (SPD). Der Ausgang der Verhandlungen sei ungewiss, „der Tag ist absehbar, an dem eins dieser Bäder schließen muss“ (die beiden Süd-Hallenbäder in Wanheim beziehungsweise Großenbaum, Anm. d. Red.). Beide Bäder sind über 40 Jahre alt und sanierungsbedürftig, sollen aber bis zum Bau des neuen Bades ohne weitere Investitionen durchhalten.

Duisburg Sport rechnet nicht vor 2021 mit Badebetrieb im XXL-Bad

Auslöser für eine zornige Diskussion der Bezirksvertreter war der Wirtschaftsplan 2017 von Duisburg Sport. Dort wird das Projekt aufgrund von „rechtlichen Anforderungen, Interessen der Beteiligten“ und „inhaltlichen Abhängigkeiten“ als „sehr zeitaufwendig“ bezeichnet. Für die Bauleitplanung rechnet Duisburg Sport mit 1,5 Jahren, danach mit einem Baugenehmigungsverfahren von mindestens sechs Monaten, anschließend mit 1,5 Jahren Bauzeit – summa summarum also mit weiteren 3,5 Jahren. Ein Puffer scheint eingerechnet zu sein, denn Duisburg Sport geht von einem „Abschluss des Projekts und damit Schließung der Bäder nicht vor 2021“ aus.

Damit hat sich binnen eines guten halben Jahres der Plan für das XXL-Plan um weitere zwei Jahre verzögert: Laut Wirtschaftsplan kann der Bau frühestens in gut zwei Jahren beginnen, also Ende 2018. Noch im Februar diesen Jahres hatte Jürgen Dietz in der Bezirksvertretung davon gesprochen, Baubeginn könne Mitte 2017 sein – „wenn alles gut läuft“.

Politiker kritisieren erneute Verzögerung als „Unverschämtheit“

Entsprechend ärgert sich Jürgen Kleine-Möllhoff, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Herr Dietz hat uns vorgestellt, das Bad sei quasi fertig.“ Den neuen Zeitplan und dessen Begründung bezeichnet er als „Unverschämtheit“. Die Kritik ist parteiübergreifend. „Das ist nicht investorfreundlich“, sagt Frederik Engeln (Junges Duisburg); Dr. Sebastian Ritter (Grüne) nennt die Planung „peinlich“. Er hat dafür kein Verständnis: „Die Politik will es, die Bürger wollen es, der Investor und das Gelände stehen bereit.“

Ein erneuter Besuch von Jürgen Dietz in der Bezirksvertretung im nächsten Jahr soll Klarheit bringen, außerdem fordern die Politiker eine klare Zeitschiene für die Umsetzung des XXL-Bades; der entsprechende Antrag von Kleine-Möllhoff (Grüne) wurde einstimmig angenommen. Denn auch wenn die Bezirkspolitiker wohl nicht mehr so recht daran glauben: „Wir wollen natürlich immer noch das XXL-Bad“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Kegler.

>>> DAS SOLL DAS XXL-BAD BIETEN

Zum Schwimmen dient laut Plan eine Schwimmhalle mit zwei getrennten 25-Meter-Becken. Für den Spaßfaktor sorgen in einer separaten 50 mal 40 Meter großen Halle zehn Rutschen. Sie sollen bis zu 13 Meter hoch sein, ihre Röhren bis zu 140 Meter lang.

Transparenz statt Phrasen – ein Kommentar von Monique de Cleur

Das Warten aufs XXL-Bad erinnert fatal ans Warten auf Godot: Godot verspätet sich, aber er kommt, heißt es im Stück immer wieder. Das Bad verspätet sich, aber es kommt, heißt es in der Realität immer wieder. Mit der Vorlage des Wirtschaftsplans von Duisburg Sport sind die noch vor sieben Monaten genannten Planungsziele schon wieder um zwei Jahre weiter nach hinten verschoben worden: Nicht vor 2021 soll es jetzt etwas werden mit Schwimmen und Rutschen im neuen Spaßbad.

Da ist es kein Wunder, dass nach den Bürgern im Duisburger Süden nun auch die Bezirkspolitiker den Glauben ans XXL-Bad verlieren. Auf dem weiteren Planungsweg ist mehr Transparenz gefragt: Phrasen wie „rechtliche Anforderungen“ und „inhaltliche Abhängigkeiten“ im Wirtschaftsplan lassen den letzten Rest Glauben daran austrocknen, dass doch irgendwann mal Wasser ins neue Becken fließt.

Godot ist bekanntlich entgegen aller Ankündigungen niemals gekommen. Es ist Duisburg zu wünschen, dass die Aufführung XXL-Bad anders endet.

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